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Schauspiel

10.01.2020

Die Pubertät taucht in den Sturm der starken Gefühle

Dem Sturm der Gefühle in der Pubertät spürt Rebekka Reinholz im Stück „Bienen küssen nicht“ nach.
Bild: Rebekka Reinholz

Plus Die Pubertät ist voller chaotischer Erfahrungen. Rebekka Reinholz hat dazu das Stück „Bienen küssen nicht“ entwickelt. Die Schauspielerin aus Augsburg zeigt es im Abraxas

Sie hat es fast schon geahnt: Das mit der Musical-Karriere wird nichts. Viel zu kurz hörten und sahen ihr die Castingleute zu. Jetzt ist Marie voller Wut – auf sich und auf die anderen. Alle kriegen ihre Chance – der große Bruder zieht aus, die beste Freundin hat sich frisch verliebt –, nur sie nicht! Ein typischer Fall von Pubertät, den die junge Schauspielerin Rebekka Reinholz, 29, in ihrem Stück „Bienen küssen nicht“ verhandelt. Als Heimspiel tritt die gebürtige Augsburgerin, deren Karriere im Jugendclub des Augsburger Theaters begann, nun damit im Kulturhaus Abraxas auf.

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Reinholz taucht ihre Zuschauer – gestern Vormittag waren es mehrere 9. Klassen der Mittelschulen – in das Wechselbad der Gefühle und Stimmungen ein, die im Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden das jugendliche Leben so turbulent machen. Welches Outfit, welche Rolle passt gerade zu Marie? „Ich weiß nicht, was ich bin …“ Fürs eine fühlt sie sich schon zu alt, fürs andere, vor allem für Liebe und Sex, sei sie noch zu jung, sagt die Mama. Unablässig probiert das Mädchen auf der Bühne aus, sich bestmöglich auszudrücken: Zwei Garderobenstangen bieten dafür reiche Auswahl an Klamotten und Accessoires.

Die junge Schauspielerin leistet ganz Körperarbeit

Rebekka Reinholz leistet dazu ganze Körperarbeit: Sie tanzt ihre Stimmungen, sonnt sich im Scheinwerferkegel, lässt bedrückt den Kopf hängen, stolziert als selbstbewusste Lady, hängt immer wieder am Smartphone und Laptop. Mal trägt sie das Herz auf der Zunge und mal druckst sie verlegen herum, mal ist sie emotional total down und mal ein tatendurstiges Energiebündel. Ihre Glücksgefühle schießt sie in Form von Luftballons ins Publikum oder stimmt melancholisch einen veritablen Musicalsong an: „Wenn einer in dein Leben tritt …“

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Die Schauspielerin spürt der Pubertät als Möglichkeitsraum nach – in dem sich alles verändert und alles sich falsch anfühlt, aber manchmal eben auch wahnsinnig bedeutsam und richtig. Rebekka Reinholz hat „Bienen küssen nicht“ am Schlosstheater Celle in einer Vierer-Frauengruppe entwickelt. „Jede von uns hat Erfahrungen aus ihrer eigenen Pubertät eingebracht“, erzählt sie. Für die Bühne haben sie freilich alles überspitzt, in kurzer Zeit sollte viel passieren. In nur sechs Wochen stand das Einpersonenstück. Es war sehr stressig. „Meistens habe ich geschrieben und saß teilweise nächtelang daran. Mittags habe ich dann die Rolle gelernt und abends geprobt“, berichtet die Schauspielerin. Obendrein sei das Stück eine Woche vor der Premiere teilweise nochmals umgeschrieben. Reinholz: „Ich war so aufgeregt …“

Auch die oberpeinlichen Sachen werden in dem Stück verhandelt

Eigentlich sei der Soloauftritt nicht so ihr Ding. „Ich liebe das Zusammenspiel im Ensemble“, erklärt sie. Im Solo gibt es keine Souffleuse, wenn irgendetwas den Darsteller drausbringt. Dabei kommt es gerade allein vor Publikum darauf an, im Flow zu bleiben – „sonst entsteht ein Loch“. Doch irgendwie sei sie dankbar für diese Erfahrung. Auch im Abraxas lässt sie sich nichts anmerken, obwohl die Schüler immer wieder reinquatschen und untereinander direkt ihre Kommentare abgeben. Na gut, es werden im Stück ja auch oberpeinliche Sachen verhandelt vom Schwulsein über den ersten Sex bis zur Menstruation. Was Sachbücher dazu distanziert sagen, hat nichts mit dem Sturm der Empfindungen zu tun, wenn um das eigene Ich und die Freunde geht. Rebekka Reinholz bringt gut rüber, wie sich Schmetterlinge im Bauch anfühlen – mit pochendem Herzen, schweißnassen Achseln und Erröten. Und was sagt man denn so beim ersten Date? „Liebe passiert einfach – dafür muss dir nichts beigebracht werden“, lautet die Quintessenz.

Im Abraxas fühlt sich Reinholz an früheste Theatererfahrungen erinnert. Damals in der Grundschule bei den Schulspieltagen. Im JTT hat sie dann richtig Lust bekommen, sie hat Schauspiel in Wien studiert, hatte Engagements am Burgtheater, in Kärnten, Graz und Celle. Zuletzt tourte sie mit dem Musical „Heidi“ in Österreich und der Schweiz. Das mag ein Mädchentraum sein, aber ihr Ding doch eher nicht …

Aufführungen „Bienen küssen nicht“ wird nochmals am Samstag, 11. Januar, um 15 Uhr im Abraxas gespielt. Außerdem am 3./4. April. Karten unter Tel. 0821/3246355 und Reservix.de

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12.01.2020

Das Stück "Bienen küssen nicht" habe ich mit meiner 9. Klasse angeschaut. Die Rezension trifft sowohl die Stimmung des Stücks als auch die Kernthematik. Werde sie meiner Klasse zum Vorlesen geben und auf dieser Grundlage mit ihnen über das Stück sprechen. Danke für die ausführliche Rezension. "Tatendurstiges Energiebündel", das beschreibt sehr gut die Präsenz der Schauspielerin.

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