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Umwelt

07.06.2019

Agrarministerin Kaniber will Privatgebrauch von Glyphosat einschränken

Zur Unkrautbekämpfung greifen manche Hobbygärtner zu Roundup. Bauern stehen aber für ihren Glyphosat-Einsatz massiv am Pranger.
Bild: Mascha Brichta, dpa (Symbolbild)

Exklusiv Michaela Kaniber kommt ins Oberallgäu und wirbt für das Artenschutz-Paket. Zudem will die CSU-Politikerin den privaten Einsatz von Glyphosat reglementieren.

Seit zweieinhalb Wochen tourt Michaela Kaniber durch Bayern, von Kulmbach nach Pfaffenhofen an der Ilm, von Rosenheim nach Schwandorf, Straubing und Würzburg. Und überall hat sich die bayerische Landwirtschaftsministerin einiges anhören müssen. Von Bauern, die sich „verraten und verkauft“ fühlen, seit die Staatsregierung das Bienen-Volksbegehren ohne jede Änderung übernommen hat. „Bauern formulieren sehr deutlich, sehr hart“, sagt die CSU-Politikerin unserer Redaktion.

Landwirten geht es nicht nur um das neue Artenschutz-Paket

Auch am heutigen Freitagabend dürfte Kaniber wieder harte Worte zu hören bekommen. In Dietmannsried im Oberallgäu findet ab 19.30 Uhr die letzte der Regionalkonferenzen statt. Schon jetzt ist klar, dass vor der Festhalle Landwirte demonstrieren werden.

Es geht ihnen um das Artenschutz-Paket, aber auch um all die anderen Probleme, die sie ungelöst sehen: die Blauzungenkrankheit und die aus ihrer Sicht unzureichenden Regeln zur Impfung von Rindern, die Düngeverordnung, mit der man nicht klarkommt, die neuen, komplizierten Technikvorgaben für die Gülleausbringung. Alfred Enderle, der schwäbische Bauernpräsident aus Wertach im Oberallgäu, sagt: „Es ist die Menge, die das Gift macht.“

Glyphosat: Agrarministerin Kaniber will Verbraucher in die Pflicht nehmen

Kaniber hat sich auf Buhrufe eingestellt. Und sie versteht, dass die Bauern auf den Regionalkonferenzen ihren Frust loswerden wollen. „So soll es auch sein.“ Trotzdem zieht sie vor dem letzten Termin ein positives Fazit. Sie habe Klartext gesprochen, was das neue Artenschutz-Paket für die Landwirte bedeute, und „Fehlinformationen“ richtiggestellt. „Es ist uns gelungen, viele Sorgen zu entkräften und Ängste zu nehmen. Natürlich ist das Vertrauen noch nicht komplett zurückgewonnen. Das wird uns nur gelingen, wenn wir das Gesetz unbürokratisch umsetzen.“

Und sie verspricht den Landwirten, dass auch die Verbraucher ihren Beitrag für mehr Artenschutz leisten müssen. Etwa beim umstrittenen Einsatz von Glyphosat. „Die Bauernschaft wird extrem an den Pranger gestellt, wenn Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Auf der anderen Seite wird für Privatgärten Roundup im Baumarkt gekauft – und zwar ohne Begrenzung und ohne Sachkundenachweis. Das kann doch nicht richtig sein.“ Im Gespräch mit Garten- und Landschaftsbauverbänden will Kaniber hier Änderungen durchsetzen und einen verpflichtenden Sachkundenachweis einführen. Entscheidend, betont die CSU-Ministerin, sei ein gesamtheitlicher Ansatz: „Die Bauernschaft allein wird das Artensterben nicht aufhalten.“

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07.06.2019

Wie armselig ist den diese Ministerin, bei den paar Litern Gift, die privat verbraucht werden will man anfangen, sie sollten mal den Unsinn verbieten, das Getreide und die Kartoffel vor der Ernte zu spritzen, dann ist das Gift auch nicht mehr in den Lebensmitteln vorhanden. Diese Maßnahme ist so, wie die Plastikhalme zu verbieten, mit dem kleinsten Nenner fängt man an, um die Masse zu beruhigen.

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07.06.2019

"Glyphosat: Agrarministerin Kaniber will Verbraucher in die Pflicht nehmen"
Um ein Signal zu setzen fängt sie damit beim kaum nennenswerten privaten Einsatz an - die tatsächlichen Großverbraucher bleiben außen vor, sie haben anscheinend alle die Lizenz dafür bzw. den Sachkundenachweis in der Tasche! Unglaublich, für wie dumm man ein Volk verkaufen kann oder es zumindest tagtäglich versucht.

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07.06.2019

"Unglaublich, für wie dumm man ein Volk verkaufen kann oder es zumindest tagtäglich versucht."

Die Bundesverbraucherschutzministerin dreht ein Werbevideo mit dem Deutschland-Boss des größten Nahrungsmittelkonzerns der Erde. Die Bayerische Staatsministerin für Ernährung knickt vor der Agrarlobby ein - ihr Parteikollege im Verkehrsministerium vor den Autobossen.
Kein Wunder und sehr nachvollziehbar, dass sich immer mehr Wähler auch von den noch ein klein wenig größeren Unionsparteien mit Grausen abwenden.

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