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Bistum Augsburg
28.10.2021

Augsburgs Bischof Bertram Meier feuert drei hochrangige Mitarbeiter

Augsburgs Bischof Bertram Meier griff nun durch.
Foto: Marcus Merk (Archivbild)

Bertram Meier hat "mit sofortiger Wirkung" drei Führungskräfte freigestellt. Es soll mutmaßlich um den fragwürdigen Umgang mit Mitarbeitern sowie mit Kirchensteuermitteln gehen.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat drei leitende Mitarbeiter vorübergehend von ihren Aufgaben entbunden. Das erklärte das katholische Bistum am Mittwochabend auf seiner Homepage. Die Freistellung erfolgte demnach mit „sofortiger Wirkung“. Im Zusammenhang mit der Einführung eines Compliance Management Systems habe es Anlass gegeben, „bestimmten Informationen von Hinweisgebern nachzugehen, auch unter Mitwirkung von externen Experten, und eine interne Untersuchung einzuleiten“. Genauer wollte sich das Bistum am Donnerstag dazu nicht äußern.

Ein Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstagmittag auf Anfrage: „Im Hinblick auf die Pressemitteilung des Bistums ist der Staatsanwaltschaft Augsburg bislang kein entsprechender Sachverhalt bekannt.“

Nach Informationen unserer Redaktion soll es mutmaßlich um den fragwürdigen Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit Kirchensteuermitteln gehen. Von Betrugsvorwürfen und Demütigungen, einem teils katastrophalen Arbeitsklima, ist zu hören.

Das Bistum vertraut auf ein spezielles Abwehrsystem - ähnlich wie in einem Wirtschaftsunternehmen

Bekannt wurden die Vorwürfe der Bistumsleitung offensichtlich durch ein vor nicht allzu langer Zeit eingeführtes Compliance Management System, das man als Bündel von Maßnahmen beschreiben könnte, die eine Organisation trifft, um sich regelkonform zu verhalten – in gesetzlicher, ethischer und interner Hinsicht. (Neue) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden darauf aufmerksam gemacht – etwa in einer Informationsbroschüre, in der die Kontaktdaten der Compliance-Beauftragten aufgeführt sind. An sie kann man sich bei Verdachtsfällen wenden.

In seinem „Bericht zum Jahr 2020“ erklärte das Bistum Augsburg umfassend, was es unter einer guten Unternehmensführung versteht – und wie es diese strukturell sicherstellt. Als kirchliche Organisation erhebe es den Anspruch hoher Standards der Organisationsführung, Aufsicht und Kontrolle an sich, insbesondere mit Blick auf die Kirchensteuer. So habe man eine Aufbauorganisation der Verwaltung auf „Basis des Kirchenrechts und der Anforderungen an eine Good Governance“ wie in Unternehmen, hieß es.

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Konkret gibt es drei „Abwehrlinien“, die Risiken ausmachen und Kontrollinstrumente erarbeiten sollen. Auf diese Weise soll Verstößen – etwa in der Mitarbeiterführung oder im Umgang mit Bistumsgeldern – vorgebeugt beziehungsweise schnell auf sie reagiert werden. Neben dem Compliance Management System zählen zur „Abwehr“ ein internes Kontrollsystem und die interne Revision.

Nach Informationen unserer Redaktion hat dieses System nun gegriffen: Vorwürfe wurden also intern weitergegeben und externe Anwälte mit einer ersten Prüfung beauftragt. Inwiefern sich die Vorwürfe gegen die leitenden, teils überaus hochrangigen Mitarbeiter tatsächlich als arbeits- oder strafrechtlich relevant erweisen könnten, ist zu diesem frühen Zeitpunkt noch unklar.

Unweigerlich werden Erinnerungen an den Finanzskandal im Bistum Eichstätt wach

Wie wichtig „weltliche“ Grundsätze der Unternehmensführung innerhalb der katholischen Kirche sind, zeigt allein der Blick auf die Bistumsfinanzen. Allein die Aufwendungen des Bistums Augsburg betrugen im Jahr 2020 mehr als 429 Millionen Euro. Die Mittel stammten zu rund 87 Prozent aus Kirchensteuern. Unweigerlich werden auch Erinnerungen an den Finanzskandal im Nachbarbistum Eichstätt wach, der 2018 publik wurde. Dabei ging es damals um dubiose Immobiliengeschäfte mit einem Gesamtvolumen von rund 60 Millionen US-Dollar und 31 fast ausnahmslos ungesicherte Darlehen für Bauprojekte in den USA. Dieser Fall führte zu Veränderungen von Sicherungsmechanismen und Strukturen innerhalb der katholischen Kirche.

Das Ausmaß der aktuellen Augsburger Verdachtsfälle scheint sich bei weitem nicht in diesen Dimensionen abzuspielen, ist aus Bistumskreisen zu hören – genauso wie entsetzte Reaktionen. Zugleich deutet die sofortige Freistellung der hochrangigen Mitarbeiter – die Diözese Augsburg gliedert sich verwaltungstechnisch in acht Hauptabteilungen – darauf hin, dass die Vorwürfe von einigem Gewicht sind.

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29.10.2021

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" .......... feuert drei hochrangige Mitarbeiter" (fetter Titel)

".......... drei Führungskräfte freigestellt"

" ...........drei leitende Mitabreiter vorübergehend von ihrer Aufgaben entbunden"

Drei Varianten in vier aufeinanderfolgenden Sätzen ......

Für welche dieser Varianten würden Sie, Herr Wirsching, sich nun in einigem
Abstand zur erstmaligen Publizierung letztendlich als sachgerechte Formu-
lierung entscheiden ??
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29.10.2021

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Bevor ein anderer "klug" daherkommt:
Richtig in Variante 3::
"Mitarbeiter" statt Mitabreiter"
.

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30.10.2021

Drei hochrangige Mitarbeiter wurden entlassen, das kommt in der freien Wirtschaft öfters vor, nur in der Kirche scheint es von den Medien zum Thema fürs "Volk" interessant gemacht zu werden. Bleibt abzuwarten was und wie das Arbeitsgericht entscheidet, vorausgesetzt, dass die göttlich "Abgefundenen" überhaupt klagen?

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