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Lebensgeschichte

05.09.2019

Auch als 80-Jähriger leitet er noch Spiele

Gerhard Klodwig zeigt stolz seine Verdienstnadeln vom Bayerischen Landessportverband. Ans Aufhören denkt der Handballschiedsrichter nicht.
Bild: Johannes Graf

Gerhard Klodwig blickt auf ein erfülltes und ereignisreiches Leben zurück. Jung hält ihn der Sport allgemein und Handball im Speziellen.

Wer sich mit Gerhard Klodwig unterhält, sollte Zeit mitbringen. Im April ist er 80 Jahre alt geworden, als Bub hat er den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Er blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück, jung gehalten hat ihn stets der Sport. Klodwig sitzt auf der kleinen Terrasse seines Häuschens in Haunstetten, körperlich und geistig fit wirkt er. Dass er in seinem hohen Alter weiterhin als Handballschiedsrichter tätig ist, dürfte dennoch ziemlich einmalig sein. Stolz zeigt Klodwig seine Verdienstnadeln, für 45-jährige Tätigkeit ist vom Bayerischen Landessportverband ausgezeichnet worden. Die Frage, ob er ans Aufhören denke, kontert er: „Warum? Ich werde solange pfeifen, bis ich keinen Bock mehr habe.“

Eine Knieverletzung hat Folgen

Früher spielte Klodwig selbst Handball, ehe ihn 1977 eine schwere Knieverletzung zum Aufhören zwang. Er deutet auf sein Knie, zeigt die auffällige Narbe. Von einem Gegenspieler war er geschubst worden, als er sich das Knie verdrehte, lastete darauf das komplette Körpergewicht. Wenn er heute vor Anpfiff Trainer und Spieler zu sich holt, um ihnen ihren Handlungsrahmen zu erklären, bezieht er sich auf seine Verletzung: Wer schubst, fliegt vom Feld, ist eine seiner Ansagen. Außerdem greift Klodwig hart durch, wenn am Trikot gezogen und in den Wurfarm gelangt wird. Sein Fazit fällt zufriedenstellend aus: „Zu 90 Prozent halten sich die Spieler daran“, sagt er. Dass der Ton auf dem Feld über die Jahre rauer und aggressiver geworden ist, kann er nicht bestätigen.

Klodwig, der früher dem TSV Friedberg und heute dem TSV Haunstetten angehört, leitete Begegnungen in der Männer- und Frauen-Bayernliga, mit seinem Partner Jürgen Reim bildete er ein eingespieltes Gespann. Begeistert erzählt er: „Wir haben uns blind verstanden.“ Im gehobenen Alter haben sich die Prioritäten des gebürtigen Coburgers verschobenen, inzwischen widmet er sich verstärkt der Jugend, die weniger athletisch, dafür den „schöneren Handball“ spiele, meint Klodwig.

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Zuschauer sagen: "Jetzt ist der Alte schon wieder da"

Bis Januar hat ihm der Einteiler 16 Partien zugeordnet, sechs Begegnungen in der Landes- und Bezirksoberliga, zehn in der Bezirksliga. Teils pfeift Klodwig im Raum Neu-Ulm, verstärkt im Kreis Aichach-Friedberg. Womöglich gesellen sich noch ein paar Partien hinzu, wenn Kollegen ausfallen sollten und Ersatz gesucht wird. Er sei kein Mensch, der Nein sagen könne, meint der Rentner.

Klodwig ist inzwischen alleine unterwegs, einen Partner hat er nicht mehr auf dem Spielfeld. Dass nicht jeder Trainer, Zuschauer oder Spieler begeistert reagiert, wenn er ein Spiel leitet, ist Klodwig bewusst. Beim Warmmachen fällt des Öfteren der Satz: „Jetzt ist der Alte schon wieder da“, erzählt der 80-Jährige mit einem Lächeln. Letztlich dürften Vereins- und Verbandsfunktionäre froh sein, wenn Klodwig schiedsrichtert. Sich als Unparteiischer zu engagieren, dafür lassen sich immer seltener Ehrenamtliche begeistern.

Seine körperliche Fitness lässt sich Klodwig ärztlich bescheinigen. Aus gutem Grund: Seit über zwei Jahrzehnten ist er begeisterter Taucher, 1996, bei einem Aufenthalt auf Bali, hat er mit diesem aufwendigen Hobby angefangen. Sein Arzt sage immer: „Wenn ich in Ihrem Alter noch so gut beinander bin, dann bin ich froh“, berichtet Klodwig. Zweimal im Jahr macht er im Süden des Roten Meeres Urlaub, um sich von der bunten Korallenwelt und Riffen begeistern zu lassen. Mit leuchtenden Augen erzählt Klodwig von schlafenden Haien am Meeresgrund. „Sie zu streicheln, das traue ich mich aber nicht“, sagt er und lacht. Tauchen – das ist für ihn im Wortsinn ein Jungbrunnen.

Klodwig fährt Ski, spielt Golf, taucht und radelt

Klodwig verfügte stets über ein stattliches Einkommen. Sechs Jahre lang saß er als Pilot in Kampfjets, später schloss er sein Maschinenbaustudium ab und machte sich in der technischen Logistik selbstständig. Zu seinen Kunden zählte die Bundeswehr. Klodwig hat vier Söhne im Alter zwischen 48 und 51 Jahren, seine Frau ist vor vier Jahren gestorben.

Sport ist ein bedeutsamer Teil seines Lebens gewesen - und geblieben. Im Winter fährt er Ski, früher in Frankreich, jetzt in Südtirol. „Ohne Helm und Risiko“, wie der Mann mit den wachen Augen und weißen Haaren betont. Und im Sommer spielt er Golf (Handicap 42). Der wichtigste Fitmacher steht allerdings im Haus: ein Standrad. Jeden Tag strampelt Klodwig zwischen zehn und 15 Minuten in die Pedale.

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