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Das blaue Wunder

In fünf Jahren kann viel passieren – vor allem im Garten. Ein Besuch bei Familie Merfeld.

Exklusiv
Das blaue Wunder
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Schon einmal haben die Merfelds aus dem Burgauer Ortsteil Limbach ihre Gartentüren für unsere Redaktion geöffnet. Das war im Jahr 2013 für Ausgabe 4 unseres Magazins „Gartentipp“.

Jetzt haben wir nachgefragt, was sich in den letzten fünf Jahren getan hat – und das ist eine Menge. Eines ist auf jeden Fall klar: Der Garten der Merfelds wandelt sich stets. Das liegt vor allem am Tatendrang der Grundstücksbesitzer. Die Liste der Umbauarbeiten, die Leonhard Merfeld in den vergangenen Jahren vorgenommen hat, ist lang. Da wäre zum einen die Garage. „Die war baufällig“, sagt Merfeld. Aus alten Balken baute er eine alte „neue“ Garage und eine Hundehütte im selben Stil. Der Anbau an das Austraghaus dagegen ist modern, fast futuristisch gestaltet. Der Stilbruch in Form des roten Kubus ist gelungen und lenkt die Aufmerksamkeit gleichermaßen auf das Alte und das Neue. Ende 2017 gestalteten sie außerdem den Eingangsbereich neu.

Sei es im Sommer durch die auffällige Blütenpracht, besonders des Rittersporn, oder im Winter durch die auffällige und liebevoll gestaltete Weihnachtsdeko – das Grundstück der Merfelds fällt auf. Viele Leute kommen und wollen genau wissen, welche Tipps das Ehepaar hat. Frauenvereine, Gartenbauvereine, Bustouren, sie alle führt Merfeld gerne durch seine grüne Oase. Den absoluten Besucherrekord gab es dann beim Tag der offenen Gartentür: An nur einem Tag kamen rund 5000 Menschen, um einen Blick auf die Beete der Merfelds zu werfen. Am meisten beeindruckt sind die Besucher regelmäßig von den prächtigen Rittersporn. Das blaue Staudenwunder, das mit botanischem Namen „Delphinium“ heißt, wächst und gedeiht hier in Burgau besonders eindrucksvoll und ist die Lieblingspflanze von Ulrike Merfeld. Bereits ab Juni entfalten sich die blauen Blüten des Hahnenfußgewächses und lockt viele nützliche Insekten an, die sich lange von dem Nektar ernähren können. Zugegeben, es sieht aus, als wäre diese Staude eine echte Diva, wenn es um die Pflege geht. Aufatmen! Der Schein trügt.

Abgesehen von einem nährstoffreichen Boden und reichlich Wasser haben sie eigentlich keine großen Ansprüche. Wer möchte, dass der Rittersporn erneut blüht, sollte die Stauden nach der ersten Blüte auf etwa zehn Zentimeter zurückschneiden. Schnellerem, üppigem Wuchs hilft ein mineralischer Dünger auf die Sprünge. Unter diesen Voraussetzungen ist eine zweite Blüte im September möglich. Besonders in Gärten mit Kindern sollte man besonders vorsichtig sein, denn Rittersporn ist hochgradig giftig. Alle Pflanzenteile enthalten Alkaloide, die Magen- und Darmreizungen hervorrufen können.

Neben dem majestätischen Rittersporn wachsen heute auch mehr Phlox in den Beeten der Hobbygärtner. Die klassische Bauerngarten-Staude, auch Flammenblume genannt, ist besonders wegen ihrer langen Blütezeit bei Gärtnern sehr beliebt. Vom Frühjahr bis in den Spätsommer blüht sie unermüdlich und bildet mit ihren Blüten in verschiedenen Rottönen einen tollen Kontrast zum Rittersporn. In den schattigen Bereichen fühlen sich besonders die Funkien wohl. Auffällig sind die großen herzförmigen Blätter, die hell umrandet sind. Grundsätzlich ist die Staude sehr pflegeleicht. Nur die Schnecken sollte man im Auge behalten.

Einer, der zumindest die Nachbarkatze im Auge hat ist der Border Collie Mischling der Merfelds. Da der Vater ein russischer Hirtenhund war, ist er groß – aber „ein sehr lieber Kerl“. Und auch er genießt die über 3000 Quadratmeter Natur und teilt ihn sogar mit den Eichhörnchen, die im Vogelkasten eingezogen sind, dem Buntspecht, dem Eichelhäher, den Meisen ... Viele Vögel kommen zu den Merfelds, denn hier bekommen sie ganzjährig Futter. Da es immer weniger Insekten als Futterquelle für Vögel gibt, raten einige Ornithologen dazu, die Tiere ganzjährig mit Futter zu unterstützen. So können die Eltern den frisch geschlüpften Nachwuchs besser durchbringen.

Der Gärtner hofft, dass in diesem Jahr der späte Frost ausbleibt. „Letztes Jahr hat es alle Magnolien erwischt“, sagt er. Zum Glück erholten sich die Pflanzen sehr gut, sodass heuer einer prachtvollen Blüte nichts im Weg steht. Da der Boden keine gute Humusschicht bietet, düngt Leonhard Merfeld im Frühjahr ein Mal. Der Rasen bekommt drei- bis viermal pro Jahr eine Kur. Und noch etwas ist neu seit kurzer Zeit: „Wir haben uns jetzt ein Limit gesetzt. Um sieben Uhr ist Feierabend.“ Dann, bei einer Brotzeit unter freiem Himmel, wird der eigene Garten in vollen Zügen genossen. Wohlverdient, nach den vielen Stunden Arbeit und außerdem ist er schließlich genau dafür da.

Kurz erklärt:

Die Zahl der Insekten sinkt dramatisch. Diese Nachricht dürfte Terrassenfans und Spinnenphobiker vermutlich wenig deprimieren. Doch sie ist erschreckender, als es auf den ersten Blick scheinen mag: Insekten sind schließlich ein bedeutender Bestandteil des fragilen Ökosystems. Traurige Konsequenz: Massenhaftes Insektensterben bedeutet weniger Nahrung für Vögel bedeutet massenhaftes Vogelsterben. Laut Naturschutzbund sind uns in den vergangenen zwölf Jahren mehr als 25 Millionen Vögel verschiedenster Arten verloren gegangen. Aufgrund der zunehmend industriellen Agrarlandschaft und der damit verbundenen Folgen können Stare, Buchfinken, Haussperlinge und viele andere Vögel hierzulande kaum noch Überlebenschancen haben. Viele Vogelexperten vertreten daher europaweit die Meinung, dass artgerechte Zufütterung nicht nur im Winter, sondern ganzjährig zur Erhaltung der Vogelbestände notwendig ist. Denn: Den Tieren fehlt es mittlerweile nicht nur in den kalten Monaten an Futter. Besonders der Meisenknödel ist aufgrund seines hohen Fettanteils ein besonders nahrhafter Leckerbissen für die gefiederten Tierchen.

Steckbrief:

  • Name: Rittersporn
  • Botanischer Name: Delphinium
  • Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
  • Unterfamilie: Ranunculoideae
  • Lebensraum: primär in den Gemäßigten Breiten Eurasiens und Nordamerikas, zudem vereinzelt in den Gebirgsregionen Zentralafrikas
  • Lebenserwartung: ein- bis zweijährig
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Blütenfarbe: weiß über hell- und dunkelblau bis violett
  • Wuchshöhe: 30 bis 200 Zentimeter
  • Boden: lehmig-sandiger, mit Humus angereicherter Boden

Pflegehinweis:

  • Sonnigen Standort mit Schatten in Bodennähe wählen
  • Saatzeit durchgehend von Mai bis September
  • im März und nach dem Rückschnitt im Sommer mit organischem Dünger oder Volldünger versorgen
  • direkt nach der Blüte bis auf etwa 20 Zentimeter zurückschneiden, um zweite Blüte zu fördern
  • im Frühjahr und nach dem Rückschnitt besonders vor Schnecken schützen
  • da giftig, auf Kinder gut achtgeben