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29.01.2019

Schafroth erklärt Bayern

Der Kabarettist Maxi Schafroth in Neusäß.

Mit dem Bulldog in menschenleerer Weite

Atmosphärisch entsteht mit wenigen Worten ein Western: menschenleere Weite der Prärie, pfeifender Wind, eine verlassene Tankstelle und schließlich der spektakuläre Auftritt des Helden. Maxi Schafroth ist ein Meister des filmischen Erzählens. Nur dass seine Settings im Allgäu angelegt sind und bei ihm der Held der siebenjährige Maxi ist, der mal wieder mit dem riesigen Bulldog des Vaters über die staubigen Nebenstrecken donnert.

Schon zum sechsten Mal trat jetzt der gefeierte Kabarettist in Neusäß auf – wie immer in der schnell ausverkauften Stadthalle. Die Begeisterung des Publikums ist verständlich, schlüpft er doch mit wenigen mimisch-gestischen Tricks in die unterschiedlichsten Rollen, die sich nicht nur aus Beobachtungen während seiner Banklehre, seiner Allgäuer Kindheit oder im Großstadtalltag in München speisen. So wurde er im Lauf der letzten zehn Jahre auch deutschlandweit gefeiert, mit Preisen überhäuft und durch TV-Sendungen gereicht. Auf eine perfide Art der satirischen Heimatpflege hat sich also der ehemalige Bauernbub aus Stephansried im Unterallgäu spezialisiert, skizziert SUV-fahrende Großstädter mit ihrem federnden, selbstbewussten Gang ebenso wie lodentragende Sparkassenvorstände und vom englischen Technikwortschatz berauschte Leistungsträger.

Im Namen des Heimatministeriums, Sektion Allgäu, begrüßt er sein Publikum, das diesmal gespannt auf die politischeren Seitenhiebe des vor kurzem ernannten Nockherberg- Predigers 2019 wartet. Prompt wird Söder als „Space Commander“ und Aiwanger als vom Politikbetrieb Überforderter aufs Korn genommen. Mit Katharina Schulze sei die „Generation Bibi Blocksberg in der Politik angekommen“, und der Münchner Think Tank wäre als „aufgeflexter Öltank“ mit dorthinein versenktem Söder zu verstehen.

Doch Schafroth wird vom Publikum nicht wegen Tagesaktualität oder politischer Analysen verehrt wie manche seiner Kollegen. Seine Stärke sind die böse gezeichneten Klischees des armen rückständigen Landvolks gegenüber den coolen Großstädtern mit ihrem Hype um die Authentizität des Landlebens, präsentiert mit breitem, stets charmantem Grinsen. Vor allem deshalb wirkt er immer so nett, auch als „alemannisches Wutmännle“. Unterstützt wurde er in Neusäß von engen Freunden, mit Blues des Gitarristen Markus Schalk und Gstanzln des Trios Max und Ludwig Hüttenhofer sowie Thomas Barth, die sinnfreien Blödsinn todernst darbrachten. So empfahl sich Schafroth schließlich auch noch als „Ineffizienz-Coach“ für die hohe Politik. Vom Derblecken auf dem Nockherberg ist das allerdings noch weit entfernt …

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