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Konzert

19.01.2020

Till Brönner und Dieter Ilg - ein starkes Bündnis

Der Jazztrompeter Till Brönner wird bei seinem Auftritt mit Dieter Ilg durch Licht im Kongress am Park in Szene gesetzt.
Foto: Marcus Merk

Plus Die Jazzer Till Brönner und Dieter Ilg sind Meister ihres Fachs. Als Duo treten sie über zehn Jahre auf, verwirklichten aber erst vor einem Jahr ihr erstes Album.

Das Duo ist sicherlich die intimste Konstellation des miteinander Musizierens. Glaubt man Till Brönners Worten im Internet-Werbevideo zum aktuellen Album, hat dieses Duo mit dem Bassisten Dieter Ilg Hochachtung und beinahe Angst, dieses Wagnis einzugehen und sich „musikalisch splitternackt voreinanderzustellen“. Die Wahrheit ist, dass bei einer Zweierbesetzung mit so fabulösen Musikern nicht viel schiefgehen kann, erst recht nicht, wenn es die Formation so schon so lange gibt, und beide Künstler an ihrem Instrument die Nummer eins der deutschen Jazzszene sind.

Eine weitere tatsächlich unbequeme Wahrheit über Duos ist, dass es viel schwieriger ist, die Spannung der Musik und die Aufmerksamkeit des Publikums und der Musiker trotz umfangreichen Improvisationsteilen, vielen ruhigen Passagen und insgesamt ordentlicher Konzertlänge oben zu halten. Neben ihren exzellenten Fähigkeiten am Instrument setzt diese „kleinste Band der Welt“ bei ihrem Gastspiel im Augsburger Kongress am Park vergangenen Freitag deswegen noch auf Unterstützung eines nicht minder professionellen Lichtarrangements, das die Musik geschmackvoll und mit Liebe zum Detail unterstützt, ja stellenweise sogar regelrecht die Show stiehlt, etwa beim knapp 15-minütigen, sehr langatmigen, meditativen Kirchenlied „Ach, bleib mit deiner Gnade“, wo die logischerweise minimalistisch eingerichtete Bühne wirklich spektakulär in Szene gesetzt wurde.

Die Musik des Abends springt heiter von Stil zu Stil, neben besagter Gesangsbuchkomposition erklingen auch die Jazzstandards „Au Privave“, „Body And Soul“ und „Nobody Else But Me“, Ornette Colemans „The Fifth Of Beethoven“, aber auch Songs von den Beatles („Eleanor Rigby“) und Leonard Cohen („A Thousand Kisses Deep“) haben die charmanten Herren im Gepäck.

Ein erstklassiger Spagat zwischen Popmusik und Jazz

Und die Band macht auch vor Tanzflächenhits nicht halt und schickt die ordentlich besuchte Kongresshalle im Diskonebel auf Tuchfühlung mit Will.i.am und Britney Spears („Scream And Shout“). Till Brönner zeigt hier seinen erstklassigen Spagat zwischen Popmusik und Jazz, ohne zum Gesangsmikrofon greifen zu müssen.

Seine Fähigkeiten am Instrument sind ohnehin viel beeindruckender: ob spektakuläre inside-outside-Bebop-Licks oder aggressive Schreie in höchstem Register, dazwischen immer wieder songdienlich singbare Popmelodien. Apropos songdienlich: Dieter Ilg ist nicht nur mit einer begnadeten Virtuosität am Bass gesegnet, er besitzt auch die Kraft und das Gespür, ein Acht-Minuten-Stück lang die unverändert gleiche Basslinie zu grooven, was an sich für einen Bassisten nichts außergewöhnliches ist, in dieser Konstellation allerdings Mut zur Reduzierung beweist und dadurch seinem Duopartner maximale Möglichkeiten der Entfaltung bietet. Respekt für diese Sensibilität. Kein Wunder, dass vereinzelte Köpfe im Publikum hier vorsichtig zu wippen beginnen.

Die Musik ist in solch einer großen Konzerthalle bestens aufgehoben, sie ist viel zu feinfühlig und detailreich für einen lauten Klub oder eine sommerliche Open-Air-Bühne, so durchdacht und außerordentlich apart und dabei wegweisend und inspirierend, die Haute Couture der deutschen Jazzduos!

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