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Reinhard Nemetz

13.05.2014

Augsburger Oberstaatsanwalt zieht es mit 63 Jahren nach München

Reinhard Nemetz will Münchner Amtsgerichtspräsident werden.
Bild: Jörg Schöllhorn

Augsburgs Leitender Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz will an die Spitze des größten deutschen Amtsgerichts in München. Zuletzt war er wegen des Falls Gurlitt in die Kritik geraten.

Augsburgs Leitenden Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz kennt man vor allem so: Umringt von Kameras und Mikrofonen, mittendrin im Blitzlichtgewitter, knurrig die Fragen der Journalisten beantwortend. Mehr als jeder andere ist Nemetz das Gesicht der Augsburger Justiz. Etliche spektakuläre Strafverfahren haben ihn bundesweit bekannt gemacht. Ein hartnäckiger Strafverfolger.

Doch jetzt, im Herbst seiner Karriere bei der bayerischen Justiz, zaubert der Chefankläger noch einmal eine Überraschung hervor. Der 63-Jährige will Präsident des Amtsgerichts München werden. „Ich habe mich beworben“, bestätigt Nemetz auf Anfrage unserer Zeitung. Und alles spricht dafür, dass er diesen Posten auch bekommt.

Hartnäckiger Strafverfolger und ausgezeichneter Jurist

Seit 15 Jahren leitet Nemetz die Augsburger Staatsanwaltschaft. An die Spitze der Behörde rückte er im Jahr 1999, nachdem sein Vorgänger und enger Vertrauter Jörg Hillinger bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. In all den Jahren hat er sich den Ruf eines sehr hartnäckigen Strafverfolgers und ausgezeichneten Juristen erworben. Nemetz ist bekannt dafür, dass er ohne Ansehen der Person ermittelt. Auch mit „politisch“ heiklen Fällen wie der Anklage gegen Politikersohn Max Strauß oder dem Prozess gegen Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls ging er souverän und sachlich um.

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Den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber jagte Nemetz mehr als zehn Jahre lang. Als der dann im August 2009 von Kanada nach Deutschland ausgeliefert wurde und der Chefermittler gefragt wurde, ob er sich jetzt freue, sagte er: „Ich werde nicht für Emotionen bezahlt.“ Das ist einer dieser typischen Nemetz-Sätze.

Der strenge Ankläger hat aber auch ein ganz anderes Gesicht. Er ist durchaus auch feinfühlig, und es belastet ihn trotz aller Professionalität, wenn er mit schrecklichen Verbrechen konfrontiert wird. Morde, bei denen Kinder die Opfer sind, gehen ihm nahe. Fälle wie Ursula Herrmann, die in einer Kiste erstickte, oder die kleine Vanessa aus Gersthofen, die in ihrem Bett erstochen wurde. Solche Fälle vergisst er nie.

Zuletzt ist Nemetz in die Kritik geraten

Nun will Nemetz also Amtsgerichtspräsident in München werden. Der Posten wird zum 1. Juli frei. Für den 63-Jährigen wäre es noch einmal ein Karrieresprung, der auch mit einer zwei Stufen höheren Besoldung verbunden wäre. Das Amtsgericht München ist mit fast 1300 Beschäftigten, darunter mehr als 210 Richter, das größte in Deutschland. „Das reizt mich ungemein“, sagt Nemetz, „auch wenn ich in Augsburg immer sehr glücklich war.“

Zuletzt war die Augsburger Staatsanwaltschaft jedoch stark in die Kritik geraten, zum Beispiel wegen des Falls Gurlitt. Oder wegen des Verdachts, man habe tausende Ärzte straffrei ziehen lassen. Ist es ein „Wegloben“? Dagegen spricht, dass Nemetz sich selbst für die Position beworben hat. Und wer Nemetz’ Beharrlichkeit kennt, kann sich kaum vorstellen, dass er dies getan hätte, ohne es zu wollen.

Justizminister Winfried Bausback hat den Augsburger vorgeschlagen. Es gibt keinen Gegenkandidaten. Kommende Woche tagt nach Informationen unserer Zeitung der Präsidialrat der bayerischen Justiz. Er könnte zwar einen Gegenvorschlag machen, folgt in der Regel aber den Empfehlungen des Ministers.

Die Münchner würde dann ein Chef erwarten, der viel von seinen Leuten fordert. Der sich aber auch schützend vor sie stellt, wenn es sein muss.

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