Premiere

16.01.2020

Wer zähmt hier eigentlich wen?

Rosa Kraus als Katharina und Malaika Lermer als Bianca (von links) bei einer kleinen Probe im Botanischen Garten.
Bild: Stefan Elischer

Das Amateurtheater „reACTed“ präsentiert eine feministische Neuauflage von „Der Widerspenstigen Zähmung“

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bianca ist angepasst und ein wenig naiv, Katharina reflektiert und eigensinnig. Während der Ersten die Männerwelt zu Füßen liegt, ist die Zweite mit ihrem störrischen Verhalten den Männern ein Dorn im Auge. Doch einer will sich auf das Unterfangen einlassen und diese personifizierte Renitenz bändigen. Auf den ersten Blick ein Affront gegen die gesamte Frauenwelt, die sich Shakespeare in seinem Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“ leistet und der hierfür viel Häme erhielt.

Dieser Ausgangslage widmet sich das Haunstetter Amateurtheater „reACTed“ in seinem neuen Stück „Der Widerspenstigen Zähmung???“. Die Klassikadaption von Peter Haus ist modernisiert und die Originalszenen sind angereichert um „Szenen, die Shakespeare vergessen hat“, sagt die Regisseurin Nathalie Gronau. Das Ensemble interpretiert das Stück auf eine feministische Weise und gibt den Frauen den nötigen Handlungsspielraum, um ihre eigene Geschichte zu lenken und zu erzählen.

Aus diesem Grund verlegt das Ensemble die Inszenierung in die 1920er-Jahre, als das Echo der weltweiten Frauenbewegung allmählich lauter wurde. Die weibliche Selbstermächtigung spiegelt sich auch in der Besetzung wider: Drei Männer stehen neun Frauen gegenüber. Ein Pendant zu damaliger Aufführungspraxis, als sämtliche Rollen von Männern verkörpert wurden. Aber es ist ein Gegenstück zu Shakespeares männerdominierter Welt, in der Frauen Spielball sind und kaum Reaktionsmöglichkeiten haben. Katharina, die als aufbegehrendes Weibsbild endlich an einen Ehemann kommt, wird von ihm körperlich und psychisch drangsaliert, bis sie schließlich als pflichtbewusste Ehefrau die nötige Demut erweist.

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Obwohl der Plot von reACTed nicht gänzlich vom Shakespearschen abweicht, gelingt es den Frauen in der „???-Version“ durch einen geschickten Zug, die Kontrolle über die Situation zu bekommen. Rosa Kraus, die Darstellerin von Katharina, bezeichnet das Vorgehen der Schwestern als „geschickten Umgang mit männlicher Dummheit“. Und so stellt sich am Ende die Frage: Wer zähmt hier eigentlich wen?

Zu sehen und zu erleben gibt es die Antwort am Samstag, 25. Januar, und Sonntag, 26. Januar, im Kulturhaus abraxas (Sommestraße 30) jeweils um 19.30 Uhr. Tickets gibt es unter abraxas.augsburg.de. Die Karten kosten im Vorverkauf 12,50 Euro (ermäßigt 9,50 Euro) und 15 Euro (ermäßigt 12 Euro) an der Abendkasse.

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