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Geburt des FCA

14.07.2019

Die Geburt des FC Augsburg war eine schwere

Es wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Paul Müller (1. Vorsitzender des BCA), Trainer Herbert Erhardt, Georg Wieland (2. Vorsitzender des BCA/sitzend von links) und Hans Zollhöfer (stehend hinter Wieland) waren maßgeblich an der Fusion beteiligt.
Bild: Fred Schöllhorn

Es dauerte eine Zeit, ehe sich der TSV Schwaben Augsburg und der BC Augsburg zu einem Zusammenschluss durchringen konnten. Im April 1969 gab es den Durchbruch.

Was lange währt, wird endlich gut. An diese Redensart fühlt man sich erinnert, wenn man auf die Augsburger Fußballfusion zurückblickt. Exakt vor 50 Jahren, am 15. Juli 1969, erfolgte der Zusammenschluss zwischen dem BC Augsburg und der Fußballabteilung des TSV Schwaben Augsburg – der FC Augsburg wurde aus der Taufe gehoben. Ein Rückblick.

Augsburg hatte den Ruf einer Sportstadt. Das 1951 eingeweihte Rosenaustadion galt als eine der schönsten Sportstätten in der Bundesrepublik, die Leichtathleten sorgten für Besucherrekorde. Die Fechterin Heidi Schmid verzauberte die Sportwelt mit der Goldmedaille 1960 in Rom, Kanute Karl-Heinz Englet holte zweimal den WM-Titel an den Lech. Und mit dem BCA und dem TSV Schwaben kickten auch zwei durchaus vorzeigbare Fußballteams zwischen Lech und Wertach.

Doch irgendwann begann der Fußballglanz zu verblassen, vor allen Dingen finanzielle Gründe waren dafür verantwortlich. Eine Fusion der beiden Spitzenvereine schien der einzige Weg, um nicht ganz abgehängt zu werden. Fast zehn Jahre wurde verhandelt, diskutiert und gestritten, ehe die Ehe zwischen den beiden großen Augsburger Klubs geschlossen wurde. Fusion, das war das Reiz-, aber auch Zauberwort seit Beginn der 1960er Jahre. Denn in einem waren sich eigentlich alle in der Stadt einig: Nachdem sich weder der BCA noch die Schwaben dauerhaft in der Oberliga halten konnten und auch nicht in der 1963 gegründeten Bundesliga Aufnahme fanden, schien ein Zusammengehen die einzig vernünftige Lösung zu sein. Denn auch überdurchschnittlich talentierte Spieler wanderten aus Augsburg ab. Helmut Haller zog es 1962 vom BCA über den Brenner zum FC Bologna, zwei Jahre später versuchte der Schwabe Georg Lechner sein Glück beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

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Das gegenseitige Misstrauen vor der Gründung des FC Augsburg war groß

„Das war eine schwere Geburt“, blickt heute Paul Müller, damals erster Vorsitzender des BCA, auf die Jahre der Besprechungen und Verhandlungen zurück. Paul Müllers Bruder Rudi hatte damals eine wichtige Rolle inne. Er war mit Hans Zollhöfer, dem Leiter der Schwaben-Fußballabteilung, durch den Tennissport befreundet und überredete ihn schon 1964 zu Gesprächen mit dem BCA. „Zollhöfer war die wichtigste Person bei all den langen Verhandlungen“, ist sich Paul Müller auch heute noch sicher. Denn auf beiden Seiten, vor allen Dingen bei den „Violetten“, gab es viele Zweifler, die ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben wollten, das gegenseitige Misstrauen war groß. Eine Verhandlungskommission mit Funktionären, Geschäftsleuten und Politikern wurde gegründet. Franz Frank, Hans Zollhöfer, Paul Müller, Dr. Karl Ecker, Helmut Grob, Albert Leimer, Hans Steirer und der damalige Sportreferent und spätere Oberbürgermeister Hans Breuer saßen mit am Tisch.

Im April 1969 gab es so etwas wie den Durchbruch in den Gesprächen. Müller und Zollhöfer trafen sich im Café Eickmann. Zollhöfer hatte einen Plan in der Tasche. Die Fußballabteilung der Schwaben sollte sich dem BCA anschließen, der Plan von der sogenannten Teilfusion war geboren. Zollhöfer hatte auch nichts gegen den neuen Vereinsnamen FC Augsburg einzuwenden. Die BCA-Vereinsführung stand dieser Idee sehr positiv gegenüber, in einer außerordentlichen Generalversammlung im Juni 1969 stimmten von den 265 anwesenden BCA-Mitgliedern 255 für die Fusion. Wesentlich angespannter war die Lage bei den Schwaben. Fritz Lindwurm, Chef der Amateure, machte massiv Stimmung gegen den Zusammenschluss.

Der FCA startete in der drittklassigen Bayernliga

Doch von den Vertragsspielern in den eigenen Reihen erklärten sich nur die Spieler Helmut Leihe und Hamann bereit, weiter das violette Trikot zu tragen. Akteure wie Heiner Schuhmann oder Walter Sohnle wollten auf jeden Fall zum BCA wechseln. Für den 15. Juli 1969 wurde eine Mitgliederversammlung einberufen, die vom mächtigen Mann der Schwaben-Kicker, Franz Frank, und Präsident Helmut Grob geleitet wurde. Mehr als 75 Prozent der Mitglieder stimmten schließlich für den Zusammenschluss mit dem Verein von der Donauwörther Straße. Noch in derselben Nacht wurde der Beschluss dem Bayerischen Fußball-Verband übermittelt. Denn die Zeit drängte. Die Schwaben waren aus der Regionalliga abgestiegen, der BCA verspielte in letzter Sekunde den Sprung in die Zweitklassigkeit. Der FCA musste in der drittklassigen Bayernliga starten.

Am 1. August 1969 wurde unter dem Vorsitz von Fritz Lindwurm, dem Amateur-Abteilungsleiter des TSV Schwaben Augsburg, ein neuer Verein gegründet unter dem Namen Eintracht Augsburg. Der bestand hauptsächlich aus Schwaben-Spielern, die nicht zum FCA wechselten. Die gründeten dann ein Jahr später wieder den TSV Schwaben, der heute in der Bayernliga spielt.

Lesen Sie dazu: Steit, Misstrauen und Konkurrenz: So entstand der FCA

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