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DSGVO
17.10.2018

Wegen Datenschutz: Gibt es bei uns bald Klingelschilder ohne Namen?

An vielen Wiener Wohnungen stehen künftig keine Namen mehr an den Klingeln. Ein Mieter hatte auf die Datenschutz-Grundverordnung verwiesen.
Foto: Sandra Baumberger (Symbolbild)

In Wien verlieren 220.000 Mieter ihre Namen an den Klingelschildern. Grund dafür ist die neue Datenschutz-Grundverordnung. Kann es auch in Bayern so weit kommen?

Es klingt wie ein Schildbürger-Streich: Ein einziger Mieter will in Wien nicht, dass sein Name auf der Türklingel steht, der Mann verweist auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die österreichische Hausverwaltung reagiert und prompt verschwinden nun an 220.000 Wohnungen die Namen an der Klingel. Müssen Vermieter in der gesamten EU nun nachziehen?

In Bayern führte noch keine Beschwerde zu solch drastischen Maßnahmen. Doch sollte sich das ändern, stünde nicht nur der Postbote vor einem Problem. Die Mitarbeiter der kommunalen Hausverwaltung "Wiener Wohnen" hatten sich nach der Beschwerde des Mieters bei der städtischen Abteilung für Datenschutzangelegenheiten erkundigt. Sie erhielten die Auskunft, dass die Verbindung von Nachname und Wohnungsnummer gegen die DSGVO verstößt. Ende des Jahres verschwinden die Namen also an den Klingelschildern. Zu sehen sind dann nur noch Nummern.

Bayerischer Datenschutzexperte bewertet den Vorfall anders

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht würde eine solche Klage anders bewerten. "Wir sehen keine Notwendigkeit, Klingelschilder zu anonymisieren", sagt Präsident Thomas Kranig. Er hält die Entscheidung in Wien für übertrieben. Seit die neue Datenschutz-Grundverordnung im Mai dieses Jahres in Kraft getreten ist, werde viel an überzogenem Blödsinn verbreitet, so Kranig. Gäbe es keine Namen mehr an den Klingelschildern, erschwere das zum Beispiel schon die gesamte Postzustellung.

Briefe und Pakete landen statt im Briefkasten dann möglicherweise in einer Sammelpoststelle. Das hieße, der Nachbar sieht, dass Post vom Arzt, Steuerberater oder Psychologen kommt. "Das ist datenschutzrechtlich noch viel bedenklicher", sagt der Experte.

Eine Anonymisierung ist im Einzelfall zu prüfen

Besteht jemand auf den Schutz seiner persönlichen Privatsphäre, sei das im Einzelfall zu prüfen, erklärt der Datenschutz-Experte. Möglich sei eine Anonymisierung, wenn ein Mieter einer Gefährdung ausgesetzt sei, im Zeugenschutzprogramm steckt oder prominent sei - "zum Beispiel bei Franz Beckenbauer."

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Grundsätzlich sei die DSGVO aber so pauschal formuliert, dass sich hieraus nicht fest ablesen lasse, dass die Namen nicht mehr an die Türklingel gehören. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Datenschutz brauchen Wohnbaugesellschaften also nicht befürchten, plötzlich alle Namen an den Wohnungen entfernen zu müssen.

Bei der Wohnbaugruppe Augsburg ging noch keine Beschwerde ein

Die Einführung der DSGVO stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen, auch die Wohnbaugesellschaften. Eine Beschwerde wie in Wien lief bei der Wohnbaugruppe Augsburg (WBG) bislang noch nicht ein. "Der Wegfall von Namen auf Klingelschildern ist ein besonderer Auswuchs, der so spontan nur schwer nachzuvollziehen ist" sagt Dominik Hoppe, Geschäftsführer der WBG. Sollte dennoch in Zukunft eine solche Klage einlaufen, würde die Wohnbaugruppe den Fall rechtlich bewerten lassen.

Hoppe hält das Recht eines Mieters auf ein anonymisiertes Klingelschild aber für unzureichend beleuchtet. "Wäre das anders, müssten wir für jede Wohnung anfragen, ob eine namentliche Benennung gewünscht wird oder nicht." Selbst wenn nach Ansicht des Wohnungsexperten Hoppe eine Beschilderung nach Wohnungsnummern möglich sei. "Für ein dauerhaftes Wohnverhältnis fühlt sich das sehr ungewohnt an." Und er ist überzeugt, dass Risiken die vermeintlichen Vorteile der Anonymisierung übersteigen.

In Wien ist der Fall abgeschlossen. Die Namen verschwinden. Will ein Mieter von "Wiener Wohnen" nach dem Austausch der österreichischem Verwaltung aber anstelle einer Nummer doch seinen Namen an der Klingel lesen, kann er ihn einfach selbst wieder anbringen. Der Hausverwaltung ist das nicht mehr gestattet.

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.10.2018

Für mich ein absoluter Widerspruch, wenn ich dann zeitgleich lesen muss, dass Bargeld immer mehr abgeschafft werden soll.
Heißt also, alle Bezahlfunktionen würden über kurz oder lang über irgendwelche Apps und Rechner laufen. Soll das dann auch ohne Namen gehen? Wäre ja auch Datenschutz. Ich würde nicht wollen, dass meine Bank jederzeit weiß, wo ich etwas gekauft habe. Wenn man nicht mal mehr Arzttermine online machen kann, bzw. Rechnungen per Mail erhält, kann das zwingende Bezahlen ohne Bargeld auch zu erheblichen Problemen beim Datenschutz führen. Das wird dann ganz lustig.

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17.10.2018

Servas,

leider ist euch bei der Recherche des Artikels etwas entgangen. Bei uns in Österreich, besonders in Wien gibt es kaum Namen an den Klingeln (hier übrigens "Glocke" genannt). Die meisten Adressen schauen so aus: zB. Kirchengasse 19/1/16 in 1160 Wien
Die Zahlen stehen für Hausnummer/Stiegennummer/Türnummer oder auch Wohnungsnummer genannt, (ach ja: Stiege heißt Treppenhaus). Und bevor dieser Beitrag noch zum Österreichisch-Sprachkurs wird, komme ich jetzt zum Punkt: Hier gibt es schon seit dem Jahre 1777 Türnummern und es funktioniert prima: die Post kommt an, Freunde finden meine Wohnung und auch die Feuerwehr kennt sich aus.

Hawidere
Stefan

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17.10.2018

Diese sogenannten Datenschutzexperten werden meiner Meinung nach noch blöder als sie schon sind. Vor lauter "studieren" haben sie ihr "Hirn" verbraucht. Normales Denken ist nicht mehr möglich. Beispiel: Ich wollte per e-mail einen Termin bei meinem Arzt ausmachen.
Die Antwort: Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen sie per e-mail keine Termine mehr vergeben. Ich solle doch telefonisch einen Termin vereinbaren. Gehts noch???
HR

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18.10.2018

Ja, ich wollte meine Rechnung per mail haben, geht nicht aus datenschutzrechtlichen Gründen, es geht nur mit der post, wobei heute die Post weniger vertrauenswürdig ist als die Mail.

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