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30 Jahre Kaltenberger Ritterspiele

29.06.2009

Am Anfang stand Erni Singerl auf der Bühne

Die Kaltenberger Ritterspiele feiern ihr 30-jähriges Bestehen
Bild: dpa

Eigentlich war Bier daran schuld, dass sich Luitpold Prinz von Bayern seinen Kindheitstraum, ein Mittelalterfest mit Ritterturnier, erfüllen konnte. Bier, das der Prinz jedoch nicht konsumierte, sondern braute und verkaufte - und zwar nach England. Von Dieter Schöndorfer

Kaltenberg Eigentlich war Bier daran schuld, dass sich Luitpold Prinz von Bayern seinen Kindheitstraum, ein Mittelalterfest mit Ritterturnier, erfüllen konnte. Bier, das der Prinz jedoch nicht konsumierte, sondern braute und verkaufte - und zwar nach England. Die Briten waren begeistert vom "Royal Kaltenberg - Brewed by a Prince, fit for a King."

Bei einer Besprechung 1976 in London stieß Prinz Luitpold im Burggraben des Towers auf ein besonderes Spektakel: Dort wurde die Geschichte des legendären Königs Henry VIII. samt mittelalterlichen Schwertkämpfen inszeniert.

Inzwischen ist der Traum längst Wirklichkeit geworden, das Kaltenberger Ritterturnier 30 Jahre alt und eines der weltweit größten und bekanntesten Mittelalterevents.

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Zunächst dauerte es aber noch bis zum 15. Juni 1980, bis Prinz Luitpold und seine Gemahlin Beatrix hoch zu Ross auf dem Turnierplatz in Kaltenberg, einer ordinären Wiese, einzogen und das erste Ritterturnier eröffneten.

16 englische Ritter waren von der Insel gekommen, der Hauptdarsteller hörte auf den klangvollen Namen Max Diamond. Beeindruckend damals der Darsteller von Henry VIII. - allerdings nicht aufgrund seiner schauspielerischen Leistung, sondern wegen seiner 130 Kilo Lebendgewicht, die er mit ganzer Vehemenz ins Schlachtgetümmel zu werfen verstand.

Das Gauklerprogramm, das inzwischen eine eigene und vor allem große Fangemeinde besitzt, bestand damals aus einem Geige spielenden Hofnarren und einem Fanfarenzug. Und dennoch wurden alle vom Besucherandrang überrascht: "Wir hatten mit ein paar Hundert Gästen gerechnet. Auf über 5000 Besucher am Tag waren wir nicht vorbereitet", erinnert sich Prinz Luitpold. Diese aber freuten sich unter anderem über einen Auftritt von Erni Singerl im Bierzelt, die dort zusammen mit Rittern und der örtlichen Blasmusikkapelle agierte. Das Kaltenberger Ritterturnier war geboren und entwickelte sich über drei Jahrzehnte hin bis zur heutigen, hochprofessionellen Mittelalterschau.

Zufälle führten meist zu einschneidenden Veränderungen. So gerieten sich zwei der englischen Ritter wegen eines Edelfräuleins ernsthaft in die Haare. Der Streit eskalierte, einer lobte sogar 500 Pfund aus für denjenigen, der seinen Kontrahenten im Turnier unsportlich aus dem Sattel stoßen würde.

Der Bogen war überspannt, der Bayernprinz schickte die Briten heim und verpflichtete von nun an französische Ritter, "die einfach die besten Pferdestuntmen ausbilden". Zufrieden war und ist der Hausherr auf Schloss Kaltenberg aber eigentlich nie. Doch seine Unzufriedenheit, so ein Mitarbeiter, sei die Triebfeder, die das Turnier auch in die nächsten Jahrzehnte führen wird.

Längst ist die ehemalige Wiese in Hanglage einer 10.000 Zuschauer fassenden Arena mit überdachter Tribüne gewichen, über 80.000 Teilnehmer (Darsteller, Händler, Gaukler) begleiteten bislang 2,3 Millionen Besucher auf ihrer Reise in die Vergangenheit. Über 400 Händler in 100 Markt- und Handwerkerständen verwandeln das inzwischen 140.000 Quadratmeter große Gelände in eine mittelalterliche Stadt voller Mystik und Romantik.

Modernste Technik aber sorgt kaum wahrnehmbar dafür, dass sich die Besucher auch ab kommenden Freitag aufgrund der Spezialeffekte die Augen reiben werden, wenn vielleicht - wie geschehen - plötzlich ein Elefant auftaucht (1982) oder aber ein Weißkopfseeadler sich unverhofft auf den Schweinebraten eines Gastes stürzt.

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