Junges Theater Augsburg

16.10.2018

Patrick will über seine Angst reden

Wini Gropper trat mehrmals schon als Schauspieler beim Jungen Theater auf, jetzt führt er erstmals Regie.
Bild: Wolfgang Diekamp

Wie es ist, einen behinderten Bruder zu bekommen, zeigt Kristo Sagors Stück „Patricks Trick“.

Nachts hört Patrick seine Eltern flüstern: dass er einen Bruder bekommt und dass der niemals sprechen kann, weil er behindert sein wird. Patricks Unsicherheit und Angst wird schnell zu Neugier: Was heißt das eigentlich, nicht reden zu können? Und wie lernt man überhaupt sprechen? Das will der Elfjährige, Titelfigur in Kristo Sagors Jugendstück „Patricks Trick“ herausfinden. Und fängt an, mit den Menschen um ihn herum darüber zu reden: mit seinem besten Freund Valentin, mit Danijel, der selbst erst vor vier Jahren deutsch sprechen gelernt hat, mit dessen Boxtrainer, mit dem Gemüsehändler, mit der Deutschlehrerin. Patrick stellt dabei fest, wie wichtig es ist, sich nicht zu verschließen mit der Unsicherheit und der Angst, sondern darüber zu reden. Kristo Sagor, aus Niedersachsen stammender Autor und Regisseur, erhielt für dieses Stück aus dem Jahr 2014 den Württembergischen Jugendtheaterpreis.

Für das Junge Theater Augsburg inszeniert das Stück für Kinder ab zehn Jahren nun Wini Gropper, der auf der Studiobühne im Kulturzentrum Abraxas schon mehrmals als Schauspieler zu sehen war. Es ist Groppers erste Regiearbeit für ein Profitheater, mit Amateuren inszenierte er bereits einige Stücke. „Es ist ein spannender Weg, von den Vorstellungen und Konzepten, die man selbst hat, zu einem Ergebnis zu gelangen, bei dem die Schauspieler sich mit einbringen“, findet er nun nach den Wochen der Probenarbeit.

Zwölf Figuren in "Patricks Trick"

Auf der Bühne stehen Christian Beppo Peters und Stefan Voglhuber, zwei Darsteller, die in die Rolle von zwölf Personen schlüpfen. Patricks noch ungeborener Bruder ist dabei als Person von Beginn an gegenwärtig im Stück. Dazu kommen zehn weitere Figuren, die Patrick befragt, um sich klar darüber zu werden, wie er mit dem kleinen Bruder umgehen soll, wie er ihm helfen kann. „Das ist mit den schnellen Wechseln eine riesige Herausforderung für die Schauspieler“, sagt Wini Gropper und schwärmt: „Es wird ein großes Fest“. Trotzdem gebe es keine Materialschlacht. Bühnenbild (Kilian Bühler) und Ausstattung (Franziska Boos) sind einfach gehalten.

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Faszinierend an Kristo Sagors Stück findet Wini Gropper vor allem die Art, wie das Thema Inklusion zur Sprache kommt. „Es wird nicht direkt verhandelt.“ Vielmehr stelle das Stück die Frage, welche speziellen Talente ein Mensch habe und was dessen Individualität sei. Deshalb habe der Titel beim Jungen Theater auch den Zusatz „Jeder ist anders!“. „Nicht die Defizite werden herausgestellt, sondern die Fähigkeiten“, erklärt Gropper. Darüber hinaus sensibilisiere „Patricks Trick“ für das Thema Sprache, was ihr Wesen ausmache, wie sie sich verändere, auch, wie sie manipuliere und wie fragwürdig Begriffe wie normal und unnormal seien. „Das Stück zeigt, wie es den Kindern geht, die im Umkreis eines Menschen leben, der mehr Aufmerksamkeit benötigt und wie sie mit ihrer Umwelt klarkommen können“, fasst Gropper zusammen.

Termin am Sonntag, 21. Oktober, um 16 Uhr auf der Studiobühne im Abraxas; Karten und Anfrage für Schulvorstellungen unter Tel. 0821/4442995; zum Stück gibt es auch einen Workshop mit Theaterpädagogin Kathrin Jung.

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