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Konzert

20.12.2019

Neue Freunde für Alte Bekannte

Alte Bekannte bei ihrem Auftritt im Kongress am Park.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Vokalpopstars treffen den Nerv ihres Publikums. Sie zündeten die Konfettikanone, zeigten aber auch ihre ernste Seite.

„Das Leben ist schön“, so eröffnen die fünf Goldkehlen der Alten Bekannten ihr aktuelles Programm „Ich kann nicht klagen“. Wohlfühlpop im vokalen Gewand für ein freundliches Publikum, das Lust hat, im Takt zu klatschen und sich dabei prächtig unterhalten zu lassen. Und das, so Bariton Dän Dickopf, sei gerade heute nötig, wo man schon schlecht erzogenen 5-Jährigen erlaubt, die USA zu regieren.

Das erste Set zeigt gleich, was die Nachfolger der allseits beliebten Wise Guys ausmacht: Gekonnt arrangierte Popsongs für alle Stimmlagen, vom tiefsten Bass zum kräftigen Falsett, mit ein wenig Reggae und viel Dancefloor. Würden diese Stücke so von einer Band eingespielt, es klänge unspektakulär. Die reinen Vokalarrangements jedoch sorgen im vorzüglich klingenden großen Saal des Kongresses im Minutentakt für Verblüffung, weil sich nicht wenige im Parkett fragen, wie man nur mit Stimmbändern und ordentlich Lungenvolumen solche Klänge produzieren kann: Streicher, verzerrte Gitarren und ein Riesenschlagzeug, dafür braucht das Quintett gerade mal fünf Mikrofone – der Traum für Roadies.

Die Texte sind subtil komisch

„Da kommt doch was vom Band!“, wurde vermutet. Das dem nicht so war, bewies eine Beatboxdemonstration, die nahtlos in ein schlaues Medley aus den großen Hits der 80er überging. Doch warum covern, wenn man selbst gut schreibt? Die Texte sind subtil komisch, drehen gerne mal in eine unerwartete Richtung und zeigen bei der Aufzählung von gefühlt 200 Begriffen für Geld in der Lottohymne „30 Millionen“ Geschmack bei der Auswahl der humoristischen Vorbilder, in diesem Falle Monty Pythons Synonymkönig John Cleese.

Die Ansagen waren gespickt mit Witzen, die mancher Kabarettist gerne im Programm hätte. Dass ihnen auch Ernsthaftigkeit gut zu Gesichte steht, zeigte der mutige Song „Du bist wieder hier“. Die Geschichte der Depression eines lieben Menschen in einer Kammerchorversion braucht keine Beatbox und Choreografie, um durch Mark und Bein zu gehen. Zum Ende gab es eine vokale Konfettikanone: Dass die Alten Bekannten für die Zugabe ihren inneren Wolle Petry rausließen, war dem begeisterten Publikum egal – oder gerade recht.

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