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Renaissancemusik
10.10.2021

Festival für Alte Musik in Augsburg: Hoher Besuch aus Italien

Zum dritten Mal veranstaltet das Forum für Alte Musik Augsburg sein Festival für Alte Musik. In diesem Jahr steht es im Zeichen des Fuggerei-Jubiläums.
Foto: Tobias Jacob, Adobe Stock

Das Festival für Alte Musik in Augsburg startet mit einem Fugger-Prunkfest in St. Ulrich. Starke Instrumentalisten überzeugen.

Voller Rang und Namen war die italienisch gefärbte Gästeliste und brachte mediterranen Glanz in Fuggers Geburtstagsfeierlichkeit: Voller Noblesse Luca Marenzio, hatte er doch mit 15 Auserwählten, darunter Tasso, einst im Vatikan das Wohnrecht, aus Cremona Tarquinio Merula, der Ritter vom Goldenen Sporn, daneben Benedetto Ferrari, seines Zeichens Impresario, Librettist und Komponist, darüber hinaus „Professore di ballare“ Giovanni Picci aus Venedig, nicht zu vergessen Giovanni Pandolfi Mealli, berühmter Lautenist am Innsbrucker Hof, und nicht zuletzt der große Claudio Monteverdi, der erste Komponist an Venedigs großartiger Markuskirche. Alle stellten sich ein, um zu gratulieren, ja Fugger war von musikalischem Prunk umgeben.

Fuggers Faible für diese Klangwelten war groß, aufhorchen ließ sogleich Merenzios Madrigalkunst, „Italiens süßestem Schwan“. In Zefira torna“ mischt sich in die Freude über den Westwind und die erwachende Natur Verzweiflung über aussichtslose Liebe. Sopranistin Veronika Mayr und Tenor Richard Resch verfremdeten dies geschickt, bildeten sie doch mit den beiden Zinken Gebhard David wie Clement Gester ein gemischtes Quartett, schufen neue Klangmixturen. Ziel war immer, Marenzios Ausdruckspotential frischweg zu profilieren.

Ausdrucksstark und voller Poesie wurden „In ma per lassu“ sodann die Wunden der Liebe mit Blumen bedeckt Ferraris Arie „Voglio di vita uscir“ packte als dramatisch pochender Liebeskummer, angetrieben vom Bassgrund einer Ciacona. Melismenreich brach sich das Bahn, von der jungen Solistin voller Drive nach vorne gerichtet und von den Saiteninstrumenten (Violone, Laute und Cembalo) rhythmisch fein abgefedert. Monteverdis „Laudate Dominum“ sollte aufstrahlen, voller Jubel dieser sakrale Lobgesang. Die Grenzen zwischen „musica da camera“ und „musica da chiesa“ wurden erst später gezogen, so war diese göttliche Alleluja-Freude durchaus am Platze.

Der Tenor ließ sich von Monteverdis Liebesinnigkeit tragen

Veronika Mayrs Freude war nicht aufgesetzt, sie lebte dies voller Begeisterung aus. Anton Resch war nun gefordert, in „Si dolce e ´l tormento“ die Balance zu halten. Der Tenor ließ sich von Monteverdis Liebesinnigkeit tragen - der Bass schreitet ganztaktig, die Mollmelodie tänzelt – und sank zweimal subtil in die Tiefe, als wolle er die Liebe voll auskosten. Das Liebeslied aller Liebeslieder zog so selbst den Jubilar in Bann.

Höchst angetan zeigte sich Fugger auch von den Instrumentalisten: Zuerst zog Michael Eberth am Cembalo alle Register seines Könnens und schüttelte Picchi gehörig den Staub aus den Kleidern, seine Toccata gebärdete sich zeitlos und quicklebendig. Mealli Pandolfo erwies seine Honneur, heiter kapriziös die Fiorituren, die Iris Lichtinger auf der Blockflöte nahezu schwerelos erklingen ließ, Axel Wolf`s Lautenfiligran war Pendant und kunstvolle Begleitung zugleich.

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Diesen Siegeszug der Italianitá sollten zuletzt Gregor Aichinger und Hans Leo Haßler wieder einnorden: In Aichingers Canzon due Cornetti faszinierte der Instrumentalglanz der Znken und Blockflöte, das geistliche Konzert hielt nördlich der Alpen Einzug. Hans Leo Hassler, soeben aus Venedig zurückgekehrt, verblüffte in seinem „Lustgarten neuer teutscher Gesäng“, nähert er hier doch diese bukolische Welt dem urdeutschen „Tanzen und Springen“ wie dem „Mein Gmüt ist mir verwirret“ an. Es erstaunt dann immer wieder, wie Bach später daraus das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“ herleiten wird. Zukunft braucht eben Herkunft! Großer Applaus für dieses grandiose Fest.

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