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Leopold Mozart

18.01.2021

Ein weiteres Porträt von Leopold Mozart ist nicht authentisch

1937 erwarb die Stadt Augsburg dieses Pastell – im Glauben, dass es Leopold Mozart zeigt. Hinweise darauf, dass es sich jedoch kaum um den Vater von Wolfgang Amadeus handeln kann, finden sich auch in der Beschriftung auf der Rückseite des Bildes.

Plus Zum zweiten Mal ist ein Porträt von Leopold Mozart als nicht authentisch entlarvt. Ein Salzburger Wissenschaftler hat Unstimmigkeiten entdeckt. Und es droht noch mehr.

Lumpen hat sich Augsburg nicht lassen im Jahr 2019, als Leopold Mozarts 300. Geburtstag von seiner Geburtsstadt gefeiert wurde. Aber rund um diesen Ehrentag für den Vater von Wolfgang Amadeus hat seine professionelle Vermittlung in Wort, Bild und Ton doch auch erhebliche Rückschläge hinnehmen müssen.

Mozart-Kenner Christoph Großpietsch führt gute Gründe für seine Zweifel an

Jüngst mussten wir – nur ein gutes Jahr nach den Feierlichkeiten – berichten, dass die in Augsburg ansässige Leopold-Mozart-Gesellschaft sich in der Liquidation befindet und ihre Arbeit einstellen wird; schon 2019 wurde im Katalog zur TIM-Ausstellung „Mozarts Modewelten“ ein zweifelhaftes, aber jahrzehntelang im Mozarthaus in der Frauentorstraße gezeigtes Kunstsammlungs-Gemälde, das angeblich Leopold und seine musikalischen Kinder zeigen sollte, wohl endgültig als nicht authentisch entlarvt; und nun hat derselbe Wissenschaftler, der dieses Familienbild abschrieb, noch ein weiteres Porträt, das mit Leopold Mozart in Verbindung gebracht worden war, anhand guter Gründe als enorm zweifelhaft eingestuft.

So richtig verlässlich ist es nicht mehr zu eruieren, ob auch dieses Porträt, ein unsigniertes kleines Pastell auf Pergament, über Jahrzehnte im Mozarthaus präsentiert wurde. Aber sein Erwerb durch die Stadt aus Kölner Kunsthandel fällt just in das Jahr 1937, als das Mozarthaus als Museum öffnete. Und 1951, zur Wiedereröffnung des im Krieg zerstörten Mozarthauses, wurde dann das frisch erworbene, nicht authentische Familienbild groß herausgestellt. Man wollte wohl 1937 wie 1951 mit „Neuentdeckungen“ trumpfen. Heute aber bleibt von den einstigen „Neuentdeckungen“ wenig bis nichts übrig. Christoph Großpietsch von der Stiftung Mozarteum Salzburg, als promovierter Musikwissenschaftler und studierter Kunsthistoriker ein exzellenter Kenner der belegbaren oder möglichen Porträts Leopold – beziehungsweise ihm fälschlicherweise zugeordneter Konterfeis –, hat jüngst auch Unstimmigkeiten und Widersprüchlichkeiten für die Behauptung zusammengefasst, bei der Pastell-Miniatur handele es sich um eine Darstellung Leopolds.

Die Rückseite des Leopold-Mozart-Porträts gibt Aufschluss

So enttäuschend das erneut für die Leopold-Mozart-Stadt Augsburg sein mag, so interessant ist die Argumentation Großpietschs: Zum einen sei die alt wirkende Beschriftung auf der Rückseite erst nach dem Tod von Leopold und Amadeus in der typischen Sichtweise des frühen 19. Jahrhunderts verfasst worden, nämlich in der Namensnennung Wolfgang Amadeus Mozart und mit der Kennzeichnung Leopolds als Vater dieses Sohnes.

Die Rückseite des angeblichen Leopold-Mozart-Porträts.
Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Beides entspreche nicht den Ansichten, beziehungsweise dem Brauch vor 1800 – als eben Leopold Mozart noch nicht insbesondere als der Vater eines Genies gehandelt und der Sohn eben noch nicht in der Namens-Kombination Wolfgang Amadeus Mozart genannt wurde. Und zum Zweiten zeige das kunstgeschichtlich etwa auf das Entstehungsjahr 1770 zu datierende Porträt einen jüngeren Mann als es Leopold Mozart in Wirklichkeit bereits 1756 war – als ein gesichertes Bildnis von ihm die in Augsburg frisch gedruckte Violinschule schmückte.

Der Kunsthandel hat in Sachen Leopold Mozart vielleicht nachgeholfen

Bei all dem ist Christoph Großpietsch so skeptisch wie vorsichtig: Die Miniatur „wäre keineswegs das einzige bekannte Bildnis, das Leopold zeigen soll, ihn aber nicht darstellen kann“. Sein Vorschlag zur Erklärung der falschen Zuschreibung: „Seit Urzeiten wünschen sich Menschen, anstatt eines anonymen Menschen eine bekannte Persönlichkeit entdecken zu können.“ Womöglich sei vom Kunsthandel ein wenig nachgeholfen worden, das kleine Porträt der Stadt Augsburg in dem Moment anzubieten und zu verkaufen, als 1937 unter großer Ankündigung das Museum im Mozarthaus eröffnet werden sollte – ähnlich der Situation, als 1951 erneut eine „Neuentdeckung“ mit dem Familienbild wünschenswert erschien.

Zu allem Überfluss: Demnächst wird wohl von einer Art weiterem Augsburger Verlust in Sachen Leopold zu berichten sein. Es ist noch was im Busch.

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