Newsticker

Bayreuther Festspiele finden in diesem Jahr nicht statt - erste deutsche Stadt will Maskenpflicht einführen
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Antworten auf Leserfragen: Darf trotz Corona-Krise ein Handwerker in meine Wohnung kommen?

Covid-19-Pandemie

29.03.2020

Antworten auf Leserfragen: Darf trotz Corona-Krise ein Handwerker in meine Wohnung kommen?

Handwerker dürfen in der Corona-Krise weiter arbeiten und dafür auch Wohnungen betreten. Aber generell gilt: Was sich verschieben lässt, sollte verschoben werden.
Bild: Ole Spata (dpa)

In Bayern gelten strikte Ausgangsbeschränkungen. Aber wie sieht das im Einzelfall aus? Und welche Ausnahmen gibt es? Wir beantworten hier die häufigsten Leserfragen.

Seit dem 21. März gelten in Bayern umfangreiche Ausgangsbeschränkungen. Der Tenor: Wenn möglich, drin bleiben. Was auf den ersten Blick klar klingt, wird bei der Umsetzung im eigenen Leben häufig kompliziert. Leser haben uns Fragen gestellt und wir haben Antworten darauf recherchiert. Den Wortlaut der Allgemeinverfügung finden Sie auf der Internetseite der Bayerischen Staatskanzlei.

Vorab: In der Allgemeinverfügung wird als Regelfall verordnet, dass Menschen zu Hause in ihrer Wohnung bleiben müssen. Nur in Ausnahmefällen gilt etwas anderes. Das Gesundheitsministerium hat in der Verfügung einige dieser Fälle aufgezählt und vorabgeschickt, dass "insbesondere" in diesen Fällen eine Ausnahme vorliegt. Die Aufzählung ist somit nicht abschließend, in ähnlich gelagerten Fällen können auch Ausnahmen zugelassen werden, die nicht genannt sind. Das liegt im Ermessen der Behörden und Beamten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Darf ich meinen Partner noch sehen, auch wenn ich eine Fernbeziehung führe?

Ja. Die Allgemeinverfügung nennt explizit, dass beim Besuch von Lebenspartnern ein Ausnahmefall vorliegt (Nr. 5d). Seinen Partner darf man damit auch weiterhin noch besuchen. Gleiches gilt für Besuche bei Alten, Kranken oder behinderten Menschen, sofern sie nicht in Einrichtungen leben.

Dürfen getrennt lebenden Eltern mit Umgangsrecht weiterhin beide das Kind sehen?

Ja. Auch hier liegt ein "triftiger Grund" vor, für den man die Wohnung verlassen darf. Die Allgemeinverfügung erkennt "die Wahrnehmung des Sorgerechts im jeweiligen privaten Bereich" aus Ausnahme an (Nr. 5d).

Darf ich meine Familie noch besuchen?

Nicht in jedem Fall. Weiter sehen darf man Familiengehörige, mit denen man zusammenlebt, Lebenspartner, Alte, Kranke und unterstützungsbedürftige Personen und Kinder (Nr. 5 d, e). Die Begleitung Sterbender im Krankenhaus und Beerdigungen sind nur im "engsten Familienkreis" zulässig (Nr. 5 f). Der einfache Besuch bei erwachsenen Kindern oder Eltern, die nicht betreut werden müssen, soll laut Staatsregierung "gut überlegt" werden. Ausnahmen können im Einzelfall im Ermessen der Behörden liegen, wenn ein besonderer Bedarf glaubhaft gemacht wird.

Darf ich Freunde in deren Wohnung besuchen?

Nein, ein Besuch um des Besuchs willen stellt keinen triftigen Grund da.

Darf ich während der Corona-Krise umziehen?

Ein Umzug ist nicht ausdrücklich als triftiger Grund, die Wohnung zu verlassen, aufgezählt. Es liegt damit im Ermessen der zuständigen Behörden, ob sie einen Umzug als triftigen Grund zulassen. Ob sie das tun, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Im Zweifel hilft ein Anruf bei der zuständigen Gemeinde oder dem Ordnungsamt.

"Umzugsunternehmen dürfen ihre Arbeit machen", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Samstagmorgen dem Radiosender Antenne Bayern. Aber die Leute sollten jetzt nicht ihre ganze Familie zusammentrommeln. Auch Zwangsräumungen "muss man halt dann machen". Darüber hinaus gelte für Handwerker, dass sie ihrer Arbeit nachgehen können.

Darf ich während der Corona-Krise Fahrgemeinschaften bilden?

Für die Art und Weise, wie man die Arbeit erreicht, macht die Verfügung keine Vorgaben. Allerdings gilt die Maxime, den Kontakt zu Menschen, mit denen man nicht zusammenwohnt, so weit wie möglich herunterzufahren (Nr. 1). Dazu ist man aber nur "angehalten", ein Verstoß führt damit wohl regelmäßig nicht zu einem Bußgeld. Dennoch gilt: Wer alleine unterwegs sein kann, der sollte das auch tun.

Darf ich noch in meinen Schrebergarten?

Kleingärtner dürfen, so steht es im FAQ-Bereich auf der Website der Bayerischen Staatskanzlei, ihren Schrebergarten nur gemeinsam mit Angehörigen des eigenen Hausstands weiterhin nutzen. Hingegen ist es nicht erlaubt, Freunde und Nachbarn zu einem geselligen Zusammensitzen einzuladen. Dies fällt unter die untersagte "Gruppenbildung". Für das Gespräch über den Gartenzaun mit anderen Kleingartenbesitzern gilt, dass der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden muss. Der Weg zum Kleingarten darf ebenfalls nur alleine oder mit Personen, mit denen man ohnehin zusammenwohnt, angetreten werden.

Darf ich noch zum Fischen gehen?

Sport und Bewegung an der frischen Luft bleiben erlaubt, sofern man es alleine oder mit Menschen, mit denen man zusammenwohnt, macht. Es darf nicht zu Gruppenbildungen kommen (Nr. 5 g).

Darf ich mit dem Auto zum Joggen fahren?

Das ist erlaubt. Das hat Innenminister Joachim Herrmann in der Pressekonferenz bestätigt. Rein rechtlich wären auch Wanderungen oder Skitouren in den Bergen noch in Ordnung - schließlich ist man dabei häufig alleine. Die Bergwacht ruft dennoch dazu auf, das in den nächsten Wochen sein zu lassen. Wer sich bei einer Bergtour verletze, müsse von der Bergwacht gerettet werden. Falls der Gerettete dazu noch (unentdeckt) infiziert war, müssen die Retter daraufhin in Quarantäne - was schnell zu Personalengpässen führen kann. "Der Berg rennt nicht weg", schreibt die Bergwacht in einer Mitteilung.

Dürfen Handwerker noch Wohnungen betreten?

Handwerker dürfen weiter arbeiten und dafür auch Wohnungen betreten. Das betonte Staatskanzlei-Chef Herrmann. Aber generell gelte: Was sich verschieben lässt, sollte verschoben werden. Das gilt erst recht, wenn ein Haushaltsmitglied Symptome zeigt, selbst wenn es nur leichte sind.

Kann ich mein Auto noch in die Werkstatt oder zum TÜV bringen?

Autowerkstätten dürfen weiter geöffnet bleiben, damit ist auch eine Hauptuntersuchung möglich. Der TÜV hatte zwischenzeitlich die Abnahme praktischer Fahrprüfungen eingestellt, hat diese aber mittlerweile wieder aufgenommen. Dort kann eine Hauptuntersuchung also durchgeführt werden (mehr dazu).
Einige Kfz-Werkstätten haben den Betrieb vorübergehend eingestellt, darunter die Kette A.T.U., die nur in wenigen Filialen im Notbetrieb arbeitet.

Grundsätzlich gilt: Um Autofahrer in der Corona-Krise zu entlasten, bekommen sie für die Erneuerung der TÜV-Plakette vorübergehend mehr Zeit. Die Frist für die Überziehung ist am 28. März von zwei auf vier Monate verlängert worden.

Wer betreut meine Kinder, wenn ich alleinerziehend bin und Home Office nicht möglich ist?

Eine Notfallbetreuungen gibt es nur für Kinder, deren Eltern in systemkritischen Berufen arbeiten. Alle anderen müssen Lösungen im privaten Umfeld finden. Private Betreuungsgruppen sollten dabei nicht gebildet werden, auch sollten die Kinder nicht zu Risikopersonen, also zu alten und vorerkrankten Menschen. Das Familienministerium empfiehlt, eine einvernehmliche Lösung mit dem Arbeitgeber zu finden. So seien in vielen Fällen vielleicht doch Home Office oder eine vorübergehende Arbeitsreduzierung möglich (mehr dazu).

Darf ich weiter an meinem Eigenheim arbeiten, das ich gerade baue?

Die Allgemeinverfügung nennt diesen Fall nicht. Ob sie diesen Fall zulassen möchten, steht damit im Ermessen der Behörden. Auch hier gilt: Was sich aufschieben lässt, sollte aufgeschoben werden. Mit anderen Menschen sollte man beim Bau wenn möglich keinen Kontakt haben. Handwerker dürfen weiter auf der Baustelle arbeiten.

Darf ich trotz der Coronakrise noch mit dem Motorrad fahren?

Das Bayerische Innenministerium schreibt dazu auf seiner Webseite: "Sport, Spazieren gehen und Bewegung an der frischen Luft sind gestattet. Allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung. Bitte halten Sie Abstand. Das bedeutet nicht, dass es erlaubt ist, mit dem PKW oder dem Motorrad private Spritztouren zu unternehmen." Politik und Polizei appellieren an die Vernunft der Biker. Sie mögen die nächste Zeit doch auf Spritztouren verzichten. Fahrten zum Einkaufen, Arzt oder Arbeiten sind davon nicht betroffen.

Schließlich haben Intensivstationen der Krankenhäuser bereits jetzt alle Hände voll mit Corona-Patienten zu tun. Die Lage in den Hospitälern wird sich die nächsten Tage nicht verbessern, sondern eher verschlechtern. In der vergangenen Woche verunglückten zahlreiche Motorradfahrer schwer. Sie belegen damit Betten, die während der Corona-Krise dringend für infizierte Patienten benötigt werden.

Darf ich auf den Friedhof gehen, auch wenn ich dorthin mit dem Auto fahren muss?

Ja, der Friedhofsbesuch ist laut Bayerischem Innenministerium gestattet. Allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung. Der Abstand zu anderen Menschen soll 1,5 Meter betragen.

Es ist davon auszugehen, dass die Behörden die Fahrt zu einer nahegelegenen Ruhestätte gestatten. Anders dürfte es sich bei Friedhöfen verhalten, die sehr weit vom Wohnort entfernt liegen. Ist es wirklich nötig, in diesen schweren Zeiten das Grab aufzusuchen oder lässt sich der Besuch auf einen unproblematischeren Zeitpunkt verschieben? Das Bayerische Innenministerium schreibt dazu: "Unter dem Aspekt des Gemeinwohls möchten wir Sie bitten, zu Hause zu bleiben bzw. Bewegung an der frischeren Luft in der unmittelbaren näheren Umgebung durchzuführen."

Darf ich Freunden und Familie noch Dinge vorbei bringen, die sie brauchen?

Das ist nach Info des Innenministeriums nur angezeigt, wenn die Eltern, Freunde oder Kinder Unterstützung nötig haben. Nur dann stellt ein Besuch zur Versorgung einen "triftigen Grund" dar. Es liegt damit im Ermessen der Behörden, ob sie jemanden anzeigen möchten, wer nur eine Bohrmaschine ausliehen will oder privat Brennholz vorbei bringt und das auch anders möglich wäre.

Ergreift die Regierung bereits zusätzliche Schutzmaßnahmen?

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat in einer Pressekonferenz angekündigt, dass man Desinfektionsmittel herstellen oder beschaffen wolle, um wenn möglich etwa Einkaufswagen zu desinfizieren. Bereits umgesetzt wird die eigene Herstellung von Atemschutzmasken für medizinisches Personal. (mst-)

Die Pressekonferenz, in der die Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden und auf fragen eingegangen wurde, können Sie sich hier ansehen.

Wir werden weiterhin die Antworten auf einzelne Leserfragen rund um die Ausgangsbeschränkungen recherchieren. Allerdings weisen wir darauf hin, dass wir nicht alle Fragen beantworten können.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren