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Fußball

13.04.2019

Kunstrasen: Die Gefahr des künstlichen Grüns

Umweltschützer kritisieren den Anteil von Mikroplastik, den Kunstrasenplätze zu verantworten hätten. Hauptsächlich geht es um das schwarze Granulat, das als Verfüllmittel benutzt wird.
Bild: Johannes Graf

Vereine aus der Region setzen zunehmend auf Kunstrasen. Dessen Anteil an Mikroplastik in der Umwelt ist größer als bislang angenommen. Gibt es Alternativen?

Er ist saftig grün, stets bespielbar und vor allem eines: nicht echt. Egal ob in Gersthofen, Kissing, Neusäß oder Königsbrunn. Vereine aus der Region setzen immer häufiger auf ihn: den Kunstrasen. Befürworter schätzen, dass er wenig Pflege benötigt, extrem belastbar ist und auch in den Wintermonaten genutzt werden kann. Hinrich Habenicht erklärt: „Wir haben seit 15 Jahren zwei Kunstrasenplätze und sind sehr zufrieden.“

Der Präsident des TSV Gersthofen schiebt hinterher: „Ich hoffe, dass er bei guter Pflege noch viele Jahre halten wird.“ Sosehr Verantwortliche und Spieler für das künstliche Grün schwärmen, so vehement geriet es jüngst in die Kritik. Im Fokus: Der Anteil an Mikroplastik in der Umwelt, der Forschern zufolge deutlich größer ist als bislang angenommen.

Weniger problematisch sind die Plastikgrashalme als vielmehr das Kunststoff-Granulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird. Durch Abrieb und Verwehungen gelangt der Schadstoff schnell in die Natur und trägt so dazu bei, dass sich immer mehr Plastikmüll ansammelt. In welchem Ausmaß das geschieht, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts „Umsicht“ in Oberhausen/Nordrhein-Westfalen erforscht.

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Kunstrasen: Schwarzes Granulat zum Auffüllen ist gesundheitsschädlich

In einer Berechnung haben sie Sportplätze sogar als drittgrößte Mikroplastik-Quelle in Deutschland ausgemacht. Demnach gelangen hierzulande jährlich etwa 11.000 Tonnen der kleinen Kunststoff-Teilchen in die Umwelt – und damit auch in unsere Nahrungskette. „Dabei ist vor allem das schwarze Granulat, das meist aus geschredderten Autoreifen besteht, eine Gefahr für die Gesundheit“, sagt Landschaftsarchitekt Franz-Josef Eger.

Er hat bereits sämtliche Kunstrasenplätze im Augsburger Raum ausgestattet, darunter auch den vom TSV Gersthofen vor 15 Jahren. „Damals haben wir das schwarze Granulat verwendet. Da hat man schon ein schlechtes Gefühl“, gibt Eger zu. Denn jenes Granulat steht sogar unter Verdacht, krebserregend zu sein. Grünes Einstreugranulat sei zwar deutlich harmloser und auch umweltfreundlicher, meint Eger. „Aber es ist auch um einiges teurer als das schwarze, weswegen sich früher viele Vereine dagegen entschieden haben.“

Skandinavische Länder verbieten Granulat und nutzen Polyethylen-Beläge

In der Vergangenheit wurde zwar nach Alternativen gesucht, wie beispielsweise dem Kork-Rasen. Kork könne allerdings, so meinen Experten, schnell von Schimmel befallen werden. Auch Hybridrasen gelten als bessere Wahl für die Umwelt. Eger kritisiert aber, dass dieses Verfahren den Rasen im Winter nicht vom Gefrieren wahrt. Durchsetzen konnte sich letztlich keine der beiden Alternativen.

In den skandinavischen Ländern sei man gerade dabei, Kunstrasenplätze mit Granulat ganz zu verbieten, erzählt Eger. Inzwischen sind nämlich Beläge mit Fasern aus Polyethylen auf dem Markt, die komplett ohne Granulat auskommen. Einen solchen Kunstrasen bekommen jetzt der TSV Schwabmünchen und die DJK Augsburg-West. „Es sind die ersten dieser Art in Schwaben und die modernsten, die zurzeit auf dem Markt sind“, sagt Landschaftsarchitekt Eger. Langfristig gesehen sei der neue Belag nicht teurer als der herkömmliche. „Bei einem Platz mit Granulat muss dies ja regelmäßig aufgebracht werden – und das kostet Geld.“ Der moderne Belag hätte sich nach etwa zehn Jahren amortisiert, so Egger.

Meinungen über Kunstrasen statt Naturrasen gehen auseinander

Jürgen Morton von der Morton Extrusionstechnik GmbH, dem Hersteller des Kunstrasenplatzes der DJK Augsburg-West, sagt: „Dadurch, dass ohne Granulat gearbeitet wird, reduziert sich die Emission von Mikroplastik bei einem solchen Spielfeld um circa 95 Prozent.“ Er sei sich sicher, dass der Trend künftig zu den granulatfreien Kunstrasenplätzen gehen werde.

Artur Weidenbacher, Vorsitzender der DJK Augsburg-West, zeigt sich begeistert. Sein Verein hat zehn Mannschaften, die im Winter nur selten trainieren konnten. „Der neue Kunstrasen verschafft uns einen riesigen Vorteil“, sagt Weidenbacher. Nur DJK-Spielertrainer André Kölz scheint sich mit dem künftigen Geläuf für seine Mannschaft noch nicht richtig anfreunden zu können: „Für die Gelenke der Sportler ist Kunstrasen schrecklich“, sagt er. Zudem sei nicht optimal, sich Woche für Woche umstellen zu müssen. „Auswärts spielen wir meistens auf Naturrasen, zu Hause jetzt nur noch auf Kunstrasen.“

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