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23.10.2020

Christel Peschke war Jahrzehnte ein Publikumsliebling

Christel Peschke im März 2018 mit ihrem Rad vor dem einstigen Eingang zur Altstadt-Komödie. Am 9. Oktober 2020 noch stand sie auf der Bühne.
Bild: U. Wagner

Plus Die Schauspielerin und Sängerin Christel Peschke ist gestorben. Rund 40 Jahre spielte sie auf den Bühnen der Stadt - mit mädchenhaftem und doch resolutem Charme.

Als Dürrenmatts „Physiker“, mit denen kürzlich als Neuinszenierung die laufende Spielzeit im Martinipark gestartet wurden, zuvor in einer Neuproduktion am Augsburger Theater zu besichtigen waren, nämlich 2003, da stand auch sie auf der Bühne – als Oberschwester Boll. Das war in ihrem letzten Jahr als Ensemblemitglied der damaligen Städtischen Bühnen, und natürlich spielte sie auch damals ihre schauspielerischen Stärken aus: Herz zu haben, Herz zu zeigen – und dennoch pragmatisch, patent, resolut zu sein. Eine Oberschwester hat eben zu helfen. Aber ohne deswegen was durchgehen zu lassen.

In ihrer 38. Spielzeit am Augsburger Theater war sie damals: eine feste Größe, beliebt beim Publikum, quasi ein Urgestein. Nun ist die traurige Botschaft zu überbringen: Christel Peschke, die Schauspielerin, Sängerin, starke Brecht-Interpretin lebt nicht mehr. Sie starb 82-jährig am Donnerstagabend im Klinikum, seit Tagen wissend um ihren nahenden Tod. Die Schauspielkunst hat Trauer zu tragen.

In einer späten Paraderolle: Christel Peschke (Mitte) mit Martin Herrmann und Eva Maria Keller in "Arsen und Spitzenhäubchen".
Bild: Nik Schölzel, Theater Augsburg

Und mit ihr Kollegin Eva Maria Keller, die so oft zusammen mit Christel Peschke als ein sich gegenseitig hochschaukelndes Duo auf der Bühne wirkte. Unvergessen, wie die beiden im Blockbuster „Arsen und Spitzenhäubchen“, damals noch in der Altstadt-Komödie, mit größter – wiederum resoluter – Hilfsbereitschaft Männer giftmordeten und singend unter die Erde brachten. Eva Maria Keller erinnert sich: „Auf sie war immer Verlass. Das war Präzisionsarbeit auf der Bühne, die nicht mehr verändert wurde. Das Premierenniveau wurde gehalten.“

Christel Pescke lernte das Werk Brechts erst richtig in Augsburg kennen

So war Keller ein Fixpunkt im Leben Peschkes, die Komödie am Vorderen Lech und das Musical ein zweiter und dritter, jene Mädchenhaftigkeit, die sie sich bis ins Alter bewahrte, ein vierter, die Friedensliebe ein fünfter, das Radfahren durch die Stadt ein sechster. Aber nun muss noch vor diesen Fixpunkten – neben der Familie – ein anderer gesetzt werden: Bert Brecht.

Als die im mährisch-schlesischen Troppau geborene Christel Peschke – nach Jugend in Nördlingen und Studienjahren in Stuttgart – 1965 als Schauspielerin und Sängerin in Augsburg startete, war Brecht für sie kaum ein Begriff. Das sollte sich grundstürzend ändern. Letztlich wurde sie über viele Bühnenrollen (u. a. von Luckerniddle über Jenny bis zu Mutter Courage), über Gesang, Gitarre und Rezitation zu einer ausgezeichneten Brechtkennerin, Brechtvermittlerin: „Wenn ich ihn persönlich gekannt hätte, hätte er mich wohl auch fasziniert“, bekannte sie, die viele, viele Jahre in der Oblatterwallstraße lebte, einmal. So wurde sie auch mit fester Stimme zu einem Sprachrohr Brechts – mit Rückgrat. Aufrecht, liebend und, natürlich, resolut.

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