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Bildung
12.07.2017

Experten warnen: Schüler-Boom wird zum Problem

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung sagt deutlich steigende Schülerzahlen voraus - und damit verbundene Probleme.
Foto: Peter Steffen, dpa

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung prophezeit Schulen enorme Probleme. Was Lehrer in Bayern fordern und wie der Kultusminister darauf reagiert.

Zu wenige Lehrer, immer mehr Schüler und überfüllte Schulen – droht dem deutschen Schulsystem in den kommenden Jahren der Kollaps? Diesen Schluss legt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung nahe, die der Bundesrepublik einen massiven Zuwachs der Schülerzahlen und ebenso große Probleme prophezeit. Den Berechnungen der Forscher zufolge wird die Zahl der Schüler von jetzt rund acht Millionen bis zum Jahr 2025 auf rund 8,3 Millionen steigen – die Kultusministerkonferenz geht dagegen bislang von einem Rückgang auf 7,2 Millionen aus.

Die Wissenschaftler aus Gütersloh machen steigende Geburtenraten und den Flüchtlingszustrom für das Wachstum verantwortlich. Für die Studie haben sie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die sogenannte Milupa-Geburtenliste – der Babynahrungshersteller verfügt über Zahlen aus allen deutschen Geburtsstationen – ausgewertet. „Mit diesem Schüler-Boom hat kaum jemand gerechnet. Jetzt besteht enormer Handlungsdruck. Viele Bundesländer müssen komplett umdenken“, sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Denn: Nach Ansicht der Forscher droht den Bundesländern ein eklatanter Mangel an Lehrern und Klassenzimmern.

Allein an den Grundschulen würden – geht man von gleichbleibenden Klassengrößen aus – im Jahr 2025 insgesamt 24110 Lehrer. Zudem würden in acht Jahren fast 2400 Schulen mehr benötigt als heute. Die Stiftung geht bundesweit von zusätzlichen Bildungsausgaben in Höhe von rund 4,7 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 aus.

Wie sieht es konkret in Bayern aus?

Wie es konkret in Bayern aussieht, darüber gibt die Studie keine Auskunft. Wohl aber Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbandes: „Es brennt lichterloh, wir brauchen dringend mehr Personal“, forderte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei der Diskussion über nackte Zahlen dürfe man zudem die Qualität der Bildung nicht vergessen. In den vergangenen Jahren seien – von Integration über Inklusion bis hin zur Digitalisierung – zahlreiche Zusatzaufgaben auf die Lehrer zugekommen.

Angesichts des schon jetzt bestehenden Lehrermangels, insbesondere an Grund- und Mittelschulen, spricht sie von einer „Flickschusterei“ in der Bildungspolitik. Löcher würden gestopft, indem Quereinsteiger ohne pädagogische Ausbildung, Studenten oder Pensionäre als Lehrer eingesetzt würden. „Solche Notmaßnahmen dürfen nicht die Dauerlösung sein“, sagt Fleischmann, befürchtet aber genau das.

Am Freitag wird in Bayern die sogenannte Staatsnote für Grund- und Mittelschulen bekannt gegeben, also der Notendurchschnitt, mit dem Lehramtsanwärter auf eine Beamtenstelle hoffen dürfen. Bei den Grundschulen lag dieser 2016 bei 3,5. „Das wird auch dieses Jahr wieder so sein. Wir nehmen jeden“, prophezeit Fleischmann.

Im bayerischen Kultusministerium reagierte man am Mittwoch nüchtern auf die Erkenntnisse der Bertelsmann-Stifung, die „aktuell, aber nicht gänzlich neu“ seien. Das Ministerium erstelle jährlich eigene Schüler- und Lehrerbedarfsprognosen und reagiere darauf. Die Schulen würden dann „entsprechend mit Lehrkräften versorgt“ und die Kommunen beim Bau von Klassenräumen finanziell unterstützt.

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12.07.2017

(Verstoß NUB 7.2/edit)