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Corona-Folgen

07.01.2021

Die Pandemie lähmt auch den Buchmarkt: Drei Autoren erzählen

Michael Erle aus Mering schreibt Science-Fiction-Bücher, die in Süddeutschland spielen.
Bild: Manuela Krämer

Plus Drei Autoren aus der Region berichten, wie es ihnen mit ihren neuen Büchern ergangen ist: Die Antworten reichen von "kaum Probleme" bis zum totalen Reinfall.

Eine Dystopie, ein Liebesroman, ein Regionalkrimi – drei Neuerscheinungen müssen in der Krise ihre Leser finden. Wie machen das die Autoren ohne Lesungen, ohne Buchmessen?

Michael Erle, Musiker und Autor aus Mering, schreibt packende Science-Fiction, die in Süddeutschland spielt. Seine dystopische Reihe „Sturm über dem Rheintal“ um die junge Heldin Etienne und ihre Clique ist im Eridanus-Verlag erschienen. Der zweite Band „Die verlorenen Söhne“ kam Anfang Dezember heraus, kurz bevor die Buchhandlungen wieder schließen mussten. In seinem Roman hat die Klimakatastrophe schon stattgefunden, die Menschheit lebt seit einer Generation mit den Folgen. Wie eine neue Gesellschaft entsteht, wie sie sich arrangiert, aber auch welche neuen Machtverhältnisse entstehen, hat Erle in zwei spannende Abenteuer verpackt. Doch wie kommt sein neues Buch im Shutdown unter die Leser?

Aus Marketing-Sicht ist die Zeit furchtbar, sagt Autor Michael Erle

„Wir befinden uns in einer spannenden Zeit, die jedoch aus Marketing-Sicht furchtbar ist“, findet der Autor. Eine Bekannte, die den ersten Band auf ihrem Youtube-Kanal vorgelesen hat, werde dies auch mit dem zweiten tun, sagt er. Außerdem plant sein Verlag, eine Online-Leserunde über „Lovelybooks“ zu veranstalten. Die Plattform im Internet ist beliebter Treffpunkt bei Lesern, Autoren und Verlagen geworden und gilt als die größte Buchcommunity im deutschsprachigen Raum. Monatlich tauschen sich hier 1,9 Millionen Buchliebhaber in Leserunden aus.

Trotzdem fehlen Michael Erle die persönlichen Kontakte mit den Lesern und Buchbloggern. Da könne keine digitale Veranstaltung mithalten, daher haben er und sein Verlag die Teilnahme an der Frankfurter Online-Buchmesse letztes Jahr abgesagt. Nun hoffen sie auf die Leipziger Buchmesse im Mai.

Autorin Christiane Bößel verkauft die meisten Bücher digital

Christiane Bößel, Autorin von Liebesromanen, lebt in Diedorf.
Bild: Marko Petz

Hauptsächlich um Liebe geht es in den Büchern der Diedorfer Autorin Christiane Bößel. Auch von ihr ist Ende 2020 ein neues Buch erschienen, „Dream Men Come True“.

Sie blickt entspannter als Michael Erle auf das zurückliegende Jahr zurück, denn ihre Leser suchen neuen Lesestoff überwiegend online. Mit ihnen kommuniziert die Autorin überwiegend auf Facebook und Instagram. Doch auch ihre Romane verkauften sich im letzten Jahr weniger. Woran das liegen könnte, fragen sich auch die Verlage. Weniger Einkommen aufgrund von Kurzarbeit, mutmaßt Christiane Bößel.

Auch sie vermisst die persönlichen Kontakte – aber aus einem weiteren Grund: Ihr fehlen die „Meet & Greets“ auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Diese Fototermine seien für ihr Genre ein wichtiges Mittel zur Vermarktung, denn hier gehe es um den für ihre Leserinnen und Buchblogger wichtigen Austausch mit Selbstdarstellung, erklärt Christiane Bößel. Dennoch möchte sie noch nicht auf die Leipziger Buchmesse im Mai gehen, sondern erst einmal abwarten, bis sich die gesundheitliche Lage etwas entspannt habe.

Monika Pfundmeier hat einen Krimi rund um die Passionsspiele geschrieben - die fielen aus

Ganz schlecht hat es 2020 Monika Pfundmeier erwischt. Letztes Jahr erst wechselte die Gewinnerin des Deutschen Selfpublishing Preises von 2018 und „eine der stärksten Stimmen der jungen Gegenwartsliteratur“ (Nina George) zu einem Verlag. Im März 2020 plante dieser, ihren Regionalkrimi „Kreizkruzifix“ herauszubringen. Im Buch ermittelt die flotte Metzgerin Theres Hack in der Oberammergauer Festspielszene. Pünktlich zu den Passionsspielen 2020 sollte daher ihr Krimi erscheinen. Doch als die nur alle zehn Jahre stattfindende Großveranstaltung letztes Frühjahr ausfiel, fiel auch ihre Neuerscheinung der Corona-Pandemie zum Opfer. „Alle Marketingmaßnahmen und auch die Premieren-Lesung hatten wir auf die Termine der Passionsspiele abgestimmt. Der Lockdown begann genau an dem Wochenende, an dem mein Krimi erschien. Das Buch hatte keine Chance“, fasst Monika Pfundmeier zusammen. „Extrem demütigend“ sei das gewesen, sagt sie.

Monika Pfundmeier aus Affing arbeitet an ihrem zweiten Regionalkrimi.
Bild: Manuela Krämer

Auch die Buchhändler orderten wegen der drohenden Schließung ihrer Läden keine neuen Bücher mehr. So kam ihr Krimi gar nicht erst in den Handel. Wie bewältigt man so extreme Niederlagen? „Gleich weiterschreiben“, antwortet die Autorin und zeigt sich optimistisch. Ihr fünfter Roman und zweiter Krimi, „Die Blaue Reiterin“, wird im März 2021 im Servus-Verlag erscheinen.

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