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Kuschelplatz fürs Stacheltier

So bauen Sie ein Winterquartier für Igel

Exklusiv
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Bild: Manuel Findeis - Fotolia

Der Winter ist ja nun wirklich nicht jedermanns Sache. Wenn es draußen gar garstig windet und schneit, schlimmer noch: wenn es einfach nur nasskalt, matschig und ungemütlich ist, dann igeln die meisten sich doch gerne auf dem Sofa oder im Bett ein, sofern es die Zeit zulässt. Und man beneidet ein bisschen das namengebende Tierchen, das jetzt gerade im wohligen Winterschlaf schlummert und Väterchen Frost einen guten Mann sein lässt.

Doch allzu beneidenswert ist der Igel eigentlich nicht. Aufgrund zunehmender Urbanisierung, immer dichterer Bebauung und nahezu steriler Gartenanlagen hat der Stachler nicht mehr allzu viele Schlupfwinkel, um sich während seiner Winterruhe von Ende Oktober bis Anfang April vor den eisigen Temperaturen zu schützen. Diese Wohnungsnot ist es auch, die Igel dazu zwingt, sich auf gefährliche Wanderungen zu begeben. Nicht wenige dieser Ausflüge enden tödlich.

Bild: eag1e - Fotolia

Dabei kann jeder Gartenbesitzer aktiv zum Erhalt eines der beliebtesten Ureinwohners beitragen. Wie? Ganz einfach: Räumen Sie im Herbst Ihre grüne Oase nicht allzu penibel auf – ein wenig Laub unter Büschen und Hecken wird Ihnen schon nicht gleich den Ruf eines Messies oder Taugenichts einbringen. Dem Swinegel, wie der Igel in Fabeln genannt wird, aber hilft das Material beim Nestbau.

Noch besser: Bauen Sie doch einfach ein kleines Igelhäuschen für den putzigen Gartengast. Wie das geht, verraten wir Ihnen:

Sie brauchen:

  • 1 Brett 25 x 160 x 2 cm
  • 2 Schiefertafeln 30 x 50 x 1 cm (alternativ 2 Holzplatten selber Größe plus Teerpappe)
  • 1 Holzwinkelleiste 50 cm lang (nur bei Schiefertafeldach)
  • 1 Brett 15 x 80 x 2 cm
  • 8 Metallwinkel
  • Edelstahlschrauben
  • Säge (ideal: Stichsäge und Handkreissäge)
  • Metermaß
  • ggf. Hammer und Teerpappenägel
  • umweltfreundliche Holzlasur

So geht’s:

  1. Das 160 Zentimeter lange Brett in vier gleich große Stücke sägen.
  2. In eines der Stücke mit der Stichsäge eine etwa zehn Zentimeter breite, ebenso hohe Türöffnung schneiden.
  3. Die vier Bretter mittels Winkeln und Schrauben zu einem Quadrat zusammenfügen.
  4. Das 80 Zentimeter lange Brett in der Mitte halbieren. Jedes der beiden Bretter mit einem Bleistift in der Mitte anzeichnen.
  5. Mit der Handkreissäge jeweils vom linken unteren Eck zur gegenüberliegenden Mitte und hinab zum rechten unteren Eck sägen, sodass ein gleichschenkliges Dreieck entsteht.
  6. Die Seitenwände des zusammengeschraubten Bretterquadrats mit dem Zollstock abmessen. Die Länge sollte – je nachdem, wie Sie die Bretter zusammengefügt haben – 40, 42 oder 44 Zentimeter betragen.
  7. Eine Schiefertafel auf den Boden legen. Von der Mitte der Längsseite jeweils die Hälfte des eben festgestell­ten Abstands (40 bis 44 Zentimeter) abmessen und rechtwinklig markieren. Außerhalb dieser Markierung die zu­gesägten Winkelbretter so anlegen, dass die Tafel jeweils bündig mit der Spitze (= großer Winkel) abschließt. Die Seitenwände des Holzquadrats sollten also exakt zwischen die Winkelbretter passen. Die Stärke der Winkelbretter auf der Schiefertafel anzeichnen. Analog mit der anderen Tafel. (Falls Sie keine Steinplatten verwenden, können Sie mit den Holzplatten identisch verfahren.)
  8. Mit einem sehr dünnen Steinbohrer, besser: einem Glasbohrer, jeweils drei Löcher pro Winkelbrett innerhalb der Markierung bohren; so lassen sich die Schiefertafeln auf die Winkelbretter schrauben und und bilden ein Satteldach.
  9. Die Holzwinkelleiste dient als Dachfürst und schützt den Spalt zwischen den beiden Steinplatten vor Regen. Ebenfalls an den Winkelbrettern anschrauben. (Wer Holzplatten verwendet, nagelt die Dachpappe mittels geeigneter Nägel auf selbige und überbrückt den Spalt zwischen den Platten damit.)
  10. Das Dach sollte nun perfekt auf das Bretterquadrat passen.
  11. Zu guter Letzt das Igelhaus mit ökologischer Lasur wetterfest machen und an einem ruhigen, etwas wettergeschützten Ort aufstellen. Wer möchte, kann es im Herbst bereits mit etwas trockenem Laub, Heu oder Stroh ausfüttern. 

Kurz erklärt:

Der Braunbrustigel gilt in Deutschland bereits in sechs Bundesländern als gefährdete Tierart. Größter Feind ist dabei der Mensch, der dem stacheligen Kerlchen durch seine dominante Art den Lebensraum streitig macht. Darüber hinaus kommt es vor allem durch dicht befahrene Verkehrswege, auf denen jährlich etwa eine halbe Million Igel ums Leben kommen, zu sogenannten Inselpopulationen, also zu isolierter Gruppenbildung. Dies führt dazu, dass der Bestand zusätzlich durch inzestuöse Fortpflanzung und fehlenden Genaustausch geschwächt wird. Pro Jahr zieht eine Igelmutter aktuellen Schätzungen zufolge maximal drei Jungtiere groß – eine verhältnismäßig kleine Zahl angesichts der hohen Zahl an Verkehrsopfern.

 

Steckbrief:

  • Name: Braunbrustigel
  • Zoologischer Name: Erinaceus europaeus
  • Familie: Igel (Erinaceidae)
  • Unterfamilie: Stacheligel (Erinaceinae)
  • Lebensraum: Graslandschaften, Wälder
  • Lebenserwartung: durchschnittlich 3 bis 4 Jahre
  • Größe: 15 bis 40 Zentimeter
  • Gewicht: bis 2000 Gramm
  • Nahrung: Insekten, Regenwürmer
  • Natürliche Feinde: Raubvögel, Eulen, Dachse, Füchse, Marder
  • Trivia: sind Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarungszeit, rollen sich bei Gefahr zu einer stacheligen Kugel zusammen, verlieren beim Winterschlaf bis zu drei Viertel ihres Gewichts, darf keinesfalls mit Milch oder Milchprodukten gefüttert werden, besitzen bereits bei Geburt Stacheln, die aber noch weich sind und erst aushärten