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Rückzug vom Geschäft: Auktionator Georg Rehm lässt den Hammer fallen

Rückzug vom Geschäft

Auktionator Georg Rehm lässt den Hammer fallen

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    Gruppenbild zum gemeinsamen Abschied: Georg Rehm (rechts) mit seiner Frau Laura und Bertil Zadick, seit über zwei Jahrzehnten die rechte Hand des Chefs.
    Gruppenbild zum gemeinsamen Abschied: Georg Rehm (rechts) mit seiner Frau Laura und Bertil Zadick, seit über zwei Jahrzehnten die rechte Hand des Chefs. Foto: Hans Krebs

    Herr Rehm, einmal Provinostraße, immer Provinostraße: 1986 wurden Sie dort Mieter einer früheren Direktorenvilla der Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS). 1997 erwarben Sie nahebei das Gebäude des einstigen AKS-Lohnbüros, wo am 14. März 1997 die erste Auktion stattfand und am 8. und 9. Dezember 2022 die letzte in diesem Haus und zugleich die letzte mit Ihnen am Auktionspult stattfinden wird.
    GEORG REHM: Der Beginn war übrigens nicht in der Provinostraße, sondern im Bleigäßchen nahe dem Königsplatz. Hier startete 1979 die von meinem Vater Georg Rehm senior gegründete Firma.

    65-jährig und kinderlos haben Sie jetzt verkauft und Ihr Unternehmen an den Augsburger Auktionsexperten Christoph Neureuther übergeben. Er wird es 2023 wiederum in der Provinostraße – diesmal im Martinipark – weiterführen. Inwieweit hat der Standort Textilviertel den Erfolg Ihres Unternehmens begünstigt?
    REHM: Es müsste nicht unbedingt die Provinostraße sein, aber dass die neue Adresse Provinostraße 52 heißt, freut uns trotzdem. Die räumliche Nähe, der wir bei allen Umzügen treu geblieben sind, war schon wichtig – um so mehr zu Zeiten, wo der direkte Besuch noch wesentlich stärker war. Diese Kontinuität war und ist für den Erfolg schon sehr entscheidend.

    Christoph Neureuther hat das Auktionshaus Rehm gekauft.
    Christoph Neureuther hat das Auktionshaus Rehm gekauft. Foto: Hans Krebs

    „Wir sind die Kleinen unter den Großen“, haben Sie einmal den Platz Ihres Hauses in der deutschen Auktionslandschaft beschrieben. Aber sind Sie nicht bisweilen an die Großen herangereicht? Etwa mit den Auktionen zum 25- und 40-jährigen Firmenjubiläum, als das Inventar des provenzalischen Schlosses Roquefort und der Nachlass des Münchner Antiquitätenhändlers Florian Forchhammer unter Ihren Hammer kamen …
    REHM: Ich glaube, bei den richtig Großen sind wir noch nicht angelangt. Aber das ist in Ordnung; wir vertreten die Region und haben stetig gute Nachlässe und Sammlungsauflösungen. Zu den eben genannten könnte man auch den Nachlass Ruth Höhmann und das Inventar des Schlosses Mering hinzufügen.

    International Furore machten Sie mit einem persischen Vasenteppich des 17. Jahrhunderts, den Sie 2009 bei Ihrer Auktion auf 900 Euro geschätzt und für 19.700 Euro losgeschlagen haben. Die Einlieferin verklagte Sie auf Schadenersatz, als derselbe Teppich bei Christie’s in London 7,2 Millionen Euro erzielte.
    REHM: Ja, beim Bietergefecht eines Prinzen aus Dubai mit dem Emir von Katar siegte letzterer.

    Der vierjährige Rechtsstreit ging zu Ihren Gunsten aus. Justitia bestätigte, dass Sie bei Ihrer Einschätzung die Sorgfaltspflicht nach den Möglichkeiten eines regionalen Universalversteigerers nicht verletzt haben. Hat sich die Branche für Ihren Musterprozess bedankt
    REHM: Die ganze Auktionsbranche war natürlich über den Ausgang des Prozesses sehr froh. Das hätte die Auktionslandschaft wirklich verändern können. Auch viele Sachverständige haben sich damals sehr positiv geäußert. Zu was der Emir von Katar fähig ist, lässt sich durch die laufende Fußball-Weltmeisterschaft ganz besonders abschätzen. Da waren sieben Millionen für einen Teppich wirklich vernachlässigbar.

    Sie haben einen Carl Spitzweg für 130.000, einen Franz von Defregger für 200.000 und einen Max Liebermann für 270.000 Euro versteigert. Das betrifft Ihre stets große Gemäldesektion. Sie sind aber Generalist. Ihre Kataloge weisen in der Regel acht Sammelgebiete aus. Wo liegt insgesamt der höchste Zuschlag?
    REHM: Der höchste Zuschlag war wirklich das Bild von Max Liebermann, das sogar 290.000 Euro erzielt hat. Es gab aber auch hocherfreuliche Zuschläge im Möbelbereich. Einige fünfstellige Ergebnisse brachten ferner die Schmuck- und Silberrubrik oder die Uhrenabteilung.

    Geschmack ändert sich, entsprechend die Wertigkeit. Gibt es für Sie eine Konstante im Auf und Ab? Und spielt eine Rolle, dass etwa die Hälfte der Transaktionen längst über Online-Gebote erfolgt?
    REHM: Die Preise und die Zuschläge sind ständig im Fluss. Dies hängt häufig von Modeerscheinungen oder internationalen Trends ab. Da sind Auf und Ab vorprogrammiert. Eine Konstante gibt es allerdings: Qualität setzt sich durch und bringt gute Zuschläge.

    Sie sind Ehrenpräsident der Faschingsgesellschaft Hollaria; Sie pflegen Ihr Rennpferd „New Diamond“ in München-Riem; Sie halten es als echter Augsburger mit dem FCA. Bleibt da weiterhin Platz für Aktivitäten im Kunsthandel? Oder belassen Sie es bei Ihrer rund 200 Jahre umfassenden Sammlung von Auktions- und Gerichtshämmern?
    REHM: Ich werde auch weiterhin im Kunsthandel und insbesondere dem Auktionshaus, das den Namen meines Vaters und von mir trägt, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Was dann noch Überraschendes kommt, wird die Zeit zeigen. Da müssen sich alle – und auch ich selbst – überraschen lassen.

    Info:
    WER HÄTTE GEDACHT, DASS EIN AUGSBURGER MALER DER MODERNE DIE TAXEN BEIM AUGSBURGER AUKTIONSHAUS GEORG REHM ANFÜHREN KÖNNTE? DOCH AUSGERECHNET BEI DER 304. UND LETZTEN VERSTEIGERUNG DES HAUSHERRN IST DAS DER FALL: WOLFGANG LETTL UND SEIN SURREALISTISCHES GROSSFORMAT „DIE BRÜCKE“ VON 1978 SIND MIT 8000 € GELISTET, ALSO WEIT VOR EINER BRILLIERENDEN DAMENARMBANDUHR DES ART-DÉCO (3800 €), EINEM FRANZÖSISCHEN SCHREIBSEKRETÄR DES LOUIS-SEIZE (1500 €) ODER EINER TIROLER MARIA-JESUS-HOLZSKULPTUR DES 16./17. JAHRHUNDERT (700 €). LETTL ZEIGT SICH MIT SO BREITER BRUST, DASS ZWEI WEITERE SURREALE GEMÄLDE MIT JE 4500 € TAXE AUFWARTEN. INTERESSANTERWEISE MÜSSEN SICH ZWEI WERKE SEINER FRÜHZEIT MIT 350 UND 450 € BESCHEIDEN. DAMIT SIND SIE WEIT ABGESCHLAGEN HINTER VIER CHINA-TELLERN DES 17./18. JAHRHUNDERTS (2000 €), HINTER EINEM PAAR KLEINER ZIERLEUCHTER VON 1725/30 MIT PORZELLANKINDERN AUS CHINA UND BRONZEMONTIERUNG AUS PARIS (2800 €); AUCH HINTER FLÄMISCHEN GEMÄLDEN DES 17. UND 18. JAHRHUNDERTS MIT FÜNF MONATSDARSTELLUNGEN (6500 €) UND VIER PUTTI-MOTIVEN (2500 €), BEIDE AUS SOTHEBYS MARKGRAFEN-AUKTION 1995 IN BADEN-BADEN. BEIM PORZELLAN SOLLTEN EIN MEISSENER KAFFEESERVICE FÜR ZWÖLF PERSONEN (3000 €) UND EINE UM 1750 EBENFALLS IN MEISSEN ENTSTANDENE DECKELTERRINE (260 €) NICHT UNERWÄHNT BLEIBEN – SO WENIG WIE BEI DEN MÖBELN ZWEI AUFWENDIG BEMALTE BAUERNSCHRÄNKE AUS TIROL (DATIERT 1820, 400 €) UND AUS OBERBAYERN (DATIERT 1846, 700 €). WIE IMMER BILDEN GEMÄLDE DIE LETZTE SEKTION EINER REHM-AUKTION. UND DAS LETZTE VOM LETZTEN BIETET DER NIEDERLÄNDISCHE LANDSCHAFTSMALER NICOLAAS ROOSENBOOM (1808-1880): DIE BÄUERLICHE SZENE AN EINEM FLUSS SEINER HEIMAT WIRD ALS LOT 8118 MIT 600 € AUFGERUFEN. WENN GEORG REHM DANN DEN HAMMER FALLEN LÄSST, IST SCHLUSS FÜR IHN IN DER PROVINOSTRASSE.: Auktion am 8. Dezember ab 16 Uhr und am 9. Dezember ab 16 Uhr. Besichtigung noch an diesem Mittwoch, 7. Dezember, von 10 bis 18 Uhr. Online-Gebote über lot-issimo.com.

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