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Fußball

26.10.2018

Hasan Senyuva: „Irgendwann war ich ein bayerischer Türke“

Hasan Senyuva kam als kleiner Junge nach Augsburg. Für den Landesligisten Türkspor Augsburg war er lange Zeit Mädchen für alles, jetzt steht er an der Spitze des Vereins.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Hasan Senyuva wurde vor kurzem zum Vorsitzenden von Türkspor Augsburg gewählt. Ein Gespräch über seinen Klub, Integration und Fremdenfeindlichkeit.

Sie wurden vor kurzem zum Vorsitzendes von Türkspor Augsburg gewählt und stehen an der Spitze des Vereins. Zuvor waren Sie zweiter Abteilungsleiter. Was ändert sich für Sie?

Hakan Senyuva: (lacht) Eigentlich nichts. Das Mädchen für alles war ich auch schon vorher. Nein, es ist natürlich so, dass ich für den Gesamtablauf zuständig bin. Das sind vor allem Dinge im verwaltungstechnischen Bereich. Als Vorstand kann ich jetzt auch Dinge alleine entscheiden.

Hat Türkspor noch andere Abteilungen außer Fußball?

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Senyuva: Nein, nur Fußball. Wir haben derzeit 125 Mitglieder und sind seit 1972 eingetragener Verein.

Wie schwierig ist es als türkischer Fußball-Verein in einer deutschen Stadt?

Senyuva: Zunächst sehe ich einmal keine Nachteile. Es ist nur so, dass in der Öffentlichkeit oft gesagt wird, dass wir im Geld schwimmen und Spieler holen, die wir überdurchschnittlich bezahlen. Aber viele kennen öfter die Hintergründe nicht. Manchmal werden wir wie eine Söldnertruppe dargestellt.

Mit Mustapha Salifou haben Sie einen Spieler in den Reihen, der 66 Länderspiele für Togo absolviert hat.

Senyuva: Damals als er mit dem Nationalteam in Togo in einem Bus gesessen ist, wurde dieser Bus von Seperatisten beschossen. Da gab es sogar Tote. Das hat er miterlebt und ist glücklich mit dem Leben davongekommen. Salifou ist dann zunächst zu Aston Villa gegangen, aber diese Sache hat ihn immer belastet und darunter hat seine Leistung gelitten. Dann ist er von England nach Frankreich und von Frankreich nach Deutschland. Und nirgends hat es mehr funktioniert.

Dann kam er nach Augsburg…

Senyuva: Ja, vor drei Jahren stand er bei uns auf dem Trainingsplatz. Wir waren überzeugt, dass er nicht lange bei uns bleibt. Wir haben seine spielerischen Qualitäten gesehen. Mittlerweile will er gar nicht mehr weg, und das muss ja einen Grund haben.

Der Spieler muss ja von was leben?

Senyuva: Natürlich, aber das können wir ja als Verein nicht bezahlen. Da gibt es dann private Geschäftsleute, die aushelfen. Das ist bei anderen Amateurvereinen auch nicht anders. Es gibt keinen Amateurklub in Deutschland, der sich einen namhaften Spieler leisten kann, wenn der Verein keine Geschäftsleute als Sponsoren in der Hinterhand hat.

Serdar Dayat (rechts Volkan Yalcin) trainiert Türkspor Augsburg.
Bild: Walter Brugger

Ihr Trainer Serdar Dayat hat schon Erstligisten in der Türkei oder Holland trainiert…

Senyuva: Herr Dayat hat die Pro-Lizenz, mit der er jeden Verein auf der Welt trainieren könnte. Die hat er auf der Sportschule Köln erworben. Dass er bei uns ist, ist auch eher zufällig.

Warum?

Senyuva: Herr Dayat hat viele Jahre in München gelebt und dort ein Transportunternehmen geleitet. Unter Thomas Doll war er Co-Trainer bei Genclerbirligi in der Türkei. Allerdings war er zuletzt ohne Job. Als uns in dieser Saison Herbert Wiest verlassen hat, hat er gesagt, er schaut sich das mal bei uns an. Wir hätten nie gedacht, dass unsere Mannschaft von so einem Mann trainiert wird. Wir können auch nicht sagen, wie lange er bleibt. Er hat von uns die Zusage, dass er bei einem höherklassigen Angebot gehen darf. Dieses Risiko sind wir eingegangen.

Hat ihr Verein mit Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen?

Senyuva: Fremdenfeindlichkeit direkt kann ich nicht sagen, aber es gibt Dinge zu bemängeln. Das habe ich auch bei der Spielgruppentagung gesagt. Klubs und Funktionäre müssen was dazutun. Bei uns steht Abteilungsleiter Adem Gürbüz vor der Gästekabine und begrüßt das Team und die Funktionäre. Wenn wir auswärts antreten, dann ist das nicht so. Ab und zu gibt es Anfeindungen, aber da sind die Funktionäre gefragt. Es sind doch immer fast die gleichen 100 oder 150 Zuschauer und denen sage ich halt einmal, dass es egal ist, ob man schwarz, hell oder dunkel ist. Bleibt einfach fair!

Wie steht es bei Türkspor mit der Integration.

Senyuva: Wir sind eine Multikulti-Truppe mit Spielern aus Kroatien, Sambia, Amerika, Togo, Senegal, Deutschland oder der Türkei. Die fühlen sich bei uns wohler, weil bei uns die Integration vorgelebt wird. Wir haben schon ein Turnier gegen Rassismus veranstaltet, dafür bekamen wir von der Stadt und von Oberbürgermeister Kurt Gribl viel Lob.

Sie leben schon lange in Augsburg.

Senyuva: Ich kam im Alter von zwölf Jahren im Jahr 1967 nach Augsburg. Später hab ich dann in der Landesliga beim TSV Pfersee gespielt.

Wie war es damals als Türke in Augsburg?

Senyuva: Als Ausländerkind war ich sofort einer, der dazugehören durfte. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass ich bevorzugt behandelt wurde. Ich hatte nicht im Ansatz Schwierigkeiten und irgendwann war ich bayerischer Türke.

In der Tabelle steht Türkspor in der Landesliga auf Platz drei. Wäre ein Aufstieg ein Problem?

Senyuva: Von der Qualität der Spieler wäre das kein großes Problem, aber es gibt mehr Auflagen. Wir müssten dann eine U21 und eine Jugendmannschaft haben und von unten etwas aufbauen. Das wäre momentan für uns kaum zu realisieren. Da braucht man wieder ausgebildete Trainer und das kostet Geld.

Haben Sie keine Jugendmannschaft?

Senyuva: Doch, allerdings nur eine, und die ist in einer Spielgemeinschaft mit der TSG Hochzoll.

Die Vorrunde ist beendet. Ihre Mannschaft erwartet zum Rückrundenauftakt am Sonntag (15 Uhr) Oberweikertshofen. Was erwarten Sie sich von ihrer Mannschaft?

Senyuva: Ich halte mich raus, was sportliche Prognosen anbelangt. Unseren Trainer interessiert nicht, wie der Gegner heißt. Der will vor allem Stabilität in die Mannschaft bekommen. Auch wenn wir zuletzt neun Spiele in Folge nicht verloren haben, fehlt noch einiges. Aber das weiß unser Trainer am besten. Nur mit Hacke und Spitze funktioniert das nicht.

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