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Maximilianmuseum

06.08.2020

Beim Ensemble Progetto 600 ist alles im Fluss

Iris Lichtinger

Plus Das Progetto 600 verbindet verschiedene Stilarten und hat einen ganz eigenen künstlerischen Ansatz, zu erleben jüngst im Viermetzhof in Augsburg.

Inspiriert von Heraklits „Alles fließt“ sieht das „Progetto 600“ seinen eigenen künstlerischen Ansatz. Das von Iris Lichtinger, Dozentin am Leopold-Mozart-Zentrum, geleitete Ensemble sucht und pflegt Verbindungen alter Musik zu unserer Zeit. Es kommt dabei zu überraschenden wie stimmigen Anklängen über die Jahrhunderte und demonstriert die grenzenlos bewegte Kraft der Töne. „Blue – Alles fließt“ war das Programm betitelt, das im Rahmen der „Fuggerkonzerte“ im Viermetzhof des Maxmuseums geboten wurde.

„Blue“ – die Farbe der Sehnsucht – ist verbunden mit dem Gedanken des treibenden Wassers. Und der Freiheit. Diese nahm sich das „Progetto“ mit seinen Arrangements, in denen von Mittelalter, Barock und Renaissance der Weg zu Avantgarde, Pop, Chanson und eben „Blues“ bereitet wird. Iris Lichtinger (Blockflöte, Gesang), Martin Franke (Geige), Edward King (Cello) und Sebastian Hausl (Percussion, Vibraphon) fanden ihn durchwegs ohne Mühe und Brüche.

Ein Verwandlungsakt von Bach bis Mancini

In sieben Abteilungen wurden kunstvolle Konstruktionen, Balladen, Rhythmen, Tänze thematisiert. Da stellte etwa Cellist King die sonore Fülle zweier Capricci von Giuseppe Dall’Abaco (1710–1805) an den Anfang, um dann über Henry Purcells flirrend virtuose frühbarocke Tanzsätze (Lichtingers Flöte!) in die swingende Ballade des Carlos Jobim (1927–1994) zu gleiten, wobei auch Frankes Violine und Hausls Vibraphon mit ins Spiel kommen, all die anderen Stücke „bebildern“ oder akzentuieren.

Ähnlich wird die Verbindung Dall’Abacos zu Lucio Dallas modern-jazziger „Stella di Mare“-Ballade hergestellt. Monteverdis trauriger Gesang „Si dolce è’l tormento“ bekommt ein behutsam neues Gewand. Die spanische Melancholie-Aura „La suave melodia“ von Andrea Falconieri (1585–1656) endet in Chick Coreas turbulent-farbiger „Fiesta“.

Ein besonders kesser Verwandlungsakt spielt sich von Bach bis Henry Mancini ab: Edward King zelebriert die Allemande der 6. Solosuite, und bevor dann „Moon River“ zu träumen beginnt, wird nicht ohne Raffinement noch ein Mini-Partikel einer „Gymnopédie“ von Satie vorgeschaltet. Nach weiteren Alt/Neu- und Kunst/Folk/Pop-Bonbons und einem traditionellen Tarantella-Spuk gab es zum Schluss Lucio Dallas melancholische Caruso-Hommage. Beifall für die virtuosen und stilistisch geschmeidigen Künstler.

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