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Uraufführung

16.04.2019

Martin Torp will mit Musik auf die Seele einwirken

Martin Torp hat eine Johannespassion komponiert.
Bild: Torp

Der Komponist Martin Torp hat eine „Johannespassion“ komponiert. Am Karfreitag ist sie erstmals in St. Anna zu hören.

Herr Torp, Sie haben eine „Johannespassion“ komponiert. Welche Texte, insbesondere welche Choraltexte liegen Ihrer Johannespassion zugrunde?

Martin Torp: Das Libretto zu meiner Johannespassion, das ich selber zusammengestellt habe, basiert im Wesentlichen auf dem Evangelium des Johannes. Dazu kamen noch ergänzende Verse aus den Evangelien des Matthäus und Lukas, dem 1. Johannes-Brief und Epheser 3 und aus dem Alten Testament (Jesaja und Sacharja). Abgerundet wurde der Text durch einzelne Choralstrophen, etwa aus den Passionschorälen „O Haupt voll Blut und Wunden“, „Herzliebster Jesu“ oder „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“. Dabei habe ich einige Choralstrophen zu den überlieferten Melodien neu gedichtet, damit Wortwahl und Inhalt das Libretto ergänzen.

Ist es möglich, eine Johannespassion ohne Bach zu komponieren? Oder haben Sie sich bewusst davon inspirieren lassen?

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Torp: Ja, natürlich kann man eine Johannespassion ohne Bach komponieren. Zeitgenössische Kollegen wie Arvo Pärt oder Sofia Gubaidulina haben das schon vor mir bewiesen. Vor der Komposition meiner Passion habe ich mich intensiv mit ihren Werken – und auch noch mal eingehend mit der Bach’schen „Johannes-Passion“ – auseinandergesetzt. Aber wiederholen oder imitieren wollte und konnte ich nichts davon. Trotzdem gibt es in meinem Oratorium Anklänge an die polyphone Kunst Bachs.

Welches waren außerdem die Herausforderungen bei diesem Werk?

Torp: Jeder Komponist, der nach Bach eine neue Johannespassion komponiert, wird zwangsläufig mit Bach verglichen und an ihm gemessen. Das kann man als Bürde oder als Herausforderung sehen. Ich wollte aber ausdrücklich nicht mit Bach konkurrieren, sondern, auch durch neue inhaltliche Aspekte, eine Ergänzung zu seiner „Johannes-Passion“ schaffen. Mir war es wichtig, die Vorgeschichte zur Passion und den spirituellen Hintergrund einzubeziehen, der bei Bach zu Beginn der Johannes-Passion angedeutet wird. Das sollte die heilsgeschichtliche Dimension verdeutlichen, die die Menschwerdung und das Leiden Jesu Christi haben. Auch wollte ich eine Antwort finden, warum Jesus sterben musste, was für einen tieferen Sinn sein schmachvoller Tod am Kreuz hatte.

Welche Rolle hat die Musik in Ihrem Oratorium? Was soll das Oratorium sonst noch beim Hörer bewirken?

Torp: Die Musik ist im Oratorium das zentrale Element. Sie sorgt für den symphonischen Fluss, aber auch für Kontraste. Sie steht im Dienst des Inhalts: Manchmal kommentiert sie die Handlung oder verstärkt den Ausdruck; so singen zum Beispiel die Soldaten ihren Spott auf Jesus zur Melodie von „God save the Queen“, auch als deutsche Kaiserhymne „Heil dir im Siegerkranz“ bekannt und Prototyp einer Monarchen-Hymne. Die Musik schafft aber auch, wie in den Chorälen, eine neutrale Folie für den Inhalt. Worte sprechen in erster Linie den Verstand an. Die Musik kann direkter auf die Seele einwirken. Dabei möchte ich auch – wie es Bach einmal geschrieben hat – zur „Recreation des Gemüts“ beitragen. Außerdem ging es mir darum, den Hörern meiner Johannespassion die biblischen Inhalte und letztlich Jesus selbst näher zu bringen. Denn in ihm hat sich die Liebe Gottes am reinsten und stärksten offenbart und verwirklicht.

Die Uraufführung von Martin Torps „Johannespassion“ findet am Karfreitag, 19. April, um 15 Uhr in der St.- Anna-Kirche in Augsburg unter der Leitung von Michael Nonnenmacher statt. Karten gibt es im AZ-Kartenservice, Tel.: 0821/777-3419

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