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Bayern
23.04.2014

G8, G8 plus - oder G9? So steht es im Streit ums Gymnasium

Kommt das neunjährige Gymnasium wieder, oder bleibt es beim G8? Wer entscheidet das - und wann? Fragen und Antworten zum bildungspolitischen Dauerstreit Nummer eins in Bayern.
Foto: Armin Weigel, dpa

Kommt das neunjährige Gymnasium wieder, oder bleibt es beim G8? Wer entscheidet das - und wann? Fragen und Antworten zum bildungspolitischen Dauerstreit Nummer eins in Bayern:

Der Streit ums G8 schwelt schon lange. Warum ist jetzt Bewegung in den festgefahrenen Streit gekommen?

Ein Hauptgrund dafür ist das Volksbegehren der Freien Wähler, das diese durchgesetzt haben - und das nun für den 3. bis 16. Juli terminiert ist. Das hat bei Ministerpräsident Horst Seehofer und bei anderen CSU-Politikern die Erkenntnis reifen lassen, dass ein kompromissloses Festhalten am bestehenden G8-System kaum mehr möglich ist. Zumal das Gymnasium seit der überstürzten Einführung des G8 nie wirklich zur Ruhe gekommen ist - und das neue Flexibilisierungsjahr in der Mittelstufe bisher bayernweit nur von 500 Schülern angenommen wird.

Gymnasium-Streit: Was wollen die Freien Wähler?

Ziel der Freien Wähler ist eine völlige Wahlfreiheit zwischen G8 und G9: Jedes Gymnasium soll selbst entscheiden dürfen, ob es nur acht- oder nur neunjährige Züge anbietet - oder beide Varianten parallel.

Und wie sind die Chancen, dass sie mit ihrem Volksbegehren Erfolg haben?

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Um einen Volksentscheid darüber zu erzwingen, müssten sich in den beiden Wochen im Juli zehn Prozent der stimmberechtigten Bürger in Unterschriftenlisten in den Rathäusern eintragen - rund 945 000. Ob das Quorum erreicht wird, ist fraglich. Denn anders als etwa beim Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren unterstützt niemand die Initiative der Freien Wähler - keine andere Partei, kein Verband.

Wie geht es dann - je nach Ausgang des Volksbegehrens - weiter?

Wenn das Quorum erreicht wird, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Landtag setzt das Anliegen der Initiatoren direkt und unverändert um - was mit Sicherheit nicht passieren wird. Andernfalls kommt es zum Volksentscheid - wobei der Landtag dann die Möglichkeit hat, auch einen Alternativ-Gesetzentwurf zur Abstimmung zu stellen. Das wäre in dem Fall so gut wie sicher, da auch die CSU Korrekturen am bestehenden System will. Zu solchen Korrekturen soll es auch kommen, wenn das Quorum nicht erreicht wird: Seehofer hat bereits mehrfach angekündigt, die Debatte über mögliche Veränderungen in jedem Fall weiter voranzutreiben. Auch Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betont, das G8 für alle sei überholt - das G9 für alle aber auch.

Aber was dann? Welche Varianten liegen bisher auf dem Tisch?

Unter anderem das Konzept des Bayerischen Philologenverbandes. Der hat sich klar positioniert: Der Verband, der die Gymnasiallehrer vertritt, will grundsätzlich wieder ein neunjähriges Gymnasium. Schüler sollen aber auf Wunsch weiter die Möglichkeit haben, das Abitur nach acht Jahren zu machen - indem sie die zehnte Klasse überspringen und vorher und nachher zusätzlich gefördert werden.

Was wäre noch möglich im Streit ums G8?

Die Direktorenvereinigung dagegen will grundsätzlich am G8 festhalten. Eltern sollen aber in der 7. Klasse entscheiden dürfen, ob ihr Kind die Mittelstufe in drei oder vier Jahren durchlaufen soll. Das wäre sozusagen eine Art G8 plus. Der Bayerische Elternverband wiederum warnte zuletzt vor einer bloßen Rückkehr zum G9 - räumte aber ein, dass laut Umfragen die große Mehrheit der Eltern ein G9 wolle.

Und was wollen die Schüler selbst?

Der Landesschülerrat, quasi das offizielle Sprachrohr der Schüler, hat sich klar positioniert: Er steht hinter dem Konzept des Philologenverbandes und fordert, dass das Gymnasium grundsätzlich wieder neun Jahre dauern soll - mit der Möglichkeit zum Überspringen einer Klasse. Denn "wirkliche Bildung" brauche ausreichend Zeit.

Wer entscheidet nun, wie es weitergeht? Und wann?

Letztlich entscheiden das Ministerpräsident Horst Seehofer, die Staatsregierung und die CSU - sie haben die absolute Mehrheit im Landtag. Dem vorausgehen soll aber - so betonte das Kultusministerium zuletzt noch einmal - ein "strukturierter, aber ergebnisoffener Gesprächsprozess mit der gesamten Schulfamilie und den anderen Landtagsfraktionen". Im Landtag wird es am 5. Juni eine ausführliche Expertenanhörung geben - mit Lehrern, Eltern, Schülern und mehreren Bildungsforschern. Seehofer betont, erst ganz am Ende dieses breiten Dialogprozesses werde es "Festlegungen und Entscheidungen" geben. Wann dieser Zeitpunkt ist, ist noch unklar. Der Ministerpräsident will sich vom Volksbegehren der Freien Wähler jedenfalls zeitlich nicht unter Druck setzen lassen. Er hatte andererseits aber kürzlich auch schon angekündigt, bis zur Sommerpause solle ein Konzept stehen.

Wann würde sich dann konkret etwas an den Schulen ändern?

Frühestens zum übernächsten Schuljahr 2015/16. Änderungen für das laufende oder das kommende Schuljahr hat Seehofer ausgeschlossen. AZ, dpa

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