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Triathlon

06.09.2019

Schumann will in Nizza nicht baden gehen

Der Augsburger Christopher Schumann nimmt an der Half Ironman Weltmeisterschaft in Nizza teil.
Bild: Schumann

Wenn andere Menschen aufstehen, hat Christopher Schumann mitunter bereits zwei Stunden auf dem Rennrad verbracht. Teils schwingt er sich fürs Training um fünf Uhr morgens aus dem Bett. Denn sein Alltag ist streng getaktet: mit Arbeit, Familie und reichlich Bewegung. Schumann betreibt leidenschaftlich Ausdauersport, als Triathlet bringt der 29-Jährige seinen Körper an Grenzen. Zu einer Qual soll sein Hobby indes nicht werden, betont er. „Ich will in der Freizeit eher ein schönes Erlebnis haben.“

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Doch nur dabei sein, das ist Schumann letztlich auch zu wenig. Dafür investiert er zu viel Zeit, nimmt zu viel Mühen auf sich. 2016 siegte er beim Kuhseetriathlon, in der abgelaufenen Ligasaison startete er für den Regionalligisten TG Viktoria Augsburg. Für welchen Verein Schumann nach dem Abstieg in diesem Sommer startet, steht noch nicht fest.

Vor dem Start formuliert Schumann sein Ziel zurückhaltend

Derzeit verfolgt er persönliche Ziele, am Sonntag steht der vorläufige Höhepunkt seiner Amateurkarriere an: Nach erfolgreicher Qualifikation in Norwegen – Regen und Wind hatte er dort getrotzt – wird Schumann an der Half-Ironman-Weltmeisterschaft in Nizza teilnehmen. Vor dem Wettkampf formuliert er sein Ziel zurückhaltend: „Nicht letzter werden“, sagt er und schmunzelt. Insgeheim erhofft er sich mehr. Unter den rund 3000 Teilnehmern strebt Schumann einen Platz unter den besten Hundert an. Nur dabei sein, das entspricht nicht seinem Anspruch. Im Gespräch gibt er sich locker, entspannt, unaufgeregt, während eines Wettkampfes hingegen packt ihn der Ehrgeiz.

Schumann will in Nizza nicht baden gehen

Weil Schumann bereits als Bub ein schneller Schwimmer war, verfügte er über eine Basis. Nachdem ihm sein Vater ein Rennrad geschenkt hatte und er öfters Laufen ging, weil er sich im Fußball verletzt hatte und Kondition aufbauen wollte, begann er mit Triathlon. Erfolge stellten sich innerhalb kurzer Zeit ein, beim bayerischen Jugendcup in Roth qualifizierte er sich sogleich für die deutsche Meisterschaft.

Schumann profitierte von der starken Förderung durch den Verband, dachte über einen Wechsel an eine Sportschule und ins Profilager nach. „Kurzzeitig habe ich schon von Olympia geträumt“, betont er. Letztlich entschied sich der gebürtige Rothenburger (Kreis Ansbach) gegen den Profisport. Heute sagt er: „Ich bin nicht der verbissene Typ, der alles dem Triathlon unterordnet.“

Psychische und physische Herausforderung

In Augsburg ist er sesshaft geworden, hat geheiratet und einen zweijährigen Sohn. Gekleidet in weißer Hose und blauem Poloshirt sitzt er in einem Behandlungsraum der Gögginger Hessing Klinik, um ihn herum Liegen und medizinisches Gerät. Halbtags ist er hier angestellt, zudem arbeitet er als selbstständiger Physiotherapeut. Zu seinen Klienten zählt Freund und Profitriathlet Roman Deisenhofer. Erkenntnisse des Berufs fließen ins Hobby ein. Schumann fasst zusammen: „Ich kann mich reflektieren, um nicht zu übertreiben.“

Wobei nicht nur Kraft und Kondition über Erfolg entscheiden, mindestens so bedeutend ist der psychische Zustand. Schumann hat sich auf die Mitteldistanzen spezialisiert, knapp zwei Kilometer schwimmen, 90 Kilometer radfahren und einen Halbmarathon laufen. Rund vier Stunden benötigt er für diese Strecke. Gegenüber einem Ironman halten sich die Qualen in Grenzen, dennoch ist die mentale Herausforderung enorm, wenn Kräfte schwinden und nur noch Wille zählt. Schumann beschreibt: „Idealerweise kommt man in eine Phase, in der man nur Leistung bringen will.“ Er behilft sich mit Musik, mit Reggae- oder Houseklängen. Im Wettkampf treiben ihn Frau Christina, ebenfalls Triathletin der TG Viktoria, oder Kumpel Benedikt Klein an, beide werden ihn auch während der WM unterstützen. Am Donnerstag sind sie mit dem VW-Bus losgefahren, nach dem Wettkampf wollen sie noch in der Region Urlaub machen.

Schwierige Strecke durch die Berge rund um Nizza

Schumann will einen „soliden Wettkampf“ abliefern und „kein Risiko eingehen“, wie er sagt. Seine Platzierung entscheidend beeinflussen dürfte das Radfahren. Die Strecke durch die Berge und Dörfer rund um Nizza ist anspruchsvoll, etliche Höhenmeter sind zu bewältigen. Schumann hat dafür in den Schweizer Alpen trainiert. Jetzt ist Regeneration angesagt. Kraft tanken, Akkus aufladen. Sein übliches Trainingspensum von rund acht Stunden pro Woche hat er reduziert. „Manchmal klappt es, weil man entspannt war und zuvor einen guten Tag hatte“, sagt er.

Auf solche Umstände hofft Schumann in Nizza.

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