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Staatstheater Augsburg

31.01.2019

So wird die Oper „Werther“ am Staatstheater Augsburg

Scherenschnitten nachempfunden sind Bühnenbild und Kostüme der Oper „Werther“ im Martinipark.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Plus Jules Massenets hochemotionale Oper „Werther“ wird zur Chefsache. Intendant André Bücker inszeniert sie im Martinipark. Was erwartet das Publikum?

Herr Intendant Bücker, waren Sie schon mal so unsterblich-unglücklich verliebt, dass Ihnen Werther wie ein möglicher Bruder im Geist hätte sein können?

André Bücker: Ne, ich habe nie mit Selbstmordgedanken gespielt, wirklich nicht. Ich kenne natürlich solche Unglückszustände, Leidensphasen, auch persönlich, das kennt ja jeder, aber deswegen muss man sich doch nicht umbringen. Auch Goethe war, glaube ich, kein Suizid-Kandidat. Man braucht auch nicht wirklich eine Nahtod-Erfahrung, um die Werther-Geschichte künstlerisch zu verarbeiten.

Herr Steigert, ist der Augsburger Intendant André Bücker eine treue Seele? Seit wann arbeiten Sie als Bühnenbildner und Frau Tobisch als Kostümbildnerin mit ihm eigentlich schon zusammen?

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Jan Steigert: Er ist auf jeden Fall eine treue Seele, sonst würde ich nicht hier sitzen. Und ich glaube, ich bin’s auch. Aus unserer gemeinsamen Zusammenarbeit ist eine Freundschaft entstanden. Diese Trio-Konstellation gab es 2010 erstmals, da machten wir in Dessau Aubers Oper „Die Stumme von Portici“. Und seitdem sind mehr als zehn gemeinsame Produktionen entstanden, mit Richard Wagners Tetralogie „Ring des Nibelungen“ als Höhepunkt, ebenfalls in Dessau.

Frau Tobisch, was meinen Sie, ist ausschlaggebend dafür, dass Herr Bücker Sie und Herrn Steigert immer wieder holt?

Suse Tobisch: Ich denke, wir arbeiten als ein Team gut zusammen. Unsere Basis stimmt – auch ohne Worte. André Bücker gibt eine Stimmung, einen Zustand, einen Impuls vor, und wir können im gegenseitigen Austausch relativ schnell unser eigenes Bild dazu in Form bringen. Wir haben natürlich drei eigenständige künstlerische Sichten auf ein Thema, aber wenn die dann zum Ergebnis zusammengeführt werden, sind sie mit einer hohen Trefferquote kongruent. Im Fall Werther, zum Beispiel, war auch sehr schnell klar, was wir nicht tun wollen: die Geschichte in ein heutiges Milieu verpflanzen.

Frau Tobisch: Wann und wo war die Kleidung modern, in die Sie Werther und Charlotte und Sophie und den Amtmann stecken?

Tobisch: Zur Entstehungszeit von Goethes „Werther“, 1774. Im bürgerlichen Spätrokoko. Jede meiner Figuren ist in Schwarz gekleidet, aber ansonsten historisch korrekt. Wir dachten da an Scherenschnitte, eine Mode der damaligen Zeit. Das passt als Kontrast auch gut zum Bühnenbild, das eine Achse schafft zur heutigen Ästhetik.

Herr Steigert, wie setzen Sie den Selbstmord Werthers in Szene?

Steigert: Wir räumen die Bühne leer. Wir durchforsten die Schattenwelt Werthers – und schaffen ein dramatisches Licht.

Angenommen, der Komponist Jules Massenet hätte seine Oper „Charlotte“ genannt statt „Werther“, angenommen auch, er hätte noch ein fünftes Bild dazu spendiert: Was, meinen Sie, hätte er über Charlotte nach Werthers Selbstmord erzählt? Was passiert mit ihr?

Bücker: Interessante Frage. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder hätte sie ihre sieben Sachen gepackt und wäre gegangen, oder – was wahrscheinlicher ist aus historischer Sicht und in ihrer sozialen Situation – sie wäre bei Albert geblieben. Auch aus ihrem Pflichtgefühl gegenüber ihrem Vater und ihren Geschwistern heraus. Dann hätte sie die ganzen Vorgänge als eine besonders dramatische Episode ihres Lebens verbucht.

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