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Staatstheater Augsburg

27.01.2020

Der Dramatiker Spregelburd spricht über sein Stück "Luzid"

Alles nur ein Traum? Oder doch nicht? Die Schauspieler Ute Fiedler und Roman Pertl in „Luzid“ auf der Brechtbühne im Gaswerkareal.
Bild: Richard Mayr

Plus Der Theaterautor Rafael Spregelburd ist aus Buenos Aires gekommen und erklärt in Augsburg, warum Psychologie ein solch wichtiges Thema in seinem Heimatland ist.

Einen Rekord hat der Dramatiker, Regisseur und Schauspieler Rafael Spregelburd schon einmal aufgestellt – den für die weiteste Anreise zu einem Publikumsgespräch im Staatstheater Augsburg, wie die Moderatorin und Dramaturgin Kathrin Mergel eingangs sagt. Der gefragte Argentinier ist aus Buenos Aires gekommen, um sich unter anderem die Augsburger Inszenierung seines Stückes „Luzid“ anzusehen.

Die Zuschauer, die nach der Vorstellung dieses Stücks dann noch in der Brechtbühne bleiben, bekommen dabei interessante Einblicke darin, wie unterschiedlich ein solches Stück in einzelnen Ländern wahrgenommen werden kann. Geschrieben hat Spregelburd das Vexierspiel, in dem nie völlig klar wird, was Wirklichkeit und Traum ist und vor allem, wer hier überhaupt träumt, für die Theater in Buenos Aires. „Die Menschen in Argentinien haben einen besonderen Bezug zu Psychologen“, sagt er. Das heißt, es gebe im Land mehr Psychologen als Einwohner.

Wer nicht zum Psychologen gehe, werde als jemand wahrgenommen, der ein Problem habe. Dementsprechend werde das Stück, der Spregelburd vor zehn Jahren geschrieben habe, dort auch als ein Witz über diese Fixierung wahrgenommen. Ganz anders sei das zum Beispiel in Barcelona gewesen, in dem Spregelburd das Drama damals ebenfalls inszeniert hat. Auch in Augsburg bleibt der tragische Kern des Ganzen viel stärker im Fokus.

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Rafael Spregelburd im Gespräch mit Ute Fiedler.
Bild: Richard Mayr

Vorgetragen hat das der Theatermacher in ziemlich gutem Deutsch, das er nicht von seinen Großeltern gelernt hat, die aus Deutschland ausgewandert waren, wie er erzählt, sondern während eines längeren Aufenthalts in Deutschlands („Deutsch ist viel einfacher als zum Beispiel Französisch“). Und plötzlich fallen eine Reihe von Namen, die auch in Augsburg geläufig sind. Damals war Spregelburd am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg (während der Intendanz von Tom Stromberg, der Sohn von Augsburgs ehemaligen Intendanten Rudolf Stromberg). Seine ersten Stücke haben dort Sonja und Patrick Wengenroth übersetzt – ja, der Patrick Wengenroth, der in Augsburg das Brechtfestival von 2017 bis 2019 geleitet hat.

Zu Spraegelburds Hauptwerk gehört die „Heptalogie des Hieronymus Bosch“, ein Zyklus aus sieben Dramen, der die sieben Todsünden thematisiert. Und da findet sich plötzlich Tom Kühnel in der Liste der Regisseure, die eines der Werke in Deutschland zum ersten Mal auf die Bühne gebracht haben: 2005 an der Schaubühne in Berlin „Die Dummheit“ (La estupidez). Und: Kühnel hat gemeinsam mit Jürgen Kuttner die Leitung des Brechtfestivals von Wengenroth übernommen.

Sein erster Gedanke: Was wohl die Schauspieler verdienen?

Aufschlussreich ist, wenn Spraegelburd von den unterschiedlichen Produktionsbedingungen in Buenos Aires und an den deutschen Theatern spricht. Wenn er ein solch aufwendiges Bühnenbild in Argentinien sehen würde, wäre sein erster Gedanken, was wohl die Schauspieler verdienen. Dort seien die Rahmenbedingungen andere. „Ich bin froh, wenn ich meine Stücke besser ausgestattet sehe, als ich das in Argentinien machen kann“, sagt er.

Was aber nicht heiße, dass Theater dort eine Randexistenz spiele. Im Gegenteil. In Buenos Aires gebe es rund 400 Spielstätten für Theater, und es werde dort nicht ein Stück am Abend gegeben, sondern zwei oder drei. Spraegelburd hat dort seine eigene Kompanie „El Patrón Vázquez“. Wenn es an ein neues Stück wie „Luzid“ gehe, dann fange er nicht mit einer Idee im Kopf zu schreiben an, vielmehr komme das alles vom gemeinsamen Theatermachen her.

Die Kritik zu "Luzid" finden Sie hier.

Ein Porträt über den Schauspieler Julius Kuhn lesen Sie an dieser Stelle.

Weitere Termine von „Luzid“ am 8. Februar und 17. März jeweils um 19.30 Uhr auf der Brechtbühne im Gaswerkareal.

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