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Harry Meyer

27.07.2020

Künstler Harry Meyer: „Ich bin nicht immer auf ein Danke gestoßen“

Heute feiert der Künstler Harry Meyer, der in Stadtbergen lebt, seinen 60. Geburtstag.
Bild: Harald Holstein

Plus Zum 60. Geburtstag zieht der Künstler Harry Meyer Bilanz. Er kritisiert, dass die Kunstsammlungen Augsburg sich so wenig für sein Schaffen interessieren.

Immer wieder hat der in Neumarkt/ Oberpfalz geborene Künstler Harry Meyer in der Stadt und im Landkreis Augsburg eindrücklich auf sich aufmerksam gemacht – derzeit überdies in einer umfassenden Ausstellung des Diözesanmuseums Augsburg, wo seine Werke vielfach mit alter und neuer Sakralkunst in Dialog treten (bis 23. August). Heute nun wird Meyer, ursprünglich gelernter Architekt, 60 Jahre alt – Grund genug, eine vorläufige kleine Lebensbilanz zu ziehen.

Seit etwa 30 Jahren sind Sie als freischaffender Künstler tätig. Wie viele Bilder kursieren denn seitdem schätzungsweise von Ihnen – und wie viele Skulpturen?

Harry Meyer: Abzüglich der sehr kleinen Gemälde, etwa im Format 20 mal 20 Zentimeter, von denen – ungezählt – sehr viele existieren, tippe ich auf etwa 750 Gemälde und 40 Skulpturen, darunter mehr bemalte Holzskulpturen als Bronzeplastiken. Aber über diese reine Quantität hinaus freue ich mich besonders, dass es mir im Laufe der letzten 30 Jahre gelungen ist, rund 20 Bildtypen zu entwickeln, darunter Köpfe, sogenannte Land-Energie-Bilder, Sternennächte und Pleinairmalerei draußen in der Landschaft. Nicht jeder Künstler bringt es auf rund 20 Bildtypen, mancher bleibt ein Leben lang bei einem nur.

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Es dürfte am befriedigendsten für einen Künstler sein, wenn seine Kunst aus dem Atelier in eine Ausstellung geht und von dort gleich in die Hand eines Museums. An welches Museum, das etwas von Ihnen besitzt, denken Sie am liebsten?

Meyer: Es gibt ja einige öffentliche Kunstsammlungen mit Arbeiten aus meinem Atelier: 1991 kaufte die Bayerische Staatsgemäldesammlung ein erstes Bild von mir. Seitdem haben rund 50 öffentliche Sammlungen Arbeiten meiner Hand in ihren Bestand aufgenommen, auch ein Museum im südkoreanischen Daegu. Meine liebste Vorstellung ist natürlich die, dass die angekauften Werke auch im Präsenzbestand gezeigt werden. Was – zum positiven Beispiel – in der Kunsthalle Emden und im Diözesanmuseum Eichstätt der Fall ist. Eine Ausnahme bilden leider die Kunstsammlungen der Stadt Augsburg. Dort wurden zuletzt im Jahr 1993 Bilder von mir erworben – im Zusammenhang mit der Verleihung des Kunstförderpreises. Dass die Stadt, in der ich den größten Teil meines Lebens verbracht habe, in der ich meine wichtigsten künstlerischen Anstöße erhalten habe und 25 Jahre lang mein Atelier hatte, mein Werk nicht dokumentiert, betrübt mich außerordentlich. Damit bin ich aber nicht allein, das erfahren in Augsburg auch andere ernst zu nehmende Künstler.

An welche Privatsammlung mit Ihren Werken denken Sie am liebsten?

Meyer: An eine in der Nähe von Augsburg. Weil der Sammler mich über Jahrzehnte hinweg geradezu systematisch gesammelt hat und er auch immer die besonders guten Sachen erkannt und an sich genommen hat. Es hängt zwar nicht alles davon in seinem Heim, aber sehr vieles. Der Rest ist in einem Depot. Auch gab es stark Kunstinteressierte, die meine Bilder einst entschieden ablehnten, als sie diese sehen „mussten“ – aber mittlerweile gerne mit ihnen leben. So was freut mich natürlich auch.

Welche unangenehmen Erfahrungen macht man als Künstler unter Künstlern?

Meyer: Ich war immer der Meinung, dass es unerträglich ist, wenn eine bedeutende Qualität von Kunstwerken nicht die Beachtung findet, die sie verdient. Also bin ich konsequenterweise oft zur Unterstützung bereit. Das ist bei weitem nicht immer auf ein Danke gestoßen. Ein Malerkollege, dem ich den Weg in drei meiner Galerien und in mehrere Kunstvereine geöffnet habe, stellte in den darauffolgenden Jahren einiges an Öffentlichkeit und Ertrag für sein Werk her. Vor zwei Jahren konnte er dann einen schönen großen Katalog realisieren – leider warte ich bis heute vergeblich auf ein Exemplar. Auf meine halb im Spaß gemachte Bemerkung, dass ich noch immer auf Post warte – ich war ja zunächst der Meinung gewesen, es sei im Eifer des Gefechts untergegangen – erklärte mir der Kollege, der Katalog sei zu teuer, als dass ihn „jeder“ bekommen könne. Mein langes Gesicht kann man sich vorstellen.

Welche Aufgabe hat der Maler oder Skulpteur Harry Meyer ab morgen, dem Beginn seines 61. Lebensjahrs, unbedingt noch anzupacken?

Meyer: Ich bin wie immer mittendrin. In den vergangenen „Corona“-Monaten habe ich eine neue Bildidee entwickelt, monochrom und weitgehend gegenstandslos. Diese werde ich in der nächsten Zeit zu einer Serie aufbauen. Auch die eine oder andere Ausstellung zu kuratieren, erscheint mit notwendig. Nachdem ich das in der Vergangenheit wenige Male gemacht habe, könnte ich mir das vorstellen anzugehen. Themen habe ich genügend.

Lesen Sie dazu auch die Ausstellungsbesprechung Von Leben und Tod: Neue Ausstellung zeigt Werke von Harry Meyer


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