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Bayern

07.02.2019

Diese Zahlen zeigen, wo das starke Bayern Schwächen hat

Die Mieten in deutschen Großstädten steigen, auch in München.
Bild: Peter Kneffel, dpa (Archiv)

Plus In Bayern wird in Straßen, Wohnungen und Kinderbetreuung investiert. Gleichzeit belasten hohe Mieten, ungleiche Gehälter und gesundheitliche Probleme die Bürger.

Was der durchschnittliche Bayer verdient, wie er wohnt und was er konsumiert, wird jedes Jahr exakt erhoben. Die neuesten Ergebnisse stehen im Statistischen Jahrbuch 2018 für Bayern. Ein dicker Wälzer mit mehr als 600 Seiten und über hunderttausend Daten, die die aktuellen Entwicklungen im Freistaat zeigen. Wo es im Freistaat boomt und wo das Bundesland Schwächen hat.

Das läuft gut in Bayern

Bevölkerung: Bayern ist beliebt wie nie. Eindrucksvolle Natur, vielfältige Kultur, gelebte Tradition und eine attraktive Wirtschaft locken immer mehr Menschen an, um zwischen Spessart und Alpen, zwischen Fichtelgebirge und Allgäu zu leben. Die bayerische Bevölkerung wird kontinuierlich größer. Mittlerweile hat die Anzahl der bayerischen Bürger die 13-Millionen-Marke geknackt – und es werden weiterhin mehr.

Wohnraum: Diese Menschen brauchen in Bayern auch ein Zuhause, deshalb nimmt mit dem Bevölkerungszuwachs gleichzeitig auch der Bedarf an Wohnraum zu. Zum Stichtag am 31. Dezember 2017 standen den Bayern über sechs Millionen Wohnungen zur Verfügung, mehr als 61.000 neue Wohnungen wurden fertiggestellt – ein Plus von 13,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut Innenminister Joachim Herrmann ist das der höchste Wert seit dem Jahr 2000. Er zieht einen Vergleich: „Binnen eines Jahres sind damit in Bayern in etwa so viele neue Wohnungen entstanden, wie es insgesamt in der Stadt Erlangen gibt.“

Verkehr: Neben Wohnraum wird im Freistaat auch die Infrastruktur immer mehr gefördert. Verkehrsweg Nummer eins ist die Straße. Um Schäden auszubessern, veraltete Verkehrswege auszuweiten und neue Trassen zu bauen, investiert der Freistaat verstärkt. Seit dem Jahr 2000 steigert er die jährlichen Ausgaben von 171,6 Millionen auf über 300 Millionen Euro. Das ist ein Plus von mehr als 76 Prozent. Für Joachim Herrmann ist das notwendig. „Schließlich sind Bayerns Straßen stark belastet.“

Beschäftigung: Auf dem Arbeitsmarkt sieht es in Bayern gut aus – vor allem, wenn man Bayern mit dem Rest der Republik vergleicht. Die guten wirtschaftlichen Voraussetzungen bescheren dem Freistaat eine niedrige Arbeitslosenquote – der Wert sank von 2017 auf 2018 von 3,2 auf 2,9 Prozent. Mit dem Nachbarland Baden-Württemberg teilt sich Bayern damit die niedrigsten Quoten im Vergleich zu den restlichen Bundesländern. Im bundesweiten Schnitt waren im vergangenen Jahr 5,2 Prozent der Menschen ohne Arbeit.

Kinder: Vieles verbessert sich in Sachen Wohnen, Verkehr und Arbeit. Gerade Familien scheinen sich daher in Bayern immer wohler zu fühlen. In den vergangenen Jahren stieg die Geburtenrate pro Frau auf durchschnittlich 1,56 Kinder an. Wie viele Babys auf die Welt kamen, steht ebenfalls im Statistischen Jahrbuch 2018: 126.191 Neugeborene sind dort verzeichnet. Für diese Kinder soll im Freistaat ein attraktives Betreuungsangebot geschaffen werden. Mittlerweile gibt es insgesamt 9430 Einrichtungen mit über 600.000 genehmigten Plätzen für mehr als 500.000 Kinder. Laut Statistischem Jahrbuch ein Plus von 24 Prozent an Betreuungsplätzen.

Das läuft nicht gut in Bayern

Bayern ist beliebt wie nie. Doch der Boom wirft auch seine Schatten auf das Bundesland. Wohnungsnot, soziale Ungerechtigkeit und die Verkehrswende sind nur einige Bereiche, die zu sozialen und politischen Brennpunktthemen werden und das Leben für viele Bürger in Bayern schwierig gestalten.

Bezahlbarer Wohnraum: Eines davon ist die wachsende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Obwohl viele neue Wohnungen gebaut werden, können sich viele Leute die Mieten nicht leisten. Im Schnitt müssen die Bürger 27 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete abgeben. Man kann davon ausgehen: Gerade in Städten und Ballungsräumen dürfte dieser Wert noch deutlich höher liegen.

Verkehr: Auch auf den Straßen wird es enger. Die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge wächst seit Jahrzehnten kontinuierlich. Das ist angesichts von Feinstaubbelastung, Stickoxidgrenzwerten und der Zunahme von Kohlenstoffdioxid, das den Treibhauseffekt verstärkt, eine negative Entwicklung. Um die Umwelt zu schonen, sollen nach dem Wunsch der Politik immer mehr Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, doch nach wie vor fahren die Bürger lieber Auto. Zum 1. Januar 2018 wurden knapp zehn Millionen Fahrzeuge verzeichnet – gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von zwei Prozent. Das Bayerische Innenministerium geht davon aus, dass die Anzahl weiter ansteigen wird.

Lohngleichheit: Angespannt ist auch die Situation zwischen Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Die Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern ist weit offen. Ein vollbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente zum 31. Dezember 2017 im Durchschnitt ungefähr 3940 Euro brutto im Monat – Frauen bekamen im Schnitt 18 Prozent weniger ausgezahlt. Das Statistische Jahrbuch zeigt außerdem, dass es Frauen häufig gar nicht schaffen, ein höheres Gehaltsniveau zu erreichen als Männer. Die aktuellen Zahlen belegen: Frauen sind in den Gehaltsstufen zwischen 500 Euro und 1500 Euro deutlich in der Überzahl. Für Männer ist es dagegen eine Seltenheit, dass sie im Schnitt weniger als 2500 Euro verdienen. Ein Gehalt über 4500 Euro erreichen siebenmal so viele Männer wie Frauen.

Gesundheit: Gesundheitlich könnte es den Bayern ebenfalls besser gehen. 51 Prozent der Bayern sind zu dick – zumindest, wenn man sich an den Body-Mass-Index-Kriterien orientiert. Hinzu kommt, dass mehr als 21 Prozent der Bürger über 15 Jahre regelmäßig rauchen. Männer zünden sich häufiger eine Zigarette an als Frauen und fangen außerdem auch früher an – im Schnitt mit 17,4 Jahren. Dabei ist medizinisch nachgewiesen: Übergewicht und Nikotinkonsum erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen – laut Statistischem Jahrbuch die häufigste Todesursache der Bayern.

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19.02.2019

Weil es in Bayern eben auch keine "soziale Ungerechtigkeit" gibt !

Was soll "soziale Ungerechtigkeit" überhaupt sein ?
Tatsache ist ,daß in Deutschland , zumal in Bayern die öffentlichen Gelder (Steuereinahmen) nahezu wieder zu 85 % in "Soziales" gesteckt werden !

Die Gründe für eine TOTALE Verkehrswende ("Diesel-NOx" ,"Feinstaub" , "Klimawandel") sind sowieso äußerst zweifelhaft zu betrachten und nicht einfach so unkritisch von den entsprechenden gründen Lobbygruppen zu übernehmen .

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07.02.2019

>> Doch der Boom wirft auch seine Schatten auf das Bundesland. Wohnungsnot, soziale Ungerechtigkeit und die Verkehrswende sind nur einige Bereiche, die zu sozialen und politischen Brennpunktthemen werden und das Leben für viele Bürger in Bayern schwierig gestalten. <<

Bayern hat bei der letzten Landtagswahl nach meiner Beobachtung keine Verkehrswende gewählt ;-)

Und "soziale Ungerechtigkeit" soll es geben in Bayern? Da hilft auch ein Blick auf die letzte Wahl - das ist dank einer guten Beschäftigungslage kein relevanter Faktor in Bayern: Linke 3,2% und SPD 9,7%.

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07.02.2019

>> Das läuft nicht gut in Bayern ... 51 Prozent der Bayern sind zu dick – zumindest, wenn man sich an den Body-Mass-Index-Kriterien orientiert. <<

Selbst wenn man den Autoren die fragwürdige Summenbildung der gesundheitlich unproblematischen Überschreitungen des BMI nachsieht, gibt es keine statistisch nachweisbare Überhöhung im Vergleich zu den Zahlen in Deutschland. Ganz im Gegenteil:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/256599/umfrage/bmi--anteil-der-uebergewichtigen-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

Faktencheck nicht bestanden - Draufkloppen auf Bayern - nein Danke!

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