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Staatstheater

08.01.2020

Nächste Premiere: Die Bovary und ihr Bild von der Liebe

Ute Fiedler und Klaus Müller spielen in der nächsten Schauspiel-Premiere „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“ in der Brechtbühne.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Plus Nicole Schneiderbauer inszeniert für die Brechtbühne „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“. Flauberts Aufreger aus dem 19. Jahrhundert stellt aktuelle Fragen.

Als schockierend, ehrverletzend oder skandalös empfindet heute wohl kein Leser mehr die amourösen Abenteuer von Emma Bovary. Als Gustave Flaubert seinen Roman über die Arztgattin aus der Provinz 1856 erstmals in einer Zeitschrift veröffentlichte, musste er sich wegen des „Verstoßes gegen die guten Sitten“ vor Gericht verantworten. Trotzdem: Uninteressant und aus der Zeit gefallen ist die Geschichte um die junge Frau, die ihrer Sehnsucht nach der großen Liebe nachgibt und damit aus ihrem gesellschaftlichen Korsett ausbricht, mitnichten. „Sie ist eine heutige Figur mit einem modernen Bewusstsein und großem Widerstandspotenzial“, hebt Nicole Schneiderbauer hervor. „Ihre Sehnsucht nach dem Unmöglichen ist eines der menschlichen Grundthemen, das heute genauso gilt wie damals.“ Schneiderbauer sieht sich da im Einklang mit der kroatischen Autorin Ivana Sajko, deren Stück „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“ sie nun für die Brechtbühne im Ofenhaus inszeniert hat.

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Eine Inszenierung mit Tanz, Video und Performance

Gespielt wurde das Stück bisher nur ein Mal, 2016 an einem Theater in Zagreb. Für die deutsche Erstaufführung habe es „auf vielen Tischen gelegen“, weiß Schneiderbauer und lächelt bei der Freude darüber, das Rennen gemacht zu haben. „Der Text hat eine große sprachliche Poesie und Musikalität, mit einer starken bildhaften Ebene“, erklärt die Regisseurin. Das kommt ihr entgegen, nähert sie sich Stoffen doch immer auch mit Video, Tanz und performativen Mitteln. Als „fluides Textgebilde“ bezeichnet sie das Stück, das zwischen den Zeiten springt, die Perspektive wechselt und unterschiedlicher Atmosphäre Raum gibt. Diese fragile Form des Stückes setzt Schneiderbauer in ihrer Inszenierung auch dadurch um, dass sie feste Rollenzuschreibungen meidet. „Das ist eine Erweiterung“, erläutert sie, „denn dadurch fächert sich ein Charakter in mehrere Facetten auf“.

Im Zentrum von Sajkos Stück stehen Emma und Charles, das Ehepaar Bovary. Er liebt sie, sie aber wendet sich anderen Männern zu, weil sie – genährt durch sentimentale Romane in Flauberts Buch, durch Popsongs in Sajkos Stück – eine schwärmerische, irrationale Vorstellung von Liebe und Begehren hat. Wie vorbestimmend diese Einbildungskraft für die Liebe ist, wie die Liebe von der Konsumkultur geprägt wird, diese Fragen sieht Schneiderbauer in Sajkos Stück. „Ist nicht die übersteigerte Erwartungshaltung schon der erste Punkt des Scheiterns einer Liebesbeziehung?“, fragt sich die Regisseurin damit.

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Das Publikum war zum Probenstart dabei

Es ist nicht das erste Mal, dass Nicole Schneiderbauer, die auch Mitglied der Schauspielleitung am Staatstheater ist, eine Romanvorlage auf die Bühne bringt. In der vergangenen Spielzeit widmete sie sich William T. Vollmanns Tausend-Seiten-Roman „Europe Central“. Mit der Umsetzung literarischer Stoffe im Theater geht sie der Frage nach, wie sich Geschichten heute erzählen lassen. „Es interessiert mich, andere Formen der Narration auszuprobieren“. Die Vielstimmigkeit und Multiperspektivität reizt sie an Romanen, noch dazu an umfassenden Gesellschaftsromanen wie Flauberts „Madame Bovary“, besonders. „Unsere Zeit ist geprägt von Simultanität, das lässt sich mit diesen Stoffen gut abbilden“, sagt sie dazu.

Einen neuen Weg ging Nicole Schneiderbauer mit einem öffentlichen Probenstart. Dem Angebot folgten etwa 50 Zuschauer, die sich zunächst in Vorträgen über den Roman und seine Themen informierten und dann ihre eigenen Assoziationen und Fragen an den Stoff einbrachten. Daraus ergaben sich lebhafte Diskussionen, erinnert sich Nicole Schneiderbauer. Diskussionen, die jetzt fortgesetzt werden können, wenn „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“ auf die Bühne kommt.

Zur Inszenierung Premiere am Samstag, 11. Januar, um 19.30 Uhr in der Brechtbühne im Gaswerk; Dauer: ca eine Stunde 15 Minuten; Inszenierung: Nicole Schneiderbauer; Bühne/Kostüme Miriam Busch, Video Stefanie Sixt; Musik: ellen Mayer; Choreografische Unterstützung: Minako Seki; Dramaturgie: Kathrin Mergel; Darsteller: Jeanne Devos, Ute Legner, Klaus Müller, Roman Pertl, Thomas Prazak, Karoline Stegemann

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