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Talfahrt oder Chance? Wie Augsburgs Wirtschaft auf die Krise reagiert

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Talfahrt oder Chance? Wie Augsburgs Wirtschaft auf die Krise reagiert

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    UPM, WashTec, Eberle und Kuka bauen in Augsburg Arbeitsplätze ab.
    UPM, WashTec, Eberle und Kuka bauen in Augsburg Arbeitsplätze ab. Foto: Marcus Merk, Ulrich Wagner

    Die Wirtschaftskrise hat auch Augsburg im Griff: Unternehmen wie der Bandstahlspezialist Eberle oder der Fahrzeugwaschanlagen-Hersteller WashTec verlagern Arbeitsplätze nach Osteuropa, der Papierhersteller UPM und der Roboterbauer Kuka reduzieren ihr Personal teils deutlich. In den nächsten Monaten werden alleine bei diesen Firmen, Stand jetzt, wohl mehr als 500 Arbeitsplätze wegfallen. Dazu kommt eine steigende Zahl an Insolvenzen und Unternehmen, die Kurzarbeit anmelden. Die Entwicklungen verunsichern und lassen die Frage aufkommen, ob Augsburg tiefer in der Krise steckt als gedacht. Und vor allem: Geht die Talfahrt weiter?

    „Die Wirtschaft steckt in einer gesamtwirtschaftlichen und politischen Situation der Unsicherheit. Die Zeiten werden härter“, analysiert der Augsburger Wirtschaftsprofessor Erik Lehmann (Universität Augsburg). Weitere Insolvenzen und Verlagerungen von Arbeitsplätzen schließe er daher nicht aus. Komplett schwarz malen will er die Zukunft der Stadt aber nicht: „Augsburg hat das Potenzial, gefestigter aus dieser Krise hervorzugehen als andere Regionen in Bayern.“ Die wirtschaftliche Struktur sei breit aufgestellt und nicht von einer Branche oder wenigen Unternehmen abhängig. Zudem profitiere die Region von Innovationen in zukunftsweisenden Bereichen wie Künstlicher Intelligenz (KI). Dazu entwickelten sich am Standort junge, dynamische Unternehmen, die in einem solchen Umfeld wachsen könnten. Das biete die Chance auf neue Arbeitsplätze. Auch das Handwerk zeigt sich robust und habe vorausschauend gewirtschaftet, sagte zuletzt Handwerksammer-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner.

    63 Prozent der Schwäbischen Industrieunternehmen sehen Arbeitskosten als Risiko

    Trotz der angespannten Lage sei ein Abgesang auf Augsburgs Wirtschaft nicht angemessen und bilde die Realität nicht im Ganzen ab, findet auch Niklas Gouverneur, Team Wirtschaftsforschung der IHK Schwaben. Es lasse sich derzeit kein ganz eindeutiges Bild der Situation zeichnen. Während die Industrie an sich zu kämpfen habe, würden innerhalb der Branche Unternehmen wie Renk und Zulieferer für die Rüstungsindustrie profitieren. Laut Schätzungen der IHK gibt es hier in Schwaben rund 9000 Arbeitsplätze.

    Hinter der Krise steckten mehrere Faktoren, die sich teils überlagerten und auf Branchen und Unternehmen unterschiedlich starke Effekte hätten. So spürten energieintensive Unternehmen die hohen Energiekosten besonders stark. Im Fall von UPM stehe man wegen einer fortschreitenden Digitalisierung und einer sinkenden Nachfrage nach grafischen Papieren zudem vor strukturellen Herausforderungen. Für Unternehmen im Maschinenbau und der Automatisierungstechnik machten dagegen unter anderem steigende Löhne und Gehälter Probleme. Laut einer IHK-Umfrage betrachten 63 Prozent der Industrieunternehmen die hohen Arbeitskosten als Risiko. Deshalb sei es nicht überraschend, dass Unternehmen wie Eberle oder WashTec Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagern, so Wirtschaftsprofessor Lehmann. „Auch anderswo gibt es gut ausgebildete Fachkräfte, die für geringere Löhne arbeiten.“

    Augsburger Unternehmen aus der Rüstungsbranche profitieren von der Krise

    Dass Unternehmen abwandern oder zumindest Teile ihrer Produktion verlagern, werde den Standort Augsburg jedoch nicht wesentlich negativ beeinflussen. „Die hohe Qualität im Maschinenbau und die Innovationen der Augsburger Unternehmen wird immer gefragt sein“. Dazu gebe es Unternehmen wie MAN, die sich neu aufstellten und zukunftsweisende Technologien wie Wasserstoff in den Fokus nehmen würden.

    Der IHK-Arbeitsmarktradar zeigt, dass trotz Stellenabbau in einzelnen Industriezweigen viele Branchen weiterhin mit einem erheblichen Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben. Besonders betroffen sind Berufe auf Fachkraftniveau, wo allein in Bayerisch-Schwaben 2022 rund 12.000 qualifizierte Fachkräfte fehlten. Bis 2027 werde die Arbeitskräftelücke auf diesem Niveau zwar leicht zurückgehen, bleibe aber mit über 11.000 unbesetzten Stellen eine große Herausforderung, so Gouverneur. So entstehe das Phänomen, dass auf einen Stellenabbau in bestimmten Sektoren ein Fachkräftemangel (unter anderem Pflege und Gesundheit) in anderen trifft.

    Augsburger Unternehmen halten Milliardenpaket allein für nicht ausreichend

    Um die Krise zu bewältigen, müsse schnell gehandelt werden, hieß es zuletzt bei Veranstaltungen wie dem Schwäbischen Wirtschaftsgipfel der Augsburger Allgemeine. Das geplante Milliardenpaket der neuen Bundesregierung allein löse jedoch keine strukturellen Probleme, so IHK-Präsident Reinhold Braun. Es brauche neben Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung auch schnell Reformen in den Bereichen Steuern, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau. „Es ist jetzt keine Zeit für Wohltaten, sondern für eine echte Wirtschaftswende.“

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