Was wird nach dem Ende von Vileda in Augsburg aus den Werkshallen?
Augsburg
Vileda gibt die Produktion in Augsburg auf – wie geht es danach hier weiter?
Die Firma Freudenberg beendet die Produktion im Textilviertel und gibt vier große Hallen an den Martinipark zurück. So könnte eine künftige Nutzung aussehen.
Die Firma Freudenberg gibt ihre Produktionsstätte im Martinipark auf. Nun wird überlegt, wie das Areal künftig zu nutzen ist.Foto: Peter Fastl
Die Augsburger Firma Martini liefert Stoff für viele Geschichten. Das traditionsreiche Unternehmen gehörte einst zu den erfolgreichen Textilbetrieben in der Stadt. Im Martinipark, der nach der Unternehmerfamilie benannt ist, sind ehemalige Produktionsstätten vermietet. Das Staatstheater Augsburg betreibt eine Interimsspielstätte. Die Feuerwehrerlebniswelt sitzt im Martinipark. Nun steht ein Einschnitt an: Die Firma Freudenberg gibt ihre Produktionsstätte auf. Große Hallen werden frei. Was bedeutet dies für den Martinipark?
Freudenberg war zuletzt der einzige industrielle Produktionsbetrieb im Martinipark. Mit dem Unternehmen wird ein Produkt verbunden: Vileda. Die klassischen Haushaltstücher werden aus Vliesstoff produziert. Das Ende der Vileda-Produktion in Augsburg bedingt den endgültigen Rückzug aus dem Gewerbepark, lediglich ein Werksverkauf bleibt. Die Werksschließung läuft. Maschinen werden abgebaut.
Martini-Geschäftsführer Wolfgang Geisler (rechts) übergibt das Zepter an seinen Nachfolger Oliver Rob.Foto: Peter Fastl
Martini-Geschäftsführer Wolfgang Geisler sagt: „Es ist ein Einschnitt, auch wenn sich der Abschied seit Langem abgezeichnet hat und eng mit uns abgestimmt ist.“ Man bereite sich intensiv auf die künftige Nutzung der Hallen vor. Geisler wird dies nicht mehr federführend tun. Der 60-Jährige hört auf. Oliver Rob, 54, ist Nachfolger. Der Architekt und Projektentwickler, der zuletzt im Großraum München tätig war, ist neuer Geschäftsführer. Er sagt: „Eine Hauptaufgabe wird es sein, die wohnwirtschaftliche Weiterentwicklung voranzutreiben.“ Das Kerngeschäft von Martini umfasst Bau, Vermietung sowie Verwaltung von Wohn- und Gewerbeimmobilien.
Martini-Gruppe errichtet Wohnanlage mit 360 Wohnungen
Im Auftrag der Gesellschafter trieb Wolfgang Geisler die Entwicklung des Areals voran. Vor 28 Jahren begann er als kaufmännischer Leiter, seit dem Jahr 2004 trägt er die Hauptverantwortung. Seine Handschrift zeigt sich an vielen Stellen. Das kleine Stadtviertel mit der Industriekultur ist stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, weil Martini eine große Wohnanlage mit 360 Wohnungen errichtet hat. Darüber hinaus ist der Park für die Bevölkerung freigegeben. Das ehemalige Pförtnerhaus wurde in ein kleines Café umgewandelt, das sich großer Beliebtheit erfreut.
260 Mieter sitzen derzeit im Martinipark, das Areal ist zu 100 Prozent vermietet. Für Nachfolger Rob geht es darum, aus den frei werdenden Flächen von Freudenberg Kapital zu schlagen. „Mittelfristig bleibt es sicherlich bei einer gewerblichen Nutzung.“ Perspektivisch sei der Bau von neuen Wohnungen eine Option. Genügend Platz gibt es. Freudenberg übergibt vier große Hallen. Der Übergang dauert. „Von Ende 2026 bis Mitte 2028 ist die Rückgabe der Gebäude geplant“, sagt Geisler. Die Dimension zeigt sich allein daran, dass Freudenberg gegenwärtig noch zehn Prozent der Hallenflächen belegt.
Mit der Schaffung von Wohnraum ist Martini nicht nur im Textilviertel betraut. „Wir haben im Augsburger Stadtgebiet zwei weitere Projekte“, erläutert Geisler. Im Antonsviertel und im Bismarckviertel werden hauseigene Immobilien aufgestockt. „Wir reden hier von insgesamt 20 bis 25 neuen Wohnungen“, sagt Geisler. Für ihn, der die Immobilienwirtschaft in Augsburg viele Jahre intensiv begleitet hat, ist ein Aspekt wichtig: „Aus meiner Sicht gab es immer eine sehr gute Zusammenarbeit mit der städtischen Bauverwaltung.“
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