Mit die größten Projekte Augsburgs gibt es in der Innenstadt – und die sorgen in der Bevölkerung zuweilen für Unmut. Ganz vorne mit dabei ist die Sanierung des Staatstheaters, deren Kostensteigerung für Schlagzeilen sorgte. Ein weiteres Langzeitvorhaben ist der Ausbau des Hauptbahnhofs, welcher ebenfalls länger dauert als gedacht. Erst kürzlich schlug eine andere Sanierung auf das Gemüt der Augsburgerinnen und Augsburger: Die beliebte Freilichtbühne muss instand gesetzt werden und bleibt bereits in dieser Spielsaison geschlossen. Im Wahlmobil haben uns Bürgerinnen und Bürger erzählt, was sie im Herzen der Fuggerstadt beschäftigt.
Auf dem Rathausplatz ist Werner Kretzinger unterwegs. Der 67-Jährige ist gebürtiger Augsburger und lebt in der Hammerschmiede. Dort gefällt ihm die ländliche Umgebung: „Es ist wie auf dem Dorf. Man kennt sich und es gibt viele Vereine“, so Kretzinger. Für die Zukunft würde er sich dort eine allgemeine Begegnungsstätte wünschen, um auch Zugezogene kennenzulernen. Zuvor lebte er mehrere Jahre lang im Schwabencenter. Der Unterschied zwischen den beiden Wohnorten sei wie Tag und Nacht.
Kulturangebote wie das Staatstheater und die Freilichtbühne beschäftigen Bürger
In der Innenstadt hofft er auf eine baldige Fertigstellung des Staatstheaters. „Was mich wirklich nervt, ist, dass die Freilichtbühne für viele Jahre schließt“, sagt Kretzinger, der dort jedes Jahr zu Aufführungen gegangen ist. Auch die lange Wartezeit beim Hauptbahnhof stört ihn. „Das wird begonnen, und keiner bringt es zu Ende. Wenn ein Oberbürgermeister das anfängt, muss der oder die nächste das mit genauso viel Engagement weiterführen“, findet er. „Von außen sieht der Bahnhof noch so aus wie vor 50 Jahren“, kritisiert Kretzinger.
Die 29-jährige Kelly Mendoza lebt im Augsburger Domviertel. Ihren Wohnort mag sie. „Obwohl Augsburg keine riesige Stadt ist, ist alles dabei. Man findet alles, was man braucht“, sagt Mendoza. In der Innenstadt würde sich die Architekturstudentin mehr Begrünung wünschen. Wenn es nach ihr gehe, könne es zudem manchmal etwas ruhiger sein. „Meine Wohnung ist in der Nähe der Tramgleise. Es ist lebendig, aber manchmal braucht man auch mehr Ruhe“, so die 29-Jährige. Für die Zukunft von Augsburg wünscht sie sich, dass der Kern der Stadt erhalten bleibt – auch, wenn sich Augsburg weiter vergrößert.
Wahlprojekt „Dein Augsburg. Deine Stimme.“
Im Vorfeld der Kommunalwahl möchten wir wissen, was die Augsburgerinnen und Augsburger bewegt. Mit einem Transporter, der zu einem Drehstudio umfunktioniert wurde, sind wir in sieben Stadtteile gefahren, um mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Alle Videos und Texte zum Wahlprojekt „Dein Augsburg. Deine Stimme“ gibt es auf dieser Übersichtsseite. Dort veröffentlichen wir bis zur Kommunalwahl in unregelmäßigen Abständen die Inhalte aller Standorte.
Ein Projekt von Manuel Andre, Bianca Dimarsico, Jonas Klimm und Fabian Kluge.
Manfred Goetze wohnt in der Augsburger Stadtmitte. Besonders froh sei er über sein Zuhause: Der 73-Jährige wohnt in einem gemeinschaftlichen Mehrgenerationenhaus. Seine Antwort auf die Frage, was er sich für die Stadt wünscht, kommt prompt: „Das Theater soll fertig werden. Ich hoffe, dass ich das noch miterlebe“, so Goetze. Kulturelle Angebote seien ihm wichtig, ebenso eine belebte Innenstadt. „Die kleinen Geschäfte sollen nicht alle schließen müssen. Aber daran kann die Stadtverwaltung wahrscheinlich nicht viel ändern“, meint der 73-Jährige. Darüber hinaus spricht er sich ebenfalls für mehr Begrünung und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt aus. Als Positivbeispiele nennt er Hofgarten und Fronhof.
Die Augsburger Stadtverwaltung möchte Begrünung vorantreiben
Hier sollte sich in den kommenden Jahren noch einiges tun: Etwa 9,5 Millionen Euro steckt die Stadt Augsburg seit 2024 mit dem Projekt „Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg“ bis 2027 in die Begrünung. Ein Großteil wird dabei von einem Bundesförderprogramm finanziert. Vier Punkte stehen im Fokus des Projektes: smartes Gießmanagement, die Grünanlage „Zentrale Mitte“, Baumpflanzungen in der Innenstadt und das Schaffen von Klimaoasen.
Kurt Fischer ist in Augsburg geboren und aufgewachsen. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – er schon lange hier lebt, hat er Kritik an seiner Heimat. „Wo ich wohne, ist es wegen des Verkehrs immer laut. Am Wochenende kommt noch Lärm von den Betrunkenen dazu, die vom Feiern nach Hause laufen“, bemängelt Fischer. Sein Vorschlag: Lokale und Bars früher schließen. Verkehrsberuhigte Zonen in der Innenstadt befürwortet er, letzteres auch aus Sicherheitsgründen. Ein weiteres Problem seien mangelnde Parkplätze für Anwohner.
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