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Fronhofkonzerte

23.07.2018

Musikalische Botschaften aus allen Lagen

Am Freitagabend konnte die Konzerte im Fronhof noch im Freien stattfinden. Festivalleiter Wilhelm F. Walz dirigierte die SUK-Symphony Prag.
Bild: Fred Schöllhorn

Die 20. Festspiele setzen vor allem auf Mozarts und Beethovens Säulen – und trotzten tapfer dem Wetter.

Feierlich, freundlich, ausgestattet mit musikalischen Botschaften präsentierte sich das Jubiläumsprogramm der 20. Konzerte im Fronhof – die berühmtesten Werke der Titanen Mozart und Beethoven waren die Säulen in Opern- und Orchestergala. „Zauberflöte“ und „Neunte“ künden auf unterschiedliche Weise vom Ideal der Aufklärung, der Utopie einer besseren Welt. Doch davor haben die Götter den Schweiß gesetzt – und an diesem Wochenende das regenlaunische Wetter seinen eigenen dramaturgischen Beitrag. Doch Wilhelm Walz, die SUK Symphony Prag, Sänger und Solisten reagierten gelassen und künstlerisch engagiert zwischen Fronhof-Atmosphäre und kultischem Kirchenraum. Auch „Jazz meets classic“ sowie „Zakedy Music Exyl“ zum Friedensfest mussten gestern nach ev. Hl. Kreuz ausweichen.

„Die Zauberflöte“ – Vorstadttheater, Musikmärchen, Aufklärungsstück, Freimaurer-Szene, Ur-Symbol-Kampf der finsteren und hellen Mächte – erlebte eine bezaubernde konzertante Aufführung, szenisch imaginiert durch Emanuel Schikaneders Text (Rezitator: Jacques Malan), mit allen wichtigen Nummern. Eine Ausnahme: Der berühmteste Kinderwunsch der Operngeschichte, das selige Lallen von Papageno/Papagena („pa pa pa pa“) gegen Ende, musste am Freitag bei der Eröffnung übersprungen werden. Regen setzte ein beim Überfall der Königin der Nacht auf Sarastros Reich – Dirigent Wilhelm Walz lotste die Seinen in die erlösende Chor- und Orchester-Schlussphase „Die Strahlen der Sonne“ zum guten Ende. Und Mezzosopranistin Lena Haselmann wurde am Freitag im Fronhof um ihren Auftritt gebracht.

Eine dämonische Königin der Nacht

Doch vor dem Katz- und Maus-Spiel des Wetters ereignete sich im ausverkauften Fronhof eine tolle „Zauberflöte“. Nach der plastisch modellierten, mit atmenden Gesten belebten Ouvertüre ließen es die Sänger an Wohlklang und Ausdruck nicht fehlen, wenn Tamino und Pamina auf dem Weg der Prüfungen schreiten, begleitet vom Naturburschen Papageno, konfrontiert mit der dämonischen Königin der Nacht und ihrer Entourage. Angelo Pollak als Tamino bot lyrische („Bildnis“) bis kraftvolle Tenor-Qualitäten; auch Sopranistin Marie Heeschens Pamina überzeugte nuancenreich. Als Papageno blieb Till von Orlowsky der drollig-kernigen Figur nichts schuldig. Was Sharleen Joynt als Königin der Nacht an Koloraturen-Brillanz bot, riss hin. Andreas Maccos sonorer Sarastro-Bass, Ulrich Reß’ gepflegt-greller Monostatos, die drei Damen und die drei Domsingknaben griffen zuverlässig in das Geschehen ein. Reinhard Kammlers Domsingknaben-Chor hatte ausgefeilte, kraftvolle Präsenz. Großer Beifall zum Schluss. Und der Regen hörte auf.

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Schade um das Sommerflair dann am Samstag bei unaufhörlichem Regen. Doch akustisch und künstlerisch konzentriert wurde die Orchestergala in der Kirche dafür zum musikalischen Ereignis. Bevor Beethovens „Neunte“ den Raum füllte, gab es romantische Delikatessen zu hören. Max Bruchs Doppelkonzert für Viola, Klarinette und Orchester ist genussvolle Romantik pur. Dafür sorgten Teresa Schwamm („Armida-Quartett“) und Daniel Gurfinkel. Der wunderbare Ton der Bratschistin wäre mit einer etwa leiseren Begleitung noch mehr zur Geltung gekommen – den konnte sie aber in der feinen Romanze F-Dur von Bruch solistisch noch intensiver hören lassen.

Es spielen sich permanente Dramen ab

Beethoven 9. Sinfonie, von der ja unfassbar viele Einspielungen aus allen Zeiten in allen Lesarten künden, machten Wilhelm Walz und das ihm vertraute Prager Orchester in der intensiv-konzentrierten Akustik der Heilig-Kreuz-Kirche zum Live-Erlebnis.

Wenn sich im ersten Satz, dem archaischen Ur-Beginn mit Tremolo-Schleiern und leeren Horn-Quinten quasi die Elemente einer neuen Welt formen, aufbäumen, spielen sich permanente Dramen ab. Bei dem schönen Orchesterton hätten Akzente durchaus schärfer gesetzt werden können. Doch der schon infernale Temporitt des Scherzos hatte mitreißende Energie, mit platzierten Paukenschlägen. Nach dem weit und spirituell ausgebreiteten Adagio brach fast „attacca“ das Finale aus. Die menschliche Stimme kommt hinzu. In anbrandenden Orchester-Rezitativen, dem Bass-Solo, wieder abstürzenden Welt-Visionen, nach dem klirrenden absurden Militärmarsch-Spuk, finsteren Abstürzen, und schlussendlich geballter siegreicher Energie setzt sich Schillers charismatische „Ode an die Freude“ durch. Vorangetragen vom famosen Sängerquartett Brit-Tone Müllertz (Sopran), Bea Robein (Mezzo), Tobias Haaks (Tenor) und Andreas Macco (Bass) sowie dem Münchner via-nova-chor erlebte das jubelnde Publikum eine mitreißende Aufführung.

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