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Corona-Krise
11.11.2020

Neuer Corona-Hotspot in Bayern: Wie gut wirkt der Lockdown?

Corona-Tristesse in Berchtesgaden: In der Region galten strenge Ausgangsbeschränkungen. Die Infektionszahlen markierten einen traurigen Rekord.
Foto: Peter Kneffel, dpa (Symbolbild)

Vor allen anderen fuhr das Berchtesgadener Land das öffentliche Leben herunter. Nun zeigen sich erste Erfolge. Dafür tobt jetzt im Nachbarlandkreis das Virus wie nie zuvor.

Ungefähr drei Wochen ist es her, dass die gesamte Bundesrepublik auf das südliche Eck Bayerns blickte. Zahlreiche Medienvertreter und Journalisten reisten ins Berchtesgadener Land, um die Stimmung vor Ort einzufangen und mit den Betroffenen zu sprechen. Der Grund dafür: Der oberbayerische Landkreis verhängte für zwei Wochen einen lokalen Lockdown – als erster in Deutschland und zwei Wochen, bevor auch im restlichen Land das öffentliche Leben heruntergefahren wurde.

Haben die Maßnahmen ihre erhoffte Wirkung entfacht?

Und nun? Haben die Maßnahmen ihre erhoffte Wirkung entfacht? Nach Angaben des Landratsamtes in Bad Reichenhall ist die 7-Tage-Inzidenz – die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche – am Mittwochnachmittag auf 141,6 gesunken. Zum Hintergrund: Zu Spitzenzeiten Ende Oktober kletterte der Wert auf über 324 – eine Zahl, mit der der Landkreis bundesweit einen Negativrekord hielt und sich zeitweise zum Corona-Hotspot entwickelte. Nun hat sich die Situation also wieder ein bisschen entspannt: von über 300 auf 141,6 – das ist mehr als eine Halbierung innerhalb von drei Wochen. Es scheint, dass der Teil-Lockdown also tatsächlich funktioniert hat.

„Wir haben die Welle wohl gebrochen“, sagt Stefan Neiber, stellvertretender Sprecher des Landratsamtes Bad Reichenhall. „Angesichts der Zahlen liegt das auf der Hand. Es zeigt, dass die Leute mitgemacht und Beträchtliches geleistet haben.“ Das Engagement der Bürger zu loben, sei auch Landrat Bernhard Kern wichtig. Die Menschen im Berchtesgadener Land hätten sich mehrheitlich an die Regeln gehalten und die bittere Pille geschluckt. Sprecher Neiber ergänzt: „Die Menschen konnten jetzt sehen, dass ein Lockdown tatsächlich etwas bewirken kann.“

Ähnlich sieht das Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Am Beispiel des Berchtesgadener Landes zeige sich, dass die Maßnahmen wirkten, es brauche aber immer auch Geduld. „Es geht darum, dem Virus das Futter zu nehmen, das es benötigt: menschliche Kontakte“, sagte Herrmann.

Ein neuer Rekordwert an Corona-Neuinfektionen im Landkreis Traunstein

Anderswo sieht die Lage jedoch ganz anders aus – trotz der bundesweit verschärften Corona-Regeln. So meldete das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Mittwoch für den Landkreis Traunstein einen neuen Rekordwert von Neuinfektionen: eine Sieben-Tage-Inzidenz von 416,2 – der höchste bisher aus Bayern bekannt gewordene Wert. Das Landratsamt Traunstein nannte das Infektionsgeschehen „dynamisch, diffus und flächendeckend“. Landrat Siegfried Walch (CSU) sprach von einer „galoppierenden Aufwärtsbewegung“. Bereits am Vortag hatte die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche bei 377,9 gelegen. Walch sagte, das sei der „absolute Höchststand, den der Landkreis jemals zu verzeichnen hatte“. Als Gründe für die hohen Zahlen führte Walch unter anderem die geografische Lage an. Der Landkreis Traunstein sei von Hotspot-Gebieten umgeben gewesen oder noch umgeben, darunter das Berchtesgadener Land, Rosenheim und Salzburg. „Es war völlig klar, dass das auch zu uns rüberschwappt.“

Auch in der Stadt Augsburg, die ebenfalls schon vor dem Rest Deutschlands das öffentliche Leben heruntergefahren hatte, halten sich die in Zahlen messbaren Erfolge der Maßnahmen noch in Grenzen, lediglich eine leichte Tendenz nach unten ist zu erkennen. Lag die Sieben-Tage-Inzidenz vor einer Woche noch bei 350, meldete die Stadt am Mittwoch 324,8. (mit dpa)


Lesen Sie dazu auch: Ortsbesuch: Wie der Lockdown die Menschen im Berchtesgadener Land trifft

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11.11.2020

Jetzt wird eine 7-Tages-Inzidenz von 150 als großer Erfolg verkauft. Noch vor 3 Monaten wäre man bei einem solchen Wert in Schockstarre versunken. So schnell ändern sich die Maßstäbe.

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