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Stadthalle Gersthofen

10.02.2019

"Homohalal" ist eine Farce über die Migration, die verschreckt

Bild: Hermann Posch

Die Farce „Homohalal“ überzeugt beim Gastspiel nicht. Einige Zuschauer gehen - trotz des anfänglichen Appells, doch bitte bis zum Ende zu bleiben.

Flucht und Integration sind in unserem Alltag seit 2015 ein Riesenthema, kein Wunder, dass sie auch in künstlerischen Diskursen verstärkt auftauchen. Der aus dem syrischen Aleppo stammende Ibrahim Amir hat mit dem Stück „Homohalal“ versucht, das Thema als eine Farce anzupacken. Herausgekommen ist ein skurriles Zukunftsszenario über die deutsche Gesellschaft im Jahr 2037. Eine Produktion von Theaterlust gastierte in Gersthofen und hatte so manchen Abonnenten mehr verschreckt als amüsiert.

Allzu großes Urteilsvermögen traute Regisseur Thomas Luft dem Gersthofer Publikum nicht zu. Eindringlich beschwor er die Zuschauer vor Beginn, sich das Stück bis zum Ende anzusehen, auch wenn es vielleicht eine andere Komödie sei als üblich. Doch Theaterabonnenten sind kritikfähig genug, um die Qualität eines dramatischen Textes und dessen inszenatorischen Umsetzung bewerten zu können.

Auch in Gersthofen wussten die Zuschauer, welche Dialoge und Situationen dieser einstündigen Farce witzig waren und wann es Zeit war, den Saal zu verlassen. Das Publikum sah keine Komödie, sondern ein wildes Durcheinander an Motiven und Themen, die Dialoge oft sehr platt und vulgär in der Form eines Jugendstücks. Diese Unausgegorenheit war der zentrale Schwachpunkt.

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Ein Ergriffensein ist nicht möglich

Es ging eben nicht nur um das Thema Integration und Migration, sondern auch um religiöse Rituale unterschiedlicher Konfessionen, um islamistischen Fundamentalismus und um Homophobie und humanitäre Verantwortung. Ein Ergriffensein und Mitfühlen mit den Charakteren war bei diesem Mix nicht möglich. Weshalb vom Publikum nahezu keine Reaktionen ausgingen, ausgenommen von jenen, die den Saal frühzeitig verließen.

Dabei ließ die Ausstattung auf einen verheißungsvollen Verlauf hoffen. Auf einer schrägen Ebene agierten die sieben Schauspieler in bunten Perücken als expressionistisch konzipierte Typen. In der Mitte der Bühne befand sich eine Öffnung, die sich mehr und mehr als offenes Grab manifestierte. Eben dort trifft sich diese Gruppe im Jahr 2037. Anlass ist der Tod Abduls, der gleichzeitig als Erzähler fungiert.

Zur Flüchtlingswelle 2015 haben sich alle kennengelernt, nun träumen sie von damals. Alle sind wunderbar integriert. Genau das ist für Abdul das Problem. Sie haben sich zu sehr assimiliert. Deshalb will er sich und alle mit einem Brandanschlag vernichten. Zündstoff hat das Thema in jedem Fall, schade, dass die Dialoge größtenteils sehr platt und unmotiviert vulgär daherkommen, dass der Klamauk im Vordergrund steht. Andernfalls hätten es vielleicht alle Zuschauer bis zum Schlussvorhang geschafft.

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