Modern Dance

10.07.2018

Tanzen allein reicht nicht aus

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Diana Wöhrl begann ihre Ballettausbildung bei Erich Payer.

Die Konkurrenz ist groß, deshalb ist Kreativität nicht nur auf der Bühne gefragt. Die Augsburgerin Diana Wöhrl hat mit „Choreoloop“ einen eigenen Weg eingeschlagen

Wer beruflich Fuß fassen will, der weiß, dass Tanzen weitaus mehr ist als das viel zitierte „Träumen mit den Beinen“. Junge Tänzerinnen und Tänzer wie die in Augsburg geborene Diana Wöhrl wissen, dass die Realität hart und die Konkurrenz groß ist, wenn der Lebenstraum „Bühnentänzer“ heißt.

Diana Wöhrl hat vergleichsweise spät, erst mit 15 Jahren, die Ballettausbildung bei der Tanzakademie Erich Payer begonnen. Derzeit absolviert sie ihre professionelle Tanz-und Ballettausbildung an der „Musik und Kunst-Privatuniversität der Stadt Wien“, die sie im Juli 2019 mit dem Bachelor abschließen wird. In Wien werden die Studiengänge „Zeitgenössischer und Klassischer Tanz“ sowie „Zeitgenössische Tanzpädagogik“ angeboten. Das internationale Dozententeam und die dort engagierten Gastchoreografen bereiten die Studierenden umfassend auf die berufliche Zukunft und Praxis vor. Sie legen dabei nicht nur großen Wert auf die individuelle tänzerische Stil- und Persönlichkeitsentwicklung (was bei den Auditions dann den Ballettdirektoren ins Auge sticht), sondern auch auf interdisziplinär angelegte Projektarbeiten. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler rechtzeitig Schlüsselkompetenzen wie eigenständige Organisation und kulturelles Management. Kreativität heißt dann eben auch, kreative Wege zu gehen, um Tanzabende wie „Choreoloop 2.0“ auf die Beine zu stellen und die dafür nötigen finanziellen und fördernden Kanäle zu erschließen.

Im Vorjahr bereits gründete Wöhrl mit „Choreoloop – Plattform für zeitgenössischen Tanz e.V.“ in Augsburg einen Verein, der jetzt und zukünftig als Veranstalter jungen Tanz und ambitionierte Choreografien erlebbar machen will. Dafür kooperiert er mit dem Theater Augsburg oder sichert Fördermittel über das Kulturamt der Stadt und ein Hotel-Sponsoring für die Gasttänzer. Mit gutem Gespür vertraut Wöhrl dabei auch auf ein konstruktives Miteinander der hier verorteten jungen Künstlerszene wie z.B. dem „Theater“-Ensemble. In Korbinian Grabmeier fand sie einen Mitstreiter, der zudem als souverän-cooler Moderator des Tanzabends viele Sympathiepunkte sammelte.

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Sieben zeitgenössische Tanzkreationen stellten die zwölf Tänzerinnen und Tänzer vor über 100 Zuschauern vor, die ihre Begeisterung auch mit euphorischem Applaus bekundeten. Einmal mehr wurden die Bandbreite und der emotionale Kosmos des Modern Dance in all seinen Facetten deutlich und ebenso das Potenzial individueller Bühnenpräsenz als entscheidendes Kriterium tänzerischer Qualität.

Den weitesten Weg hatten die beiden jungen kanadischen Stipendiatinnen Emma Beech und Alexandra Winters hinter sich, die mit „Anthurium, the perfect housemate“ die Vorzüge der flexiblen Flamingoblume humorvoll in den Fokus rückten. Zuvor hatte mit „Sentilo“ Diana Wöhrl als Choreografin daran erinnert, dass wir unsere Sinne als Mittel gegen Alltagsroutine intensiver nutzen sollten, und in Sophie Borney eine ebenso versierte wie sensible und selbstbewusste Interpretin gefunden. Körpersprachliche Raffinesse und nahezu animalisch-archaisches Vokabular setzte das Tanzduo Ivana Orsolic und Philip Vötter in ihrem Stück „2 Feet; grounded“ ein. Um die eigene Leere und eine am Ende geistreiche Lösung kreiste sehr expressiv das Solo „Vacuity“, das sich die erst 17-jährige Lea Karnutsch tänzerisch stark auf den Leib choreografiert hatte.

Nach der Pause trieb der aus Taiwan stammende Kai Chun Chuang das lasziv-erotische Spiel um Verführung und Verfolgung, Beute- oder Jägersein mit „CON.“ auf die Spitze, lockte und reizte mit selbstverliebter Pose und Schwarzlichteffekt. Das Trio Jasmin Steffl, Soleil Jean-Marain und Lukas Ziegele tastete sich in „Jaccas III“ in die Regionen der Haut als (um)spannendes Kommunikationsorgan vor und integrierte gekonnt anspruchsvolle Hebungen. Als choreografische Fortentwicklung des Vorjahres spürten Diana Wöhrl und ihr Tanzpartner Vito Vidovic Bintchende zum Finale den fluiden Anziehungskräften von Erde und Mond nach und krönten mit diesem intensiv und dynamisch getanzten Duo „Ionic Bonds 2.0.“ den Abend.

Der legte ein vielversprechendes Zeugnis für die kommende Tänzergeneration ab, die sich so aktiv wie Diana Wöhrl und mit entsprechender Zuversicht auf die Zeit in einer professionellen Ballett-Company vorbereitet.

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