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Tuiachs Thesen

10.01.2019

Kolumne: Fernsehschauspieler, bitte nicht nuscheln!

Erst dachte der Kabarettist Silvano Tuiach, dass er schwerhörig geworden sei. Was die TV-Schauspieler sagten, konnte er auch kaum noch verstehen.

Irgendwann kommt das Alter, in dem man an den Abenden nicht mehr auf eine Party – oder „Feschtle“ wie wir früher sagten – geht, sondern seinen Tag vor der Glotze beschließt. Nach der „Tagesschau“ (seit wie vielen Jahren ist Susanne Daubner da eigentlich schon präsent? Seit zwanzig, seit dreißig Jahren?) kommen die Krimis. Und wenn man – wie ich – Dauerglotzer ist, dann fällt auf, wie zahlenmäßig gering die Anzahl der Fernsehschauspieler ist, die wir wöchentlich sehen. Simon Schwarz und Alexander Held zum Beispiel sind Dauergäste auf der Mattscheibe. Auch Peter Kurth ist derzeit permanent zu sehen. Am peinlichsten war seine Fernsehpräsenz als er „Berlin Babylon“ den Kommissar gab und in der gleichzeitig laufenden Serie „Die Protokollantin“ was?, ja, auch den Kommissar mimte!

Das Allerschlimmste – das seltsamerweise viel zu selten thematisiert wird – ist das Nuscheln der Fernsehakteure. In jedem zweiten „Tatort“ versteht man kaum ein Wort. Am Anfang dachte ich, na ja, vielleicht bin ich schwerhörig geworden. Aber als immer mehr Bekannte mich auf dieses Phänomen ansprachen, wusste ich, es liegt nicht an meinen Ohren. Wenn es Ihnen auch so geht, kann ich Ihnen sagen, woher die Nuschelei rührt. Die Regisseure werden immer jünger und halten die Schauspieler an, „authentisch“ zu sprechen, und fordern sie auf, ihre Sprechausbildung an den jeweiligen Schauspielschulen zu vergessen. Aber wenn man darob die Handlung des Films nicht mehr versteht, dann hört der Spaß auf.

Das glatte Gegenteil der Nuschler

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In diesem Zusammenhang fällt mir die Krimiserie „Siska“ ein, die vor mehr als zehn Jahren im Fernsehen lief. Dieser „Siska“ (gespielt von dem Schauspieler Peter Kremer), so um die vierzig, groß gewachsen, gut aussehend, war das glatte Gegenteil der heutigen Nuschler. Wenn Kommissar Siska vor der Tür eines Verdächtigen stand, sprach er sein „Öffnen Sie sofort die Türe, hier ist die Polizei!“ so dezidiert, als stünde er in den Kammerspielen und würde aus einem Shakespeare-Stück deklamieren. Lächerlich zwar, aber verstanden hat man ihn.

Als ich unlängst beim Tippen dieser Zeilen einen pensionierten Mitarbeiter unserer Zeitung traf, fragte er mich, woran ich gerade schreibe. Als ich ihm von meinem Text erzählte, antwortete er, das könne er absolut nachvollziehen. Aus diesem Grund gehe er auch nicht mehr ins Theater. Dort würden gerade die jungen Schauspieler derart nuscheln, dass er nichts mehr verstehe. Und Herr M. versicherte mir, dass er noch sehr gut höre…

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