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Inventur

11.08.2017

Bayerns Bäume im Blick

Die Förster Alexandra Wauer (links) und Franz Etschmann inspizieren in einem Wald bei Wildpoldsried Baumkronen. Wauer leitet die Inventur für die jährliche Waldzustandserhebung in Bayern.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

29 Förster untersuchen derzeit den Zustand der Wälder im Freistaat. Warme Sommer haben den Bestand erheblich geschwächt. Ob es künftig besser wird, ist fraglich

Zuerst ist das Gebüsch zu dicht und der Himmel zu schattig. Die Förster Alexandra Wauer und Franz Etschmann klettern weiter über den hügeligen Moosboden in einem Wald im Allgäu bei Wildpoldsried – dann haben sie endlich gute Sicht auf den ersten Baum.

„Es gibt erste Ansätze von Auflichtungen und kleinere Löcher – die Baumkrone ist nicht mehr so dicht wie bei einer gesunden Buche“, sagt Etschmann nach der Begutachtung. Damit ist die Buche relativ glimpflich davongekommen, vielen Bäumen in Bayerns Wäldern ging es zuletzt noch schlechter. Wauer leitet die Inventur für die jährliche Waldzustandserhebung in Bayern. Derzeit prüft sie mit 29 Förstern, ob sich die Bäume vom Hitzesommer 2015 erholt haben. An mehr als 250 Punkten quer durch Bayerns Wälder protokollieren die Förster den Nadel- oder Blattverlust von jeweils mindestens 24 Bäumen. Die Ergebnisse werden im Herbst dem Landtag vorgestellt.

Die steigenden Temperaturen setzen vielen Waldbäumen zu, warnt der Bund Naturschutz in Bayern. An die Klimaerwärmung und mehr Extremereignisse sind sie nicht angepasst, etwa die in Franken vorherrschenden Kiefern und Fichten, die an ein kühles Klima gewöhnt sind. Die Fichte – mit 44 Prozent die häufigste Baumart in Bayerns Wäldern – ist ein Flachwurzler und reicht damit nicht ans Grundwasser. Sickert nicht genügend Wasser in die oberen Bodenschichten, bekommt sie nicht ausreichend Nährstoffe. Vor allem in Mittelfranken haben die Fichten 2016 erheblich unter der Hitze gelitten. Doch auch andere Bäume sind betroffen. 2016 lag der Anteil deutlich geschädigter Waldbäume, die mehr als ein Viertel ihrer Blätter oder Nadeln verloren haben, nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums bayernweit bei 31,9 Prozent. Das waren 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Warm-trockene Jahre wie 2003 oder 2015 sind Vorboten auf das, was uns im Klimawandel vermehrt erwarten könnte“, sagt Wolfgang Falk von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Wird es wärmer, können sich Schädlinge besser verbreiten. Die LWF warnt vor einer Massenvermehrung des Borkenkäfers. Die Insekten ernähren sich von der Rindenfaser und durchtrennen so die Saftbahn des Baumes. Auch der Eichenprozessionsspinner und die Mistel könnten zu größeren Problemen für die Bäume werden. Die Raupe des Eichenprozessionsspinners frisst die Blätter kahl. Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, der sich von seinem Wirt ernährt. „Gibt es in den nächsten Jahren weiter warme Sommer, könnten die sich gut vermehren“, sagt Wauer.

Laut Falk kann man den Wäldern Gutes tun, um sie auf Veränderungen vorzubereiten. Gut wäre ein langsamer Wandel weg von Nadelholzforsten hin zu Mischwäldern. Nach Meinung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) müssten 260000 Hektar Wald in Bayern mit klimatoleranten Baumarten angereichert werden. Auf mindestens 50000 Hektar sei das schon gelungen. Ziel ist es also, in die Wälder Baumarten zu mischen, die besser mit einem wärmeren Klima umgehen können. Dazu gehören die Buche oder die Eiche – allerdings seien die Baumempfehlungen von Region zu Region unterschiedlich, sagt Falk. Die Forstverwaltung berät Waldbesitzer bei der Anpassung ihrer Wälder an den Klimawandel, unter anderem mit Anbau-Risikokarten im Internet. Vielleicht können dann künftig auch Förster wie Wauer und Etschmann den Blick wieder häufiger auf gesunde Baumkronen richten.

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