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Neuvorstellung
02.04.2022

Bulli war gestern: Was Sie zum neuen VW ID.Buzz wissen müssen

Flower Power auf elektrisch: Wie einst der Bulli, soll auch der ID.Buzz zum Sympathieträger der Marke VW werden. Sein freundliches Design könnte ihm dabei helfen. Ökologisch ist der ID.Buzz mit einer 204-PS-E-Maschine schonmal auf der sicheren Seite.
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Flower Power auf elektrisch: Wie einst der Bulli, soll auch der ID.Buzz zum Sympathieträger der Marke VW werden. Sein freundliches Design könnte ihm dabei helfen. Ökologisch ist der ID.Buzz mit einer 204-PS-E-Maschine schonmal auf der sicheren Seite.
Foto: Volkswagen AG

Neuvorstellung Der VW Bulli prägte ein Lebensgefühl. Jetzt bricht das Elektrozeitalter an – und der „ID.Buzz“ soll abermals Emotionen wecken. Hier erstmal die Fakten.

Es ist ein bisschen so wie beim ersten Rendezvous. Die Hände sind feucht, das Herz klopft. Es ist zwar nicht gerade ein Blind Date, schließlich kennt man sich schon von früher und außerdem gibt es auch aktuelle Fotos. Aber Bilder sind das eine, die Realität das andere.

Die entscheidende Frage lautet: Kann die alte Liebe wieder aufflammen oder wird es ein schaler Aufguss? Der Bulli hat das Lebensgefühl ganzer Generationen beeinflusst. 50er Jahre, Wiederaufbau, große Freiheit auf vier Rädern. Und dann erst die 70er: California-Dreaming und Flower-Power. Dieser emotionalen Fracht muss der neue Bulli erstmal schultern.

Gleich hier in einer Halle am Hamburger Hafen, wo das erste Treffen stattfindet. Ach ja Bulli heißt er ja nicht mehr, sondern ID.Buzz. Buzz ist nicht etwa ein Kunstwort für Bus, sondern kommt aus dem Englischen. Buzz bedeutet summen. Nicht wie die Bienen, sondern wie eine Elektro-Motor.

Für Volkswagen das wichtigste Auto seit dem Golf

Wie bedeutsam diese Premiere ist, zeigt, dass nahezu der ganze Volkswagen-Vorstand inklusive des Vorsitzenden Herbert Diess angetreten ist. Als Geburtshelfer für das wichtigste Auto von VW seit dem Golf. Denn der ID.Buzz soll die Herzen der Menschen öffnen. Und zwar gleich für die ganze Marke.

Bullis waren immer schon knuffig, freundlich und sympathisch. Diesel-Skandal, Betrug - war da was? Das neue Bulliversum soll das alles überstrahlen, nicht nur in Europa, auf der ganzen Welt und speziell in den USA. Als Botschafter mit Herz und Seele. Aber auch als Technologieträger.

Der Bulli ist nicht nur ein reines Elektro-Fahrzeug, sondern soll auch als erstes Auto von VW einen Meilenstein beim autonomen Fahren setzen. Level 4. Das bedeutet, dass der Bulli auch ganz allein fahren darf, ohne Insassen. Zum Beispiel auf Autobahnen oder beim Valet-Parken, wie es zu Beispiel schon Mercedes Benz erprobt. Rein ins Parkhaus, aussteigen, das Auto per App starten - und schon sucht sich Klein-Bulli seinen eigenen Platz. Das eröffnet ganze neue Geschäftsfelder für VW-Nutzfahrzeuge. Zum Beispiel autonome Lieferflotten.

Und dann ist er plötzlich da. Buzz, buzz, es summt in der alten Industriehalle - ein blauer und ein gelber Bus tauchen aus dem weiten Dunkel auf und fahren in das Licht. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Da steht ein echter Bulli, Baujahr 2021, nicht altmodisch und zopfig beim Design, sondern modern und zeitgemäß.

Wir schauen dem Bulli tief in die Augen. Freundliche Scheinwerfer blinzeln uns zu, verbunden mit einem Lichtband. Das große VW-Logo prangt wie schon beim T1 mittig auf der V-förmigen Haube. Sie fällt zwar nicht wie beim Original senkrecht ab, sondern streckt sich leicht nach vorne. Mit den Dreiecksfenstern vorne und dem kurzen Überhang hinten finden sich weiter Analogien zum Ur-Modell. Wie auch die zweifarbigen Lackierungen.

Mit dem alten Bulli hat das Interieur nichts mehr gemein

Mit dem alten Bulli hat das Interieur des ID-Buzz nicht mehr viel gemein. Da erinnert so einiges an die neue Generation E-Auto bei VW. ID.3 bis ID.5 lassen grüßen. Kleines Tacho-Display mit den nötigsten Informationen hinter dem Lenkrad, großer Infotainment-Bildschirm in der Mitte.

Die leicht erhöhte Sitzposition nah an der Vorderachse fühlt sich original an. Der Fünfsitzer, später im Jahr wird noch ein Bulli mit längerem Radstand nachgereicht, wirkt geräumig, luftig und leicht. Und wie das so ist bei einem Flirt, man sieht genauer hin und entdeckt überall liebenswerte Details. In der Mulde der Türgriffe strahlen uns beispielsweise kleine Smileys an. Und hinten im Laderaum ist an den Seiten die Silhouette des Bullis in den Kunststoff geprägt. Ein Sympathieträger eben.

VW ID.Buzz: technische Daten

  • E-Motor 150 kW, 204 PS
  • Drehmoment 310 Nm
  • Antrieb Heck
  • 0-100 km/h k.A.
  • Spitze 145 km/h
  • Akku 82 kWh (77 kWh nutzbar)
  • Ladeleistung 11 kW (AC), 170 kW (DC)
  • Ladezeit 30 min (DC von 5 auf 80 Prozent)
  • Normverbrauch k.A.
  • Reichweite ca. 400 km
  • L/B/H 4,71/1,99/1,94 m
  • Leergewicht/Zul.. k.A.
  • Anhängelast gebr. k..A.
  • Kofferraum 1121-2205 l (Fünfsitzer)
  • Laderaum Cargo 3,9 m3
  • Zuladung Cargo 650 kg
  • Preis 55.000 bis 60.000 Euro (geschätzt/ Cargo 45.000 Euro)

Auch technisch hat der ID.Buzz mit Bullis oder Multivans nichts mehr zu tun. Bis auf die Tatsache, dass der Transporter wie das Original am Heck angetrieben wird.

Nur, dass es jetzt kein Boxermotor mehr ist. Sondern eine 204 PS starke E-Maschine, ein alter Bekannter bei VW. Den Saft zieht er sich aus einer 82-kWh-Batterie, die vermutlich mit Reichweiten von 400 Kilometern ermöglicht.

Ein größerer Akku ist dabei ebenso im Gespräch wie eine Allrad-Variante mit zwei E-Motoren, ähnlich wie beim ID.4 GTX. Dann hat man knapp 300 PS zur Verfügung. Die Spurtzeiten von 0 auf Tempo 100 dürften dann eine 6 vor dem Komma haben.

Eine Schnellladung dauert 30 Minuten

Aufgeladen wird der Akku mit bis zu 170 kW, was laut offiziellen Angaben 30 Minuten bedeutet, wenn man die Batterie wieder von fünf auf 80 Prozent bringen will. Am herkömmlichen Stromnetz zieht der ID.Buzz maximal 11 kW, das muss er dann schon die ganze Nacht über an der Leitung hängen.

Ganz neu und im Bulli zum ersten Mal im Einsatz ist die Plug & Charge-Funktion. Das heißt: Beim Laden an einer entsprechend ausgerüsteten DC-Säule braucht man dann keine Karte mehr. Der Stecker spricht selbst mit der Säule und tauscht auch Bezahl-Daten aus.

Überhaupt ist der ID.Buzz ziemlich kommunikationsfreudig. Mit der Car2X-Technologie tauscht er via Funknetz Daten mit anderen Autos aus, um Gefahren wie zum Beispiel plötzliche Staus oder Unfälle hinter schlecht einsehbaren Kurven rechtzeitig zu entdecken.

Außen hui und innen hui - der neue VW-Bulli legt einen überzeugenden Auftritt hin. Ob aus dem Flirt mit dem neuen alten Kult-Auto etwas Ernsthaftes wird? Das hängt ganz von den Preisvorstellungen bei VW ab. Schätzungen gehen von 55.000 bis 60.000 Euro aus. Zum Vergleich: Den neuen Multivan gibt es ab 45.000 Euro, der vergleichbare 204-PS-Benziner kostet knapp 50.000 Euro. Aber mal im Ernst: Wo große Gefühle walten, da sollte Geld eigentlich keine Rolle spielen.

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