Geschichte

05.11.2018

Die älteste Bischofsstadt Bayerns?

Augsburgs Dom ist Teil einer reichen Geschichte.
Bild: Bernd Hohlen

Im Licht neuerer Erkenntnisse nehmen Historiker an, dass Augsburg seit der Spätantike eine stattliche Kathedrale hatte

Ist Augsburg die älteste Bischofsstadt Bayerns? Einige neuere historische Erkenntnisse sprechen für diese Annahme, wie jetzt eine Tagung des Vereins für Bistumsgeschichte und der Universität ergab. Drei Tage bilanzierten Wissenschaftler und Theologen den Stand der Forschungen über „Bischöfe und ihre Kathedrale im mittelalterlichen Augsburg“, der in den vergangenen 20 Jahren erheblich ausgeweitet werden konnte – und so manche ältere These korrigierte. Sicher ist inzwischen, dass in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts hier eine erste christliche Basilika errichtet worden ist, damals noch in Randlage der Römerstadt bei St. Gallus. Weil Lech-Hochwasser jedoch mit der Zeit ihre Statik unterspülte, wurde im Frühmittelalter an heutiger Stelle neu gebaut.

Freilich: Für viele Annahmen fehlen noch immer die handfesten Beweise. Stadtarchäologe Sebastian Gairhos neigt dazu, eine ununterbrochene Besiedlung Augsburgs seit der Antike anzunehmen. Er hält es für möglich, dass fürs Jahr 591 ein Bischofssitz urkundlich bezeugt ist. Prof. Dieter Korol (Münster) ordnet sogar schon fürs späte 4. Jahrhundert den in der Severinsvita genannten rätischen Bischof Valentinus Augsburg zu. Jedenfalls stand damals hier bereits eine stattliche dreischiffige Basilika mit Wandmalereien. Korol identifiziert darin – gegen frühere Deutungen – eine Szene aus dem alttestamentlichen Josef-Zyklus, die es so auch in der Basilika von Bischof Ambrosius in Mailand gegeben hatte. Derlei passt in den archäologischen Befund, dass im 4. Jahrhundert Augsburg eine durchaus wohlhabende Bevölkerung hatte.

Selbst am Ende der römischen Herrschaft scheint Augsburg ein wichtiges Zentrum nördlich der Alpen geblieben zu sein. Der Mediävist Prof. Thomas Krüger (Augsburg) kann sich gut vorstellen, dass die Stadt ein Sitz des ersten Baiern-Herzogs Garibald (ab 548) gewesen ist, „und das bedeutet, dass es hier auch ein hoch stehendes kirchliches Leben gab“. Danach aber scheint Augsburg den Bischofssitz für einige Zeit verloren zu haben. Bonifatius, Apostel der Deutschen, beklagt 738 eine unzureichende kirchliche Organisation in Bayern. Erst 798 bezeugt Papst Leo III., dass Bischof Simpert die Bischofssitze Neuburg/ Donau und Staffelsee in Augsburg vereinigt habe. Zuvor berichtet die Magnusvita laut Krüger von Bischof Vikterp mit Sitz in Epfach am Lech, wo sich zwei Römerstraßen kreuzten. So recht zu Bayern scheint die Diözese diesseits und jenseits des Lechs jedoch nicht gepasst zu haben. Im Jahr 829 ist sie bereits von der Salzburger zur Mainzer Kirchenprovinz gewechselt.

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Das Augsburg zur Zeit Bischof Ulrichs (923–973) scheint ziemlich klein gewesen zu sein. „Mehr als tausend ständige Einwohner wird die Stadt nicht gehabt haben“, sagt der Mediävist Prof. Martin Kaufhold (Augsburg). Allerdings machten hier die Kaiser auf ihren Italienzügen Station, was auch Einrichtungen für eine anspruchsvolle Liturgie voraussetzt. 952 trat eine Synode mit vier Erzbischöfen und 20 Bischöfen in Augsburg zusammen. Schon Simpert hatte 804 einen Dom gebaut, Ulrich die Ruine erneuert, diese Kathedrale aber stürzte ihrerseits 994 „von selbst“ ein. Der folgende, in den Jahren 997 bis 1006 errichtete ottonische Dom bildet noch heute das Herzstück der Augsburger Kathedrale. Hoftage und Papstbesuche fanden hier statt. „Es war eine eindrucksvolle Kathedrale mit aufwendiger künstlerischer Gestaltung“, so Kaufhold.

Die farbige Ausmalung entspricht dem Vorbild der Georgskirche auf der Bodenseeinsel Reichenau, erklärt Matthias Exner vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Wenn sie auch nicht mehr die Eleganz der karolingischen Malerei erreicht, zeigt sie Elemente wie den umlaufenden Mäanderfries, geschürzte Vorhänge, Heiligenfiguren. Vielleicht seien sogar die mittelalterlichen Prophetenfenster ein Reflex auf das ottonische Bildprogramm. Dazu bedürfte es, so Exner, weiterer Untersuchungen in einer lange geplanten, aber der Kosten (150000 Euro) halber noch nicht realisierten zweiten Projektphase.

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