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Junge Künstler

18.03.2021

Der Komponist Felix Bönigk: Seine Töne halten die Spannung hoch

Als Komponist und Pianist geht der junge Augsburger Künstler Felix Bönigk eigene Wege. Manchmal trifft er dabei auf seine Partnerin Lisa Seifert und ihre Band James Garner.
Foto: Robert Hagstotz und Max Saufler (Montage)

Plus Komponieren ist mehr als Musik machen, weiß der junge Augsburger Künstler Felix Bönigk. In der großen Welt der Musik will er aus allem lernen.

Das Stück „Casimir“, komponiert für zwei Akkordeons und eine Orgel, ist untertitelt mit „Ein Tanz“. Ein wahrlich gespenstischer Tanz ist das; die einzelnen, lang gehaltenen Töne der Orgelwinde erinnern an die wehenden Gewänder obskurer Gestalten, die in geisterhaften Bewegungen durch die Luft schweben. Die Spannung wird permanent hochgehalten, durch die langsame Steigerung der Intensität der Töne und durch die ungewöhnlichen Akzentuierungen mit Sextolen bis Undezimolen. Man vermutet als Komponisten eher einen ausgefuchsten Klassikprofessor mit Stockhausen-Portrait an der Wand als einen 23-jährigen, der sich seine Gehörgänge schon kräftig mit Punkrock durchgewaschen hat.

Das Klavier ist Felix Bönigks ständiger Begleiter

Andererseits, zu diesem Zeitpunkt war das Klavier schon seit fast 20 Jahren ein ständiger Wegbegleiter von Felix Bönigk, ein Geschenk seiner Oma, die ihm damit nicht nur seinen sehnlichen Wunsch erfüllte, sondern auch den Grundstein für seinen Werdegang an Klaviatur und Taktstock legte. Pianist zu werden war ein Traum, „doch so mit 15 merkte ich, da ist der Zug schon abgefahren“. Die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule ging daneben, da hatten seine Konkurrenten wohl weniger Instrumente ausprobiert als er, allerdings halt wohl auch mehr Klavier geübt. Doch aus den Noten seines Abizeugnisses las er, „schwarz-auf-weiß, dass Musik machen wohl das ist, was ich am besten kann. Ich konnte nicht auf der Bühne stehen, also wollte ich die Leute wenigstens auf die Bühne schicken.“

Ein Kompositionsstudium an der Hochschule für Theater und Musik München lag auf der Hand, bedient es schließlich das tiefe Interesse am System der Musik genauso wie das an den verschiedensten Instrumenten. Der Austausch zwischen Komponisten und Instrumentalklassen ist intensiv und lehrreich, in gemeinsamen Projekten darf wild experimentiert werden, gerne auch mal ohne Erfolg, sind doch „die wertvollsten Momente oft die, die nicht klappen.“ Doch viel häufiger tragen die Experimente Früchte, dann entstehen Momente wie „Ne Quittez Pas (Op.31)“ von 2019.

Mit elegant fließenden Bewegungen dirigiert Bönigk vier Kontrabassisten, ein gezupftes Grollen zu Beginn wird durch peitschenhafte Schläge unterbrochen, dann erzeugen die Bögen auf den Saiten jenseits der Daumenlage bis hinunter zum Dorn ein Flirren, das langsam anschwillt und schließlich in einem fortissimo der tiefen Töne gipfelt.

Als Musiker setzt sich Felix Bönigk aus Augsburg keine stilistischen Grenzen

Das ist alles schön und gut, jedoch „Komposition ist alles, nur nicht Musik machen“, so sagt der junge Komponist – und Pianist. Denn die zweite Aufnahmeprüfung zum Klavierstudium, die hat der mittlerweile 28-Jährige nun bestanden, und steht jetzt nicht nur am Pult, sondern sitzt auch an den Tasten. Und er setzt sich keinerlei stilistische Grenzen, gibt es doch „eine große Welt an Musik, in der man aus allem immer lernen kann“.

Bönigk selbst muss erst mal nicht weit reisen, um auf einen anderen musikalischen Kontinent zu gelangen. Er muss nicht einmal seine Wohnung verlassen, denn die teilt er sich mit Lisa Seifert, Sängerin, Akkordeonistin und Grafikdesignerin der Augsburger Folk-Helden John Garner, denen Bönigk gerne bei Arrangements unter die Arme greift. Seifert nennt es „schon fast inzestuös, wie die Szene in der Stadt zusammenhängt“. So kann man es natürlich ausdrücken, oder man sieht es als Beleg, wie vernetzt die Szene und vielfältig die musikalischen Hintergründe der Künstlerinnen und Künstler sind.

Mit seiner Partnerin Lisa Seifert plant Komponist Felix Bönigk ein Album

Natürlich spielen die beiden zusammen, oder? „So naheliegend wie es scheint, war das tatsächlich nicht“, erzählt die Sängerin, schließlich machen beide unabhängig voneinander Musik und „man braucht auch mal Feierabend“. Nach einem gemeinsamen Auftritt habe sie aber Blut geleckt, als Solosängerin auf der Bühne zu stehen. „John Garner ist mein Herz, meine Familie“, aber eine Soloplatte stand schon länger auf der Liste. Vielleicht gibt es Jazzstandards, vielleicht eigene Songs, vielleicht eine Mischung aus beiden. Begleitet wird ihre schöne, klare Stimme jedenfalls von Felix Bönigk. Der dann doch, sowohl musikalisch wie persönlich, die nahe liegendste Wahl ist.

Lesen Sie auch die weiteren Folgen unserer Serie "Junge Künstler":

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