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Gute-Nacht-Geschichte auf Bayern 1

07.10.2011

Das "Betthupferl" auf Schwäbisch

Symbolbild

Immer sonntags wird die Gute-Nacht-Geschichte auf Bayern 1 jetzt in Mundart erzählt.

Seit 58 Jahren versüßt das „Betthupferl“ den kleinen Radiohörern in Bayern das Schlafengehen. Aber so etwas hat es in dieser langen Zeit noch nicht gegeben: dass die Gute-Nacht-Geschichte auf Schwäbisch erzählt wird. An diesem Sonntag, 9. Oktober, ist Premiere.

Seit drei Wochen steht immer sonntags um 19.55 Uhr das „Mundart-Betthupferl“ auf dem Programm von Bayern 1. Und es ist ausgerechnet eine Hamburgerin, die dafür gesorgt hat. Redakteurin Anja Mösing, die seit ihrem Studium in München lebt und eine zwei Jahre alte Tochter hat, setzt die Idee ihrer Vorgängerin in die Tat um – und das aus voller Überzeugung.

Eigene Erinnerungen spielen dabei mit. Als Kind habe sie es im Sendegebiet des NDR sehr genossen, plattdeutsche Krimis und Glossen zu hören. „Ich weiß auch noch, dass mich da öfter Formulierungen und Wörter fasziniert haben, die ich nicht kannte und dort zum ersten Mal hörte. Solche frischen Wörter können für Kinder wirklich wie Schätze sein.“

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Über manches „frische Wort“ werden sicher auch die bayerischen Kinder staunen, denn es kommen alle Regionen abwechselnd dran. Auf „Beppo, die Burgfledermaus“ aus Mittelfranken, folgten „das Passauer Donaunixerl“ aus Niederbayern und „Waschbär Wugg“ aus der Oberpfalz. Und an diesem Sonntag geht zum ersten Mal „Grischdiene, die schwäbische Stubenfliege“, auf Sendung.

Eine Donauwörtherin  hat „Grischdiene“ erfunden

Silke Wolfrum hat sich die Figur ausgedacht, eine gebürtige Donauwörtherin, die schon viele Beiträge für die Kinderprogramme des Bayerischen Rundfunks geschrieben hat. Eigentlich spricht die Berufsoberschullehrerin selbst kaum Dialekt. Schon in ihrem Elternhaus sei das nicht üblich gewesen. Und in den 20  Jahren, die sie jetzt schon in München lebt, ist es dabei geblieben. Aber als die Redakteurin sie fragte, ob sie schwäbische Betthupferl schreiben würde, fand sie doch, dass das eine gute Idee ist.

Mithilfe eines Freundes aus Wertingen, dessen ausgeprägten Dialekt sie im Ohr hat, machte sie sich ans Werk. Und so entrüstet sich an diesem Sonntagabend die Stubenfliege „Grischdiene“ über den Hund Flecki, der „Hallo“ sagt statt „Grias di“ und auch sonst kein Schwäbisch versteht.

Auf der Website des Bayerischen Rundfunks konnten Neugierige schon Probe hören, wie es klingt, wenn Sprecherin Sabrina Litzinger die Vier-Minuten-Episode aus Lauchingen vorliest. Die Schauspielerin wurde 1984 in der Nähe von Stuttgart geboren und ist auf der Schwäbischen Alb und in Neu-Ulm aufgewachsen.

Normalerweise muss sie von Berufs wegen ein akzentfreies Schriftdeutsch sprechen. Aber sie findet die Idee, Kinder im Radio mit Dialekten vertraut zu machen, ganz toll. „Am besten wäre es, wenn alle Kinder zweisprachig aufwachsen würden, mit Hochdeutsch und mit dem Dialekt“, findet sie.

Eine Einstellung, über die sich Edith Funk von der Kommission für Mundartforschung an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sehr freut. Das Projekt verdiene volle Unterstützung, sagt die Krumbacherin, die viele Jahre am Sprachatlas für Bayerisch-Schwaben mitgearbeitet hat.

Als Expertin ist sie allerdings nicht ganz einverstanden mit der Art, wie „Grischdiene“ spricht. Bei der Lautung hat sie einige Fehler entdeckt, und die Wortwahl lasse vermuten, dass die kleine Geschichte auf Schriftdeutsch verfasst und dann übersetzt wurde, und das ist nicht immer richtig. „Als Schwabe hört man das halt“, sagt sie.

Wortwahl und Lautung stimmen nicht ganz

Schon das Wort „Stubenfliege“ klinge fremd in schwäbischen Ohren. „Man sagt nur Fluig“ (Fliege), erklärt Funk und statt „Riesenlärm“ müsse es „Mordslärm“ oder besser noch „Mordskrach“ heißen. Auch „freile“ (freilich) sei im Schwäbischen nicht gebräuchlich und statt „hier“ sage man „dao“ oder „bei uns dao“, so die Mundart-Expertin.

Die Redakteurin hofft trotzdem auf das Wohlwollen der Hörer. Zur Aufnahme der nächsten Staffel will sie die Dialektforscherin ins Studio einladen. Deren Angebot, die Schauspieler sprachlich zu beraten, nimmt sie gerne an.

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