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Kunstprojekt

04.01.2019

Wenn eine Maschine entscheidet, was Kunst ist

Im Roten Salon des Neoprojektionstheaters von Alexander Nickl hängt das Mentagramm „Molakmtg071–17“ (links), von der Kunstmaschine des Künstlers als No-Art bewertet. Eine Abbildung aus Nickls Buch „Mentagramm“.
Bild: Nickl

Alexander Nickl hat ein Buch mit Zeichnungen veröffentlicht. Er schafft sich eine Privat-Kunst-Welt

Eine rosa Schleife verbindet die beiden Buchdeckel. „Mentagramm“ steht als Titel darauf. Mentagramm? Und schon kommt der Künstler Alexander Nickl ins Erklären. Mentagramme, so nennt Nickl seine Zeichnungen. Es braucht schon ein paar Erklärungen, um zu verstehen, in welcher Umlaufbahn sich Nickls Kunst bewegt.

Denn was der 51-jähriger Augsburger, der zwischen seiner Heimatstadt und Wien hin- und herpendelt, macht, könnte man auch mit der Gründung einer privaten Welt vergleichen, einer Welt, die er in seiner Phantasie errichtet. Dort gibt es zum Beispiel das Neoprojektionstheater, ein Haus nur in der Phantasie errichtet, mit einer Bühne, einem Saal und ringsherum angeordnet Salons.

Im Mentagramm-Buch ist ein Grundriss des Hauses am Anfang zu sehen. Und dort erklären Pfeile, wie die Ausstellung, die Nickl in den Salons konzipiert hat, am besten zu sehen ist.

Die Maschine KD-L47 entscheidet

Salons? Pfeile? Ausstellung? Präsentiert werden in den Salons Nickls Mentagramme, also Zeichnungen, die von Egon Schieles erotischen Zeichnungen inspiriert wurden. Der Jubilar des Jahres 2018 findet sich auch auf einer Reflexionsebene dieses Buches wieder. Die Anleihen beim Vorbild und die Reibung mit ihm sind auszumachen.

Die Salons, die nur in Nickls Phantasie-Theater existieren, kommen mit den Kunstwerken aufs Bild. Die Zeichnungen werden immer vor Hintergründen präsentiert, mal einer rosa Tapete, dann einer grünen, usw. Und plötzlich spürt man als Betrachter des Buchs, wie dieses Produkt der Künstlerphantasie immer mehr Raum in der Wirklichkeit beansprucht, wie etwas tatsächlich aus dem Nichts entsteht.

Ebenfalls erklärungsbedürftig ist die Kunstmaschine KD-L47, die Nickl 2013 im Rahmen eines seiner Uni-Seminare eingeführt hat. Sie soll nach einem eher zufälligen Prinzip die Frage klären, ob sich eine Arbeit um Kunst handelt oder nicht. Im Buch ist das Manifest dazu veröffentlicht: „Art no Art? Ich gebe die Frage an den KD-L47“ ab. Überall, wo diese Maschine in den Zeichnungen Kunst erkannt hat, ist dies im Buch mit einem grünen Punkt vermerkt. Die No-Art wird im Shop des Neoprojektionstheaters verkauft. Schräg, aber konsequent, diese Privat-Kunst-Welt des Alexander Nickl.

Alexander Nickl: Mentagramm. Schiele, Eros und die Kunstmaschine KD-L47; Kerber-Verlag, 200 Seiten, 28 Euro

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