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Schulkinowoche

05.04.2019

Geschichtsunterricht im Kinosaal

„Deutsche haben Deutsche erschossen, weil sie frei sein wollten“, erklärt Film-Pädagoge Jörg Litzenburger Schülern nach der Filmvorführung.
Bild: Denis Dworatschek

Eine 10. Klasse erfährt durch Michael Bully Herbigs Film „Ballon“, was die ehemalige innerdeutsche Grenze für die Menschen bedeutete.

Es ist still im Kino. Auf der Leinwand läuft der Abspann. Eigentlich hört man jetzt, wie die Besucher sich anziehen oder wie über den Film diskutiert wird. Doch die Vorstellung, die am Donnerstag im Thalia am Obstmarkt lief, war keine normale. Sie war Teil der Schulkinowoche Bayern. In 125 Kinos in 116 bayerischen Städten werden unterrichtsrelevante Filme gezeigt. Und in Augsburg war das „Ballon“ von Michael „Bully“ Herbig.

Die wahre Geschichte hat Wirkung

Im Film geht es um zwei Familien, die 1979 aus der DDR gen Westen flüchten wollen. Dazu nähen sie aus mehreren verschiedenen Stoffbahnen einen Heißluftballon und fliegen damit über die Grenze. Ihnen im Nacken sitzt die Stasi, die die Flucht mit großem Aufwand verhindern will. Der Thriller beruht auf einer wahren Geschichte. Weswegen er umso mehr Wirkung bei der 10. Klasse des Holbein-Gymnasiums zeigt.

Nach dem zweistündigen Film geht es nicht gleich wieder zurück in die Schule. Das Klassenzimmer ist heute der Kinosaal. Film-Kritiker und Film-Pädagoge Jörg Litzenburger spricht nach der Vorstellung mit den Jugendlichen über den Begriff „Demokratie“. Dabei beantwortet er auch Fragen zum Film. Und davon gibt es einige. „War der Aufwand, mit dem die Stasi versuchte, die Familien an der Flucht zu hindern, wirklich so groß?“, möchte eine Schülerin wissen. „Für ein solch totalitäres Regime wie das der DDR bedeutete so eine Flucht sehr negative Schlagzeilen“, sagt Litzenburger. Er erklärt, dass mehr als 250 Menschen an der innerdeutschen Grenze gestorben sind. „Das müsst ihr euch mal vorstellen: Da haben Deutsche Deutsche getötet, nur weil sie frei sein wollten.“

Gebannt horchen die 16 bis 18 Jahre alten Schüler dem Film-Pädagogen zu. Ein einfaches „Okay“ war damals schon ein Grund für einen Lehrer, seinen Schüler einen Klaps auf den Hinterkopf zu geben. „Und wisst ihr warum? Weil es ein Wort des westlichen Klassenfeindes war“, sagt Litzenburger. Eine der Schülerin, deren Mutter aus der DDR stammt, erzählt selbst von ihren Eindrücken. Und die Geschichtslehrerin der Klasse Petra Tonsky erklärt: „Man kann den Schülern die Geschichte mit einem Film und einer Diskussion ganz anders vermitteln.“ Sie hat derzeit ein DDR-Projekt laufen, bei dem die Jugendlichen Referate zu Themen wie Stasi, Kleidung in der DDR und die Mauer halten. „Die Schüler konnten sich nicht vorstellen, wie das damals wirklich war“, sagt Tonksy. Deswegen sei die Diskussion wichtig gewesen. „Wir haben nur einmal wöchentlich Geschichtsunterricht, da wäre sonst viel verpufft.“

Litzenburger meint, dass es wichtig sei die jüngere deutsche Geschichte zu kennen. „Wir wollen unsere Demokratie doch bewahren, welche andere heute versuchen zu zerstören “, sagt er bei der Diskussion. Deshalb müssen die Schüler und Jugendlichen von heute kreativ reagieren. Denn: „Demokratie sind wir alle.“

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