Neusässer Musiksommer

12.06.2018

Tangos im Schlosssaal

Das Trio Ardor bei seinem Auftritt in Schloss Hammel.
Bild: Fred Schöllhorn

Das Trio Ardor tritt in Hammel auf - mit viel Hingabe.

In ein nobles, mit echten Kerzen sanft beleuchtetes Ambiente des auf 70 Plätze begrenzten Konzertsaals im Schloss Hammel führte der „Neusässer Musiksommer 2018“ eine überschaubare Zuschauerschar. Mit beeindruckendem Blick auf alten Baumbestand lauschte diese gebannt dem kurzweiligen Kammermusikabend, den die beiden Schwestern Angela (Violine) und Ruth Maria Rossel (Cello) sowie die Pianistin Katharina Khodos mit sommerlich-frischer Note konzipiert hatten.

Gemeinsam firmieren die drei attraktiven Musikerinnen, die am Salzburger Mozarteum studierten, als „Trio Ardor“. Den leider hörbar Intonations-getrübten Andante-Einstieg in Haydns berühmtes G-Dur „Zigeunertrio“ machten sie spätestens im furiosen Finalsatz wett. Sie preschten mit veritablem Presto in das melodisch eingängige Werk und setzten den von der Komposition reichlich vorgegebenen rhythmischen Verschachtelungen solides spieltechnisches Vermögen entgegen sowie dem „Gypsy style“ die Krone auf.

Eine brillante Überleitung

Dem hier offenbarten spielerischen Temperament blieb das Trio Ardor in den nachfolgenden kurzen Werken treu, die als facettenreiches Schostakowitsch-„Medley“ insbesondere dessen hohe Qualität als Film- und Ballett-Komponisten bestätigten. Der mitreißende „Russian Rag“, in dem als Hauptmotiv das cis-Moll-Prélude aus den „Morceaux de fantaisie“ von Sergei Rachmaninow verwendet wurde, hat den Amerikaner Georg L. Cobb zu Beginn des 20. Jahrhunderts berühmt gemacht. Mit diesem Kabinettstück (effektvoll arrangiert von Uwe Rössler) gelang den drei Musikerinnen eine brillante Überleitung zum zweiten Teil nach der Pause. Ihr vertrautes Zusammenspiel wurde einmal mehr in den Gershwin-Songs vernehmbar, die sie mit inniger Klanggebung prägnant umsetzten.

Kein Wunder, dass gerade „Summertime“ als Konzertmotto ein lange nachhallendes Highlight wurde. Das „Trio Ardor“, das mit der in jedem musikalischen Genre souverän agierenden Pianistin Katharina Khodos eine verlässlich starke und tonangebende Basis besitzt, fühlte sich spürbar vor allem auch im „Tango“ zu Hause. Cello, Geige und Klavier zauberten die Sinnlichkeit und die eruptive Spannung, die Passion und die Melancholie der drei ausgewählten Tangos (Oblivion, Primavera portena und Verano porteno) in den Raum. Selbstvergessene spielerische Hingabe traf auf höchste Konzentration und machte das ganz im Zeichen von Astor Piazzolla stehende Finale zum Genuss – inklusive der beherzt eingeforderten Tango-Zugabe. Kleine Randbemerkung: Bei aller Sympathie für liebenswert bis improvisiert wirkende Moderationen wäre bei künftigen Auftritten vielleicht doch etwas mehr Professionalität wünschenswert, um nicht den Gesamteindruck zu trüben.

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