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Kongress Sportzentrum Augsburg

13.07.2010

Der Schulsport wird immer noch belächelt

Sportunterricht. Bild: dpa

Das Sportzentrum der Universität Augsburg richtet einen viertägigen Kongress zum Thema "Fitte Kinder - ein Auftrag an uns alle! aus. Denn noch immer hat Sport in der Schule keinen ernsten Charakter. Von Till Hofmann

In zwei oder drei Jahren wird es so weit sein, dass jede Grundschul-Lehrkraft in Bayern während des Studiums mit Sport in Berührung gekommen ist. Seit 2008 gilt die neue Prüfungsordnung, die diese "Basisqualifikation" vorsieht. Professor Helmut Altenberger, Leiter des Instituts für Sportpädagogik an der Uni Augsburg, verzieht seinen Mund, wenn er diesen Begriff hört. "Ich würde das eher Schmalspurausbildung nennen." Tatsächlich entspricht der Umfang der aufgewendeten Stunden nur etwa einem Drittel einer Übungsleiter-Ausbildung.

Der Schulsport ist in Altenbergers Augen noch immer nicht "über ein Nebenfach hinausgekommen, das belächelt wird". Wenn an Schulstunden gekürzt wird, dann sei es in der Regel der Sport - häufig, weil gut ausgebildete Grundschullehrer fehlten. Umso wichtiger seien Angebote, sich nach dem Studium weiterzuqualifizieren.

Das Institut für Sportwissenschaft macht gemeinsam mit dem Bayerischen Turnverband von Donnerstag bis Sonntag ein solches Angebot: "Fitte Kinder - ein Auftrag an uns alle!" ist der viertägige Kongress, der großteils am Sportzentrum der Universität Augsburg stattfindet, programmatisch überschrieben. Rund 300 Lehrer, Wissenschaftler, Übungsleiter und Eltern haben sich angemeldet und nehmen an einem oder mehreren der insgesamt 120 Workshops teil.

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In den ganz praktischen Übungsstunden geht es vor allem darum, wie den Buben und Mädchen die Freude an der Bewegung vermittelt werden soll und warum eine kleine sportliche Einlage nach viel Kopfarbeit im Unterricht notwendig ist. In einem weiteren Workshop werden "Spiele ohne Gewinner oder Verlierer" vorgestellt, die dennoch oder gerade deshalb Spaß machten. Die knapp 100 Referenten bleiben nicht auf dem Unigelände, sondern geben in einem Hort, neun Kindertagesstätten, 15 Schulen und zwei Vereinen konkrete Anregungen. "Dabei geht es nicht darum, dass die Experten alles besser wissen", sagt Martin Giertz vom Turnverband. "Wir wollen Erzieher und Lehrkräfte dort abholen, wo sie stehen."

Dass es an der Lehrerausbildung für die Grundschule "noch gewaltig hapert", zeigt für Altenberger ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Denn bis zur verpflichtenden Basisqualifikation mussten sich künftige Grundschullehrer im Sport nichts beibringen lassen - und unterrichten später dennoch Sport. "Zwei Drittel der Lehrkräfte tun dies fachfremd", nennt der Sportpädagogik-Professor eine Größenordnung. "Das ist ein Missstand." Bereits seit Jahrzehnten geschehe "reichlich wenig", echte Verbesserungen im Schulsport seien nicht in Sicht. Für Altenberger ist dies "eine katastrophale Situation", da sich die Grundschüler nicht nur im kognitiven, sondern auch im motorischen Bereich im besten Entwicklungsalter befänden. Momentan werde diese Chance aber allenfalls unzureichend - wenn überhaupt - genutzt.

Höhepunkte des Sportkongresses:

Freitag: Forum Fitte Kinder. In einer Podiumsdiskussion stellen ab 16.45 Uhr Mediziner vor, warum Diabetes bei Kindern kein Zufall ist und warum der Schutz vor Arteriosklerose im Kindesalter beginnt.

Samstag: Spiel- und Sportfest für Familien auf dem Sportgelände der Uni, 10 bis 18 Uhr.

Im Internet: www.fittekinder.net Von Till Hofmann

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